Test: AVG Internet Security 2013
Der Hersteller ist bekannt für seine Gratis-Antivirus-Lösung. Ist seine Internet Security Suite den Kaufpreis wert?
AVG vertreibt die Software meist über die eigene Webseite. Der Installationsvorgang kommt ohne Reboot aus, schliesst aber zwecks Installation seiner Browser-Add-Ons alle Browserfenster, ohne sie anschliessend wiederherzustellen. Was wir zudem vermissten: Eine Sicherheitssoftware sollte zumindest darauf hinweisen, dass zwei Virenscanner auf demselben System zu Problemen führen können. Die bereits installierte Avira-Software wurde aber von AVG nicht moniert.

Hat AVG solche zweifelhaften Popuptexte nötig?
Für leichte Erheiterung sorgte unmittelbar nach der Installation das Popup unten rechts: «AVG hat Sie kürzlich vor Bedrohungen geschützt».

Keine Detailinfos zu den «Bedrohungen», vor denen uns AVG geschützt haben will
Den Nachweis dazu blieb uns die AVG-Software allerdings schuldig. Solche Meldungen nützen nichts, ähneln dem Verhalten von Scareware und bringen dadurch höchstens die Glaubwürdigkeit der Software ins Wanken.

Deaktiviert? Ist doch gut so. Warum in Warnfarbe?
Ebenfalls kurz nach der Installation zog eine Warnung in der Bedienoberfläche unsere Aufmerksamkeit auf sich. Offenbar wollte die Firewall neu gestartet werden. Aber was genau dafür zu tun war, verschwieg das Programm. Ausserdem war - ebenfalls in Warnfarbe gemeldet - die Datei- und Druckerfreigabe deaktiviert. Hier verwirrend: Bisher waren wir der Ansicht, diese Dienste seien in deaktiviertem Zustand am sichersten; es wäre doch das Aktivieren der beiden, die den PC gefährden könnten. Warum also davor warnen?
Wir fanden auch per Klick auf «Ändern» nicht heraus, was genau die Software von uns wollte. Eine Dialogbox berichtete etwas von Regelsätzen, die damit ersetzt würden. Ob das gut oder schlecht wäre, könnte ein Einsteiger nicht beurteilen.

Die Software konnte uns nicht klar mitteilen, was zu tun ist
Bedienoberfläche

AVG Internet Security
Hinter den bereits auf Windows-8-Optik getrimmten Kacheln befinden sich die Bedienelemente und Einstellungen zu den einzelnen Kategorien. In weiten Teilen recht übersichtlich, manchmal aber für Einsteiger alles andere als selbsterklärend.

Sieht toll aus, ist aber nur Werbung für ein weiteres Tool: PCAnalyzer
Auf dem Desktop erscheint ein Gadget, das den Systemstatus anzeigt und ein direktes Starten des Desktop-Scans, der Aktualisierung und eines ominösen PC-Analyzers erlaubt. Letzterer ist unter anderem Namen auch als Kachel in der Bedienoberfläche vertreten und ist mehr ärgerlich als hilfreich. Die angeblich gefundenen «Probleme» soll der Anwender mit einem herunterzuladenden Tool beheben. Jenes entpuppt sich aber als die nur einen Tag lang lauffähige Testversion von PC TuneUp.
Zurück zu den AVG-Kernaufgaben: Die Grundeinstellungen der Software sind sinnvoll gesetzt. Straffere Einstellungen würden zu mehr Fehlalarmen führen. Was die Ausstattung betrifft, erfüllt AVG Internet Security 2013 die Mindestanforderungen. Ein Virenschutz und eine Firewall sind an Bord, ebenso wie ein - übrigens sehr guter - Spamfilter. Vom ebenfalls eingebauten Identitätsschutz merkt man allerdings nicht viel; er soll vor aktuellen Bedrohungen auf Webseiten schützen. Zur Absicherung der Webbrowser fügt AVG den Browsern zudem eigene Toolbars und Suchfelder hinzu. Der Benutzer muss also über diese suchen, damit AVG die Suchresultate bewertet. Das ist in Konkurrenzprodukten besser gelöst; denen ist es egal, welche Suchwerkzeuge der Anwender benutzt. Die Virenerkennungsleistung liegt gemäss verschiedenen unabhängigen Testlabors nur im oberen Mittelfeld; unter anderem auch wegen Fehlalarmen. Der Spamfilter heimste hingegen viel Lob ein.
Fazit: Die Software erfüllt die Erwartungen nur knapp. Sie warnt zu Beginn der Installation nicht vor dem heiklen Vorhandensein des Konkurrenzprodukts, legt dem Anwender mit irreführenden Meldungen Steine in den Weg und nervt den User mit einer verkappten PC-TuneUp-Werbung. Für den Preis von 49.95 Euro bzw. rund 60 Franken muss der Nutzer einiges an Ungereimtheiten in Kauf nehmen. Wer auf einen guten Spamfilter Wert legt, kann aber zugreifen.
Gaby Salvisberg PRODUKTINFOS
AVG Internet Security 2013
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