Der Schweizer TV-Streit eskaliert

Kabelnetzbetreiber und Teleclub streiten sich um Übertragungsrechte und Gebühren. Die Weko untersucht den Fall - bei dem es um Geld, Sport und Technik geht. Wir lassen beide Seiten zu Wort kommen und versuchen, die Situation einzuschätzen.

von Fabian Vogt 13.09.2013
Cablecom und Teleclub haben andere Ansichten betreffend der Sportübertragungen in der Schweiz. Wer ist im Recht? Cablecom und Teleclub haben andere Ansichten betreffend der Sportübertragungen in der Schweiz. Wer ist im Recht? Zoom In der letzten Zeit krachte es im Gebälk der Schweizer TV-Landschaft. Einige Kabelnetzunternehmen und der Privatsender Teleclub liefern sich ein Duell um Übertragungsrechte und Publikum, das schlussendlich von der Weko entschieden wird. Wenn sich Branchenschwergewichte streiten, wird es oft schwierig, die Übersicht zu behalten. Doch, worum geht es überhaupt?

Das sind die Fakten 

Teleclub gehört der Cinetrade AG, die seit Mitte Mai zu 75 Prozent der Swisscom gehört (seit 2005 war die Swisscom als Minderheitsaktionärin beteiligt, bereits damals mit der Option auf Übernahme weiterer Aktien). Mit der Swisscom im Rücken machte sich Teleclub damals auf, die brachliegenden TV-Rechte der Super League zu kaufen und erweiterte in der Folge das Sportprogramm stetig. Damit wollte Swisscom ein USP für ihre neu lancierte IPTV-Plattform «Swisscom-TV» besitzen. Die Idee schlug voll ein, mittlerweile empfangen 860'000 Haushalte Swisscom TV. Viele von ihnen vor allem wegen der Live-Sportübertragungen, von denen es bei Teleclub mehr als 3000 pro Jahr gibt. Vor zwei Jahren wurden die TV-Rechte für Schweizer Fussball- und Eishockeyspiele erneut vergeben, erneut erhielt Teleclub den Zuschlag. Das Trio Swisscom/Cinetrade/Teleclub setzte sich in einem Bieterverfahren gegen die rund 240 Kabelnetzbetreiber und SRF durch, die sich gemeinsam um die Rechte bewarben. Fazit: Wenn Kabelnetzanbieter Schweizer Fussball- oder Hockey-Spiele übertragen wollen, müssen sie Teleclub in ihr Programm aufnehmen. Doch das Programm, das Teleclub-Kunden bei Swisscom erhalten, ist wesentlich besser.

Teleclub gibt es nicht exklusiv für Swisscom TV, schliesslich ist es im Interesse des Kanals, von so vielen Zuschauern wie möglich gesehen zu werden. Bei Swisscom zahlt man für das Basis-Angebot Cinema Fr. 29.90 pro Monat, bei Cablecom Fr. 39.90. Das zusätzliche Sportpaket ist zwar bei Swisscom (Fr. 12.90/Monat) leicht teurer als bei Cablecom (Fr. 9.90/Monat), dafür gibts bei Swisscom aber bis zu 31 Sportkanäle, bei Cablecom lediglich 3. Zudem können bei Swisscom TV sämtliche Sender für einen Aufpreis in HD-Qualität empfangen werden, bei Cablecom ist dies nicht der Fall. Und: Bei Swisscom-TV können Sportübertragungen auch einzeln gekauft werden, «Sport on Demand» also, bei Cablecom ist das nicht möglich.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Darum wird gestritten

Seite 1 von 4
       
       

    Kommentare

    • rene1212 13.09.2013, 16.27 Uhr

      Zur Zeit gibt es als upc-Teleclub-Kunde nur eine Lösung: Kündigung, Verzicht. Ich akzeptiere nicht, dass Swisscom/Cinetrade/Teleclub bewusst nicht versuchen, mit einem überall gleichwertigen Produkt und massiv günstigeren Preisen, das Kundenpotential auszuschöpfen. Teleclub überlebt aktuell wahrscheinlich nur dank Quersubventionierungen von Swisscom.

    • Roli1963 13.09.2013, 22.58 Uhr

      Sehr guter Artikel Herr Vogt. Jetzt wird mir als Teleclub-Kunde via UPC-Cablecom (endlich) einiges klar! Swisscom- und Sunrise-TV ist bei mir auf Grund masslos veralteter Telefonleitungen nicht möglich. Und dies in einem Wohnquartier mit mehreren Hundert Wohnungen. Für den Leitungsbau wäre Swisscom zuständig. Ich habe aus diesem Grund seinerzeit bei Sunrise gekündigt, da UPC-Cablecom der einzige Anbieter war, der mir HD-Fernsehen und einen schnellen Internetanschluss bieten konnte. Von Swisscom[...]

    weitere Kommentare

    Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.