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Google stellt Buzz vor

Wie Gerüchte erahnen liessen, gibt der Suchriese jetzt mit sozialen Netzwerken Vollgas. Ist Buzz mehr als alter Wein in neuen Web-2.0-Schläuchen?

blue_quad von Gaby Salvisberg (10.02.2010)

Das Wall Street Journal hatte bereits im Vorfeld der gestrigen Google-Pressekonferenz Gerüchte gestreut, Google arbeite an einer Art Facebook-Konkurrenz. Und das ist der neue Dienst namens Buzz denn auch – jedenfalls beinahe.

Noch ein weiteres Facebook?

Google-Manager: Vic Gundotra, Todd Jackson, Bradley Horowitz und Sergej Brin (v.L.n.R.)vergrößenGoogle-Manager: Vic Gundotra, Todd Jackson, Bradley Horowitz und Sergej Brin (v.L.n.R.) «Wir haben mit Ihnen etwas Aufregendes zu teilen!», leitete Google-Vizepräsident und Produktmanager Bradley Horowitz die Pressekonferenz ein. «Und genau ums Teilen von Informationen dreht sich Buzz.»

Mit Buzz erhält der Google-GMail-Anwender die von seinen Bekannten veröffentlichten Inhalte direkt in seinen GMail-Posteingang. Beim ersten Aktivieren von Buzz via GMail-Webinterface werden alle User, mit denen man per GMail mailt und chattet, automatisch als Buzz-Follower vorgeschlagen. Das ist ähnlich wie bei Facebook, sofern man jenem den Zugang zum Google- oder Hotmail-Konto gibt.

Bildergalerie Zum Starten auf das Bild klicken Google stellt an Pressekonferenz per Webcast den neuen Dienst Buzz vor. GMail-Produktmanager Todd Jackson war nun an der Reihe, etwas konkreter zu werden. Die gebuzzten Inhalte können – wie bei Facebook – aus Statusmeldungen, Links, Bildern oder Videos bestehen. Die Bedienoberfläche unterscheidet sich jedoch von jener der etablierten Konkurrenz. Buzz ist schneller, übermittelt die Infos in Echtzeit und enthält beispielsweise einen eigens für die neue Plattform entwickelten Videoplayer. Zu betrachtende Fotos werden in Sekundenbruchteilen auf Browsergrösse aufgeblasen und lassen sich schnell durchblättern.

Die bei Buzz platzierten Inhalte lassen sich entweder für alle Internetuser oder nur für selbst definierte Benutzergruppen veröffentlichen. Wer einen bestimmten Follower nicht will, der kann seine Inhalte für diesen auch blockieren. Genau wie bei Facebook gibts ein Kommentierfeld. Zudem werden die Inhalte von der Google-Suchmaschine in Echtzeit indexiert. Nicht zuletzt bestehen Schnittstellen zu anderen Web-2.0-Diensten wie Flickr, Twitter, Google Reader, Blogger, YouTube und Picasa. Getwitterte Inhalte oder bei Flickr eingestellte Fotos können damit automatisch als Buzz erscheinen. Die grosse Konkurrenz (Facebook) fehlt hier als Partneranwendung, was nicht sehr überrascht.

Relevanz geht vor

Ein Problem bei sozialen Netzwerken sei die schiere Flut von teils zutiefst unwichtigen Informationen. Im Unterschied zu Facebook will Buzz Unwichtiges von Wichtigem unterscheiden. Kommentierte Inhalte von Freunden werden beispielsweise prominenter dargestellt als etwa simple Statusmeldungen wie «Ich trinke Kaffee». Trotzdem sind die kleinen, weniger relevanten Meldungen stets am unteren Ende der GMail-Webseite abrufbar. Mit der Zeit will Buzz vom Benutzer lernen, was ihm gefällt und was nicht.

Den exakten Geschmack eines Users zu kennen, wird Google auch das Anzeigen perfekt zugeschnittener Werbung erleichtern.

Unterwegs per Buzz

Ein weiterer Anwendungszweck von Buzz ist die Verzahnung mit Google Mobile Maps und weiteren Standortdiensten. Vic Gundotra, Vizepräsident von Google Engineering erklärte, der Aufenthaltsort einer Person sei für deren Bekannte eine relevante Information. So gibt es fürs iPhone, für Windows Mobile und Google Android eine Anwendung, die dem User erlaubt, seinen genauen Standort mit wenigen Klicks an seine Freunde zu buzzen. Dabei braucht sich der User nicht mit Koordinaten herumzuschlagen, sondern wählt unter den automatisch ermittelten Orten einfach z. B. «Zuhause», «Im Büro» oder «Im Garten» aus. Auch eine Spracherkennung soll an Bord sein, damit der Anwender seine Buzz-Stati im Handy nicht einzutippen braucht.

Buzzes können auch fix mit Google Mobile Maps verknüpft werden. Der Anwender greift so auch auf die öffentlichen Buzz-Kommentare anderer User zu, die per Buzz etwa einen Laden oder ein Restaurant bewertet haben.

Gegen Ende der Pressekonferenz gesellte sich auch Google-Gründer Sergej Brin zur Runde. Für ihn habe Buzz «auch im Geschäftsalltag die Art, wie wir kommunizieren, verändert». Er bekomme von seinen Mitarbeitern viel schneller Feedbacks.

Warten auf den Buzz

Google plant, direkt nach Abschluss der Pressekonferenz mit dem Rollout von Buzz zu beginnen. Die Anwendung werde in den rund 146 Millionen GMail-Konten fortlaufend aufgeschaltet. Bis in ein paar Tagen sollte der Vorgang abgeschlossen sein.



  


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