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Foto: www.pixelio.de/KnipselinevergrößenFoto: www.pixelio.de/Knipseline In einem Gebäude, in das Maik mit seiner Drohne eindringt (und die ältere Nancy mit ihrer eigenen Wundermaschine), findet sich «jede Menge Nippes». Die Rechtschreibprüfung macht jede Menge «Nippel» daraus. Ausserdem, weniger anzüglich, jede Menge «Nippon» – und, weniger verständlich, jede Menge «Kippers». Ich schlage in einem Duden und in einem Wahrig nach, um ganz sicherzugehen. Nein, ein «Kippers» ist nicht verzeichnet. Nicht in dieser Form. Es könnte sich allerdings um einen speziellen Lastwagen im Genitiv handeln. Ins Haus geliefert wird (mithilfe eines gewöhnlichen Autos) ein Teigfladen der Pizzeria Bella «Napoli». Selbst vor einem solchen Fremdwort hat das Programm keine Angst und kreiert einen «Napoléon» (der die Stadt einst erobert hat), ein «Indianapolis» (bei dem es sich auch um einen Ort handelt) und das Adjektiv «Einpolig» (das merkwürdigerweise gross geschrieben ist und auch sonst mit Neapel wenig zu tun hat, allenfalls mit der Gomorrha). Der Hausherr, der die Pizza an sich reisst und in sich hineinschlingt, beeindruckt mit seiner «Leibesfülle», die halbautomatisch zur «Liebesfülle» und zur «Leibesfrucht» werden könnte. Und zur «Leibes fülle», über die man sich am meisten wundert und die, so auseinandergerissen, gar nicht mehr imponierend ist. Maik erinnert sich an seinen «vollgemüllten Schreibtisch», an dem er eigentlich (die Fliege steuernd) sitzt, während die Software daraus einen «vollgepissten» Schreibtisch machen will und daneben einen «vollgetankten» rückt.

Werden Rechtschreibhilfen in die falsche Richtung entwickelt? pixelio.de/HofschlaegervergrößenWerden Rechtschreibhilfen in die falsche Richtung entwickelt? pixelio.de/Hofschlaeger Wir sind erst auf Seite 20 angelangt und haben schon so viel über dieses Buch erfahren. Erfahren haben wir auch einiges über die Methoden des Rechtschreibprogramms. Zunächst fällt auf, dass dieses selbst dann Vorschläge unterbreiten möchte, wenn es eigentlich keine hat. Die früher beliebte Strategie, ein Programm einfach mal nichts sagen zu lassen, scheint von höherer Stelle – um die besoffenen Programmierer nicht weiter zu beleidigen – gekippt worden zu sein. Wer das sein könnte bei einem Open-Source-Programm, ist eine spannende Frage; natürlich agieren in solchen Communities verschiedene Interessengruppen, und im konkreten Fall mischen sogar Konzerne mit. Die Vorschläge wirken, als würde ein amerikanischer, chinesischer oder indischer Programmierer das unaussprechliche deutsche Wort vor sich hin lallen, bis er genügend Varianten erzeugt hat. Und als würde er entdecken, dass man deutsch klingende Komposita an fast jeder Stelle auseinanderschneiden kann, ohne dass sie deshalb sinnvoller werden. Es gibt in den Tiefen der Software vermutlich Regeln zur Bildung der Begriffe, aber es sind keine, die mit der deutschen Sprache abgesprochen worden wären. Zusätzlich zu den Automatismen scheint wie in alten Versionen ein Wörterbuch eingearbeitet zu sein. Leider enthält dieses etliche Wörter nicht, die überaus gebräuchlich sind, dafür etliche, die im All der Sprache noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und wenn man sie schon einmal gesehen hat, möchte man sie nicht unbedingt näher kennengelernt haben.

Mit meiner Beispielsammlung werde ich, wie versprochen, die Firmen und Communities behelligen. Ich werde sie fragen, warum die Rechtschreibprogramme, die schon immer schlecht waren, so unübertrefflich schlecht geworden sind. Ich werde sie fragen, warum sie Rechtschreibprogramme entwickeln, die aus der Rechtschreibung eine Schlechtschreibung machen und deshalb Schlechtschreibprogramme heissen müssten. Die keine Werkzeuge, sondern Waffen sind, mit denen man die Wörter über den Haufen schiesst und in den Sätzen liegen lässt. Ich werde sie fragen, warum sie ihre Programmierer so viel trinken und keine Muttersprachler für sich arbeiten lassen. Und ich werde sie fragen, warum sie nicht mit der traditionsreichen Disziplin der Sprachwissenschaft oder den einschlägigen Nachschlagewerken kooperieren. Wenn ich Antworten erhalte, melde ich mich wieder.

Über den Autor
Prof. Dr. Oliver Bendel arbeitete in Deutschland und in der Schweiz als Projektleiter im Bereich Neue Medien und leitete technische und wissenschaftliche Einrichtungen an Hochschulen. Heute lebt er als freier Schriftsteller in der Schweiz und arbeitet als Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft (Fachhochschule Nordwestschweiz), u. a. mit den Schwerpunkten E-Learning, Wissensmanagement, Web 2.0, Mobile Business und Informationsethik. Er ist zu erreichen über oliver.bendel@fhnw.ch.





  

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