Wikipedia verliert an Offenheit
Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia wird ein Stück weniger frei. Schuld sind gleich mehrere Missgeschicke, die in den letzten Wochen dem Ruf des Online-Lexikons geschadet haben.
Seit dieser Woche können nur noch registrierte Anwender Wikipedia-Artikel [1] erstellen. Dies hat Gründer Jimmy Wales beschlossen. Das Editieren der Artikel bleibt weiterhin für alle offen. Von der strengeren Regelung ist nur die englischsprachige Version des Online Lexikons betroffen. Hauptgrund für die Massnahme ist ein Artikel über den früheren Robert-Kennedy-Berater John Seigenthaler. Für vier Monate stand im Text über ihn, dass er am Mordanschlag gegen Robert Kennedy beteiligt war - entdeckt hat den Fehler John Seigenthaler selbst. Wegen dem Verleumdungsartikel ist Wikipedia in starke Kritik geraten. Die Selbstkorrektur scheint doch nicht immer zu greifen; die Offenheit hat auch ihre negativen Seiten: Sie ermöglicht es, anonym Falschinformationen zu publizieren.
Der Fall Seigenthaler reiht sich in eine ganze Serie von Missgeschicken, die Wikipedia momentan zu schaffen machen. So wurde letzte Woche bekannt, dass der frühere MTV-Moderator Adam Curry in einem Artikel über Podcasting anonym ganze Absätze gelöscht hat. Sie enthielten Referenzen zu Beiträgen von anderen Podcasting-Experten - Curry selbst gilt als Podcasting-Experte. Auch die deutsche Ausgabe von Wikipedia machte kürzlich negative Presse: So sollen verschiedene Beiträge teilweise aus einem DDR-Lexikon kopierte worden sein.
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