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Wenn Linux-Fans feiern

Der PCtipp war zu Besuch bei der Ubuntu Feisty Fawn Release Party: Ein nicht ganz kurzer Kurzbericht, unter Anderem über Linux, freie Software und «geekige» Frauen.

von Gaby Salvisberg 24.04.2007

Am 19. April 2007 erschien offiziell eine neue Version von Ubuntu Linux [1], einem freien Betriebssystem, das anstelle von (oder neben) Windows oder MacOSX auf einem PC oder Mac-Computer laufen kann. Wenn in der Linux-Szene die neue Version einer so beliebten Distribution das Licht der Welt erblickt, dann wird gefeiert. Die Schweizer Release-Party von Ubuntu "Feisty Fawn" 7.04 fand am 21. April im Raum für Medienkulturen "Dock18" [2] im Zürcher Binz-Quartier statt.

"Feiern" bei den Linux-Fans hat bekanntlich nur wenig mit Lachshäppchen und Champagner-Cüpli zu tun: Wie Perlen auf einer Schnur reihten sich rund zwei Dutzend Notebooks und TFT-Bildschirme auf mehreren Tischen aneinander. Davor sassen schon kurz nach 14 Uhr mindestens ebenso viele Linuxfans, die sich gegenseitig mit Rat und Tat bei der Installation von Ubuntu Linux und beim Tuning der schicken neuen Desktop-Effekte unterstützten.

Obwohl zumindest anfangs fast 90 Prozent der Anwesenden männlich waren, wurde dieser Anlass massgeblich von einer Frau mitorganisiert: Myriam Schweingruber ist unter Anderem ein Mitglied der "Shegeeks" [3], einer Gruppe von Frauen, die sich für Informatik interessieren und dieses Thema ihren Geschlechtsgenossinnen näherbringen wollen. Neben Shegeeks waren auch andere Gruppen vertreten, die sich mit der Materie GNU/Linux und Freie Software befassen, so waren zum Beispiel Leute mit T-Shirts von der Linux User Group Kreuzlingen [4] auszumachen. Ebenso nicht fehlen durfte die sich gegen Softwarepatente [5] und für freie Software wehrende Gruppe Wilhelm Tux [6].

    Zoom [7]Schon nach kürzester Zeit stand der Raum, in dem sonst auch der Zürcher Chaos Computer Club tagt , voll im Zeichen von Ubuntu Feisty Fawn (zu deutsch "Lebhaftes Rehkitz"). Es wobbelte (Gummi-Fenstereffekt) und würfelte (Cube-Effekt) nur noch so auf den Bildschirmen.Der Cube-Effekt: Mehrere Arbeitsflächen auf einem drehbaren virtuellen Würfel

Viele der Party-Besucher nutzen sonst je nach Bedarf neben Linux noch Windows oder Mac OSX. Ungefähr jedes fünfte an der Party anzutreffende Gerät stammte von Apple. Dass Linux auch Spielfreunden nicht den Spass verdirbt, bewiesen zwei der Anwesenden, die sich mit dem Ballergame "Urban Terror" gegenseitig mit ihren Pixel-Knarren in einem virtuellen Dorf auflauerten.

Zwischendurch kamen wir in den Genuss dreier interessanter Vorträge:

Tormod Volden gab Tipps, wie sich Probleme mit der grafischen Oberfläche lösen lassen. Besitzer einer neueren Nvidia-Grafikkarte dürfen gespannt sein. Bisher hatten sie unter Linux die Wahl zwischen dem Open Source "nv"-Treiber, der zwar klaglos läuft, aber keine 3D-Unterstützung bietet, und dem proprietären "nvidia"-Treiber, der nicht quelloffen ist, und deshalb gelegentlich (z.B. bei Updates) Probleme machte. Nun ist von einem neuen Treiber namens "nouveau" [8] die Rede, der sowohl quelloffen ist, als auch die neuen Effekte unterstützen werde.

Als zweiter in der Vortragsreihe hatte Stéphane Graber das Wort. Er stellte Edubuntu [9] vor, eine speziell auf den Ausbildungsbereich zugeschnittene Ubuntu-Version, die sich in Schulnetzwerken ohne besonderen lokalen Administrationsaufwand nutzen lässt.

Für nichttechnische Ubuntu-Fans wohl am interessantesten war die Präsentation von Myriam Schweingruber. Nach einigen Worten über Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth und die Ubuntu-Philosophie, zeigte sie auf, wie sich auch technisch weniger Versierte in die Ubuntu-Gemeinschaft einbringen können. Um nur zwei von mehreren Mitmach-Möglichkeiten [10] zu nennen: Wer etwa lieber Fremd- statt Programmiersprachen hat, der ist im Übersetzungsprojekt [11] herzlich willkommen. Auch ist die Ubuntu-Community froh um Pixelkünstler, die flotte Icons, Hintergründe und sonstige grafische Elemente gestalten können [12].

Und Ubuntu 7.04 selber? Wir haben's natürlich schon vorher ausprobiert: Das frisch lancierte Ubuntu Feisty Fawn ist mit seinen schicken Desktop-Effekten eine echte Augenweide. Und doch ist das Rehkitz eher etwas für Experimentierfreudige. Wer lieber einen Blick auf ein stabileres Ubuntu Linux ohne die 3D-Effekte werfen möchte, der schaue sich Ubuntu Dapper Drake 6.06 LTS an [13]. Dieses wird dank Long Term Support (LTS) noch bis ins Jahr 2009 mit Updates unterstützt.

Übrigens: Im PCtipp 8/2006 warfen wir einen genaueren Blick auf Xubuntu 6.06, das sich wegen seines schlankeren XFCE-Desktops auch für den Einsatz auf älteren PCs eignet [14].

Nach der Feisty Fawn Release-Party legt das Ubuntu Swiss Team die Hände natürlich nicht in den Schoss. Es informiert über seine Aktivitäten auf seiner offiziellen Webseite [15].


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