Gerüchteküche
Ein Gerücht ist weder ein Gericht noch ein Geruch. Und vor allem ist ein Gerücht keine Tatsache. Seltsamerweise ist es genau deshalb so interessant. Siehe Apple.
Wer Apple nur ein bisschen kennt, der weiss: Apple nimmt nie Stellung zu Gerüchten, Apple gibt nie etwas über zukünftige Pläne bekannt, und das Ganze wird so strikt gehandhabt, dass Apple-Gerüchte auch überdurchschnittlich häufig falsch sind. Folglich gibt es kaum etwas Unergiebigeres, als über künftige Apple-Produkte zu spekulieren. Ob Apple nun wirklich diesen Tablet-PC bringt, ob er wirklich iSlate heisst, und wie er wirklich aussieht, wird man keine Minute vor der Apple-Pressekonferenz sicher wissen. Warum also nicht einfach warten?
Mir kommen da verschiedene Erklärungen in den Sinn. Positiv: Vorfreude ist die schönste Freude. Zeitkritisch: Geduld ist halt nicht gerade die Stärke unseres Zeitalters. Medienkritisch: Im Zeitalter des Google-Journalismus wird ja eh kaum noch etwas selber überprüft, da ist es nur noch ein kleiner Schritt zum blossen Gerüchteverbreiten. Jaja, und Schnelligkeit geht vor Wahrheitsgehalt, Sie kennen das. Aber nur auf die Medien einzudreschen, greift zu kurz: Die Leser lesen nämlich gerne Gerüchte.
Ein Fakt, eine Tatsache, eine echte News, die hat zwar Relevanz, ist aber schnell langweilig. Man kann sie genau einmal erzählen, dann ist die Sache erledigt. Ganz anders bei Gerüchten. Ein Gerücht lässt sich wie ein Gericht jeden Tag wieder in einer etwas anderen Version auftischen, man kann immer wieder neue Details anfügen, die angeblich irgendwo «durchgesickert» sind, man kann endlos darüber diskutieren, ob etwas nun plausibel ist oder nicht. Gerüchte regen wie Gerüche die Fantasie an. Man kann Illustrationen anfertigen und Wetten abschliessen. Was (noch) nicht ist, ist mindestens so spannend, wie das, was ist. Kinder hören gerne Märchen, Erwachsene lesen den Baron von Münchhausen und Romane, die von A bis Z erstunken und erlogen sind.
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