Home  >  News  >  Firmen  > Meldung 20119

spacer

«Liberalisierungsfeindlicher Markt» zwingt Commcare zum Rückzug

Die Commcare muss sich der Realität der Rahmenbedingungen des Marktes anpassen und konzentriert sich wieder auf ihre Kernkompetenz.
blue_quad von Beat Rüdt (18.12.2001)
An der Aktionärsversammlung von gestern sind die Weichen für die Zukunft der Commcare endgültig gestellt worden. Die Netz-Infrastruktur soll verkauft werden, das Know-How im Bereich Services erhalten und als Geschäftsfeld weitergeführt werden. Dies gab der Verwaltungsrat an einem Mediengespräch heute Morgen in Zürich bekannt.
Die Commcare wurde 1988 gegründet und hat sich auf Netzwerkdienste spezialisiert. In den vergangenen zwei Jahren verfolgte die Firma unter ihrem Geschäftsführer und Firmengründer Urs Loeliger die Strategie, mit einem eigenen Netz ihre Dienste vollumfänglich anzubieten.
Eine gute Strategie, wie der ehemalige Verwaltungsrat Hans-Peter Koller wiederholt bestätigte. Doch die Realität des noch nicht vollständig liberalisierten Telekommunikationsmarktes machte die Träume zunichte.
Anfang November stiess das Bundesgericht einen Entscheid der Kommunikations-Kommission (ComCom) um, der die Swisscom verpflichtet hätte, ihre Mietleitungen Drittanbietern zum Selbstkostenpreis zugänglich zu machen [1]. Die daraus entstandenen höheren Kosten und die Nachforderungen der Swisscom verunmöglichten einen wettbewerbsfähigen Dienst der Commcare und führten zu einer Überschuldung des Unternehmens. "Es ist dramatisch, dass eine Firma wie die Commcare zu wenig Schnauf hat in diesem Business", kommentierte Koller die Folgen.
Urs Haug, Mitglied der Geschäftsleitung, stellte zusätzlich fest: "Sobald man Mietleitungen braucht, ist man nicht mehr wettbewerbsfähig". Und als Betreiberin der letzten Meile ist die Swisscom immer noch die einzige Firma, die nicht auf solche Leitungen angewiesen ist.
Insgesamt hatten sich durch die veränderten Bedingungen Schulden in der Höhe von mindestens 9,2 Millionen Franken angehäuft. Zudem mussten die Aktiven der Firma neu bewertet werden. Ein Umstand, der schliesslich zum Bruch mit dem bisherigen Geschäftsführer Urs Loeliger führten. Dieser versuchte an der gestrigen Aktionärsversammlung noch die Firma unter seine Kontrolle zu bringen, in dem er den Aktionären ihre Anteile abkaufen wollte [2]. Sein Vorschlag vermochte jedoch niemanden zu überzeugen und er wurde an derselben Veranstaltung aus dem Verwaltungsrat abgewählt.
Was jetzt beschlossen wurde, ist eine Zurückbesinnung auf die eigentlichen Kompetenzen der ehemals sehr erfolgreichen Firma. Die Netze mitsamt den Kunden werden an einen der Interessenten verkauft, mit denen die Commcare in Verhandlungen steht. Wer das ist, war noch nicht zu erfahren. Von den anfangs Jahr 104 Mitarbeitenden, von denen viele bereits in einer ersten Entlassungswelle den "Blauen Brief" erhielten, sollen noch 45 bis 50 weiter beschäftigt werden. Sie werden in Servicebereichen wie etwa Sicherheit und Business-Solutions weiter arbeiten.
Ob es tatsächlich so weit kommt, wird ein Richter entscheiden müssen. Die Commcare hat Ende letzte Woche nämlich Nachlassstundung beantragt. Morgen findet eine erste Anhörung statt.
Die anwesenden Verwaltungsräte, Mitglieder der Geschäftsleitung und der Sanierer sehen die Schuldigen klar: Das Bundesgericht mit seinem Urteil, das auf eine Politik abstützt, die "Swisscom-freundlich" und liberalisierungsfeindlich sei. Die grossen Investitionen der Vergangenheit und die Abwertung der Aktiven nach dem Bundesgerichtsentscheid haben zu einer so grossen Überschuldung geführt, die nach Überzeugung der Anwesenden nur einen einzigen Weg offen liess: Rückzug aus dem Markt und der (erst gerade angefangene) Versuch, zu retten, was zu retten ist.


Anzeige

Anzeige
Social Bookmarks
ARCHIV
left
SEPTEMBER 2010
right
MO
DI
MI
DO
FR
SA
SO
30
31
1
2
3
4
5
6
7
8
9

» Die letzten 14 Tage

» Newsarchiv

Wählen Sie:
Ähnliche News

Der Schwarzmarkt im Internet boomt. Gemäss den Sicherheitsexperten von Panda nutzen Kriminelle das Internet zur Geldwäsche. Vorsicht bei «zu günstigen» Angeboten

Die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) hat die Konzession für die Grundversorgung erneut an die Swisscom vergeben. Grundversorgung bleibt bei der Swisscom

Die Eidgenössische Kommunikationskommission ComCom vergibt diesen Herbst eine Konzession für Handy-TV. Voraussichtlich ist die Swisscom der einzige Bewerber. ComCom schreibt Konzession für Handy-TV aus

Am 1. April tritt das neue Fernmeldegesetz und damit die Entbündelung der letzten Meile in Kraft. Allerdings müssen die Preise erst ausgehandelt werden.... Die letzte Meile - was passiert jetzt?

Die Eidgenössische Kommunikationskommission (Comcom) will verhindern, dass Konsumenten unfreiwillig die Preselection für einen Festnetzanbieter ändern.... Besserer Konsumentenschutz bei missbräuchlicher Preselection

Leser empfehlen

Mit Microsofts Fix it Center flicken Sie Ihr Betriebssystem in Windeseile und vollautomatisch. Ebenso erfreulich: Die Anwendung ist vollkommen gratis. Praxis: Windows selbst flicken

Windows soll dank Tuning-Software schneller starten und mehr Leistung bringen. Der PCtipp testet, ob die Tools wirklich nützen. Test: Tuning-Suiten auf dem Prüfstand

Die neue Ortungsfunktion ist jetzt auch in der Schweiz aufgeschaltet. Wir zeigen, wie Sies wieder abschalten. Jetzt weiss Facebook, wo Sie sind

Gmail ist jetzt keine Spam-Schleuder mehr. Der nervige Bug wurde beseitigt. Gmail-Fehler ausgemerzt

Dieses Programm ermöglicht es, 2D-Videos automatisch in 3D umzuwandeln. Formatwandler 2D zu 3D

Aktuelle Meldungen

Mozilla hat Fennec 2.0 Alpha veröffentlicht. Der Browser versteht sich mit vielen Android-Smartphones. Mozilla-Surfbrett für Android-Geräte

Google Chrome bringt ein Inkognito-Feature mit, bei dem der Browser keine Informationen über das Surf-Verhalten speichert. Mit der passenden Erweiterung... Websites im Inkognito-Fenster öffnen

Schon bald gibt es die 3-PC-Version der G Data Internet Security 2011 mit einer 25-monatigen Long-Life-Lizenz zum Preis der Einzeljahresversion. G-Data-Jubiläumsversion für Schweizer

Chip-Hersteller AMD, Eigentümer der ATI-Marke, will die Grafikkarten laut Medienberichten noch in diesem Jahr komplett unter seinem Namen «AMD» anbieten. Marke ATI ist bald Geschichte

Mit diesem vierstündigen Videolernkurs lernen Einsteiger und Fortgeschrittene das neue Büropaket Schritt für Schritt kennen. Office 2010 beherrschen

Anzeige