Kommentar: Mehr Marktmacht durch Fusion?

Wird die Elefantenhochzeit von PCP.ch und Steg tatsächlich mehr Marktmacht bringen? Der Stellvertretende Chefredaktor vom PCtipp, Daniel Bader, ist skeptisch.

von Daniel Bader 06.10.2014

Zuerst die Fakten: Durch den Zusammenschluss von PCP.ch und Steg Electronics AG, der seit dem 1. Oktober 2014 perfekt ist, wächst ein Unternehmen heran, das in der Schweiz, Deutschland und Österreich über eine grosses Filialnetz verfügt. Im Detail sind es derzeit 17 Filialen, die der bisher grösste Assemblierer der Schweiz, namentlich Steg Electronics, quasi als Hochzeitsgeschenk in die neue Ehe mit einbringt. PCP.CH wiederum hat sich sukzessive in der Schweiz vergrössert. Der letzte Deal: Ende 2012 hat der Konzern, der international als PCP.com auftritt, den Schweizer PC-Assemblierer Beck PC übernommen, der sich mit hochwertigen, selbstkonfigurierbaren PCs mittlerweile in der Schweiz einen Namen gemacht hat.

Kluger Schachzug oder logische Konsequenz?

Mit der Übernahme wird Steg Electronics zu einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der PCP.ch AG und wohl auch dort eingegliedert. Denn PCP.com ist es, das als Unternehmen fortan die Richtung angibt. Immerhin: Personelle Veränderungen, sprich Entlassungen, sollen ausbleiben - zumindest vorerst. Dennoch lohnt sich ein genauer Blick: Ein signifikantes Indiz dafür, dass es Steg Electronics bereits seit Längerem nicht mehr richtig gut ging und geht, konnte man an der letzten veröffentlichten Pressemitteilung im August 2014 herauslesen. Dort hiess es unter anderem, dass «in Folge der Expansion die wirtschaftliche Entwicklung der Steg Gruppe in den letzten Jahren zu wünschen übrig liess. Durch die Erweiterung von Dienstleistungen und langfristige Kundenbindung wurde ein operativer Turnaround verzeichnet, und zu positiven Geschäftsergebnissen zurückgekehrt». Was nach Hoffnung klingt, kann aber durchaus auch als Angebot oder Hilferuf gedeutet werden. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass Stegs Hauptgeschäftszweig, der PC-Verkauf, arg ramponiert ist. Denn durch die andauernde PC-Flaute ist Stegs-Kerngeschäft peu à peu weggebrochen. Und zweitens: Gerade im Einstiegs- bis mittleren Preissegment der PCs hat der Luzerner PC-Pionier die harte Konkurrenz aus Fernost, sprich Lenovo oder Acer, immer deutlicher gespürt. Durch deren aggressive Preise schmolzen die Gewinne sprichwörtlich weg wie das Glace in der Sonne.

Betrachtet man die Übernahme aus diesem Blickwinkel heraus, macht sie durchaus Sinn. Denn Steg erhofft sich durch den Zusammenschluss eine Straffung des Geschäfts sowie Erhöhung der Schlagkraft, indem die Beschaffungswege der IT respektive der Zweitaufwand dafür deutlich reduziert werden.

Kräfte bündeln

Demzufolge ist der Zusammenschluss durchaus ein logischer und wohl auch richtiger Schritt. Und dennoch: In der Praxis muss er sich erst einmal beweisen. Denn die Konkurrenz, an der sich das neue Unternehmen selbst messen lassen will, schläft nicht - und ist sogar zeitlich schon ein Stückchen weiter: So am Beispiel der Digitec-Übernahme von Migros. Durch die Fusion ist das Zürcher Start-up unterm Strich in der Lage, seine Lager schneller zu füllen, aktueller zu halten und so effizienter wirtschaften. Klar ist also: Nimmt man die neuen Herausforderungen im IT-Umfeld an, darf man sich nicht scheuen, Kompromisse einzugehen. Zu genau solch einem Kompromiss hat sich Steg Electronics AG durch den Zusammenschluss entschlossen. Ihr Ziel: Kräfte zu bündeln, Synergien zu nutzen und so das Marktmomentum zu vergrössern.


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