Kommentar: Salts Abo ist eine Kampfansage – aber!

Salts neues Abo ist zweifellos attraktiv. Preislich und inhaltlich. Gewisse Dinge sind aber zu relativieren.

von Florian Bodoky 21.03.2018

Das Staunen war gross, als der Schweizer Provider Salt gestern sein Triple-Abo vorgestellt hat. TV, Festnetztelefonie und Internet für Fr. 49.90 im Monat. Das wird die Konkurrenz ganz schön ins Schwitzen bringen, was letzten Endes den Kunden zugutekommt. Vor allem, da Salt trotz des Preises keine Billiglösung bietet, sondern eine extrem schnelle Glasfaserleitung, Flatrate-Telefonie und Kooperationen im TV-Bereich, die vielversprechend klingen und es auch sind (Apple, Sky, Zattoo).

An dem Angebot gibt es absolut nichts zu mäkeln, allerdings darf man, gerade ob der inflationär verwendeten Superlative seitens Salt, die Aufregung guten Gewissens an manchen Stellen etwas beruhigen:

Geschwindigkeit

10 Gbit/s stellen in der Theorie alles bisher Dagewesene in den Schatten. Allerdings: Wie hoch ist der Verlust bei einer WLAN-Verbindung? Welches Endgerät unterstützt diesen Speed überhaupt? Und: Welche Anbieter von Filmen (deren Download Salt als Beispiel für den Speed angeführt hat), stellen überhaupt einen Server, der diesen Speed unterstützt? Die Antworten: erheblich, praktisch keine, eher wenige. 

4K

Salt rüstet seine Kunden gleich mit 4K-Apple-TV aus und wirbt mit dem Slogan «4K HDR für alle». Auch hier: Bisher gibts in der Senderliste nur vier TV-Sender (Stingray aus Kanada) wirklich in 4K. Ja, das Angebot wird ausgebaut, auch einige Streamingdienste bieten schon 4K-Content an (wozu ein entsprechendes Abo benötigt wird), allerdings könnte das noch dauern. 

«Keine Verpflichtung»

Attraktiver Preis, grosser Umfang Attraktiver Preis, grosser Umfang Zoom© PCtipp (Screenshot)

Salt wirbt auf seiner Website mit dem Begriff «keine Verpflichtung». Geht man den zwei Sternen aber nach, die diesen Slogan zieren, stellt man fest, dass Salt Gebühren erhebt, wenn man vorzeitig kündigt. Bei 198 Franken fängt das an und nimmt dann jeden Monat um 6 Franken ab. Klar, diese Beträge sind Pillepalle, dennoch dauert es fast drei Jahre (33 Monate), bis man gänzlich gebührenfrei aus dem Salt-Vertrag aussteigen kann, wenn man dies denn möchte. 

Man ist lange an das Salt-Abo gebunden, wenn man nicht zahlen möchte Man ist lange an das Salt-Abo gebunden, wenn man nicht zahlen möchte Zoom© PCtipp (Screenshot)

Verfügbarkeit

Die grössten Schweizer Städte seien in der Erschliessungskarte von Salt Fiber enthalten, so heisst es auf der Salt-Website, gefolgt von einer Liste der Orte, in denen Salt verfügbar sei. Aber aufgemerkt: Nicht alle dieser aufgelisteten Städte sind flächendeckend mit Glasfaser, bzw. FTTH versorgt. Bis dies der Fall ist, könnte es ebenfalls ein wenig dauern. 

Fazit

Wir möchten Salt überhaupt nicht am Zeug flicken: Das Triple-Paket ist preislich attraktiv, ebenso inhaltlich. Für die meisten der angeführten «Abers» kann der Anbieter nichts. Es ist uns nur daran gelegen, die grosse Aufregung, auch jene unserer Berufskollegen, etwas zu beruhigen.

Tags: Salt

    Kommentare

    • karnickel 21.03.2018, 16.43 Uhr

      zur Geschwindigkeit: Wenn ich "hinter" das Glas eine lahme Funkstrecke anklöpple kann kein Provider was dafür, oder? Zur Mindestvertragszeit: Gab es da nicht mal eine Deckelung auf zwei Jahre? Oder war das in Deutschland und nicht hier in der Schweiz? Weiss es nicht mehr.

    • Maxtech 22.03.2018, 13.44 Uhr

      Das Angebot tönt verlockend, ist aber für 80% nicht verfügbar die nicht über einen direkten Glasfaseranschluss in die Wohnung verfügen. Auch Kunden die über die Billiglösung bis ins Haus (FTTB) verfügen gehen leer aus. Verträge können nach OR beliebig lange abgeschlossen werden. Nur Rollover-Verträge die sich automatisch verlängern sind nicht mehr üblich.

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