Facebook sperrt Cambridge Analytica

Facebook hat Cambridge Analytica ausgesperrt, die Datenanalysefirma des Trump-Wahlkampfteams. Diese haben gesammelte Profildaten widerrechtlich aufbewahrt.

von dpa 21.03.2018

Facebook hat die Datenanalysefirma ausgesperrt, der eine wichtige Rolle beim Wahlsieg von Donald Trump nachgesagt wird. Cambridge Analytica und ihre Dachgesellschaft SCL hätten entgegen früherer Zusicherungen bis 2015 gesammelte Informationen über Facebook-Nutzer nicht gelöscht, erklärte das Online-Netzwerk am Wochenende zur Begründung. Cambridge Analytica soll der Trump-Kampagne entscheidend dabei geholfen haben, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook seine Anhänger zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

Über das Ausmass des Datenzugriffs gibt es jedoch unterschiedliche Angaben. Die New York Times berichtete am Wochenende unter Berufung auf frühere Mitarbeiter von Cambridge Analytica, die Firma habe Zugriff auf Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern ohne deren Zustimmung erhalten. Aus den Erklärungen von Facebook geht hervor, dass allerdings beim absoluten Grossteil dieser Nutzer nur Grundinformationen zum Profil zugänglich gewesen seien.

Vertieftes Wissen erhielt Cambridge Analytica laut Facebook aber über Menschen, die eine 270'000-mal heruntergeladene Umfragen-App ausfüllten. Die scheinbar harmlose Umfrage mit dem Namen thisisyoudigitallife versprach Nutzern einen Persönlichkeitstest. Ihr Initiator, Professor Alexandr Kogan von der Cambridge-Universität, habe dafür von den Nutzern die Erlaubnis zum Zugriff auf ihre Informationen erhalten. Die Umfrage war als wissenschaftliche Forschung deklariert. Dann habe aber Kogan Facebook belogen und Daten an Cambridge Analytica und SCL sowie den Datenanalytiker Christopher Wylie weitergegeben, erklärte Facebook. «Es war ein Betrug», sagte Facebook-Manager Paul Grewal der New York Times.

Zugang zu Profildaten

Zusätzlich zu den Informationen der Nutzer, die direkt an der Umfrage teilnahmen, bekam die App eingeschränkten Zugang zu Profildaten ihrer Facebook-Freunde, die entsprechend lockere Datenschutz-Einstellungen haben, erklärte das Online-Netzwerk. Das ist in solchen Fällen bei Online-Plattformen oft üblich und könnte die Zahl von Millionen in Mitleidenschaft gezogener Mitglieder erklären. Es seien aber deutlich weniger wertvolle Informationen. Dem Guardian zufolge öffnete jeder, der die Umfrage ausfüllte, Zugang zu solchen Daten von im Schnitt 160 weiteren Nutzern. Facebook machte seinerseits keine Angaben zur Gesamtzahl der betroffenen Mitglieder.

Die über die Umfrage gesammelten Daten halfen dabei, Nutzer in verschiedene psychologische und politische Kategorien einzuordnen und die Zielgruppen entsprechend zu adressieren.

Whistleblower Christopher Wylie

Der heute 28-jährige Christopher Wylie tritt jetzt als Whistleblower auf und legte Informationen zur Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica unter anderem der New York Times und der britischen Zeitung Guardian offen. Wylies Unterlagen enthüllen eine noch tiefere Verstrickung von Cambridge Analytica in den Wahlkampf als bisher bekannt: So habe die Firma WikiLeaks Hilfe bei der Verbreitung der gestohlenen E-Mails von Hillary Clinton angeboten.

Sie waren nach Erkenntnissen westlicher Sicherheitsbehörden von russischen Hackern gestohlen worden und ihre Veröffentlichung trug mit dazu bei, dass Trump die US-Präsidentenwahl im November 2016 gewann. Auch habe Cambridge Analytica der russischen Ölgesellschaft Lukoil eine Zusammenarbeit angeboten. Wylie verletzte mit seinen Enthüllungen Stillschweigevereinbarungen und könnte verklagt werden, hiess es.

Tragende Rolle bei Trumps Wahlkampf

Dass Cambridge Analytica eine Rolle bei Trumps Wahlkampf – und auch bei der Brexit-Entscheidung in Grossbritannien – gespielt hat, war bereits seit über einem Jahr bekannt. Darüber, wie gross der Beitrag der Firma war, wurde jedoch stets diskutiert. Unklar blieb am Wochenende zunächst auch, wieso Facebook sich 2015 mit einer Zusicherung der Vernichtung der Informationen begnügte, als die Weitergabe der Umfragedaten an Cambridge Analytica erstmals bekannt wurde. Facebooks Sicherheitschef Alex Stamos betonte am letzten Wochenende, dass es sich aus Sicht des Netzwerks um einen Missbrauch von Daten handle, die ursprünglich rechtlich korrekt gesammelt worden seien.

In den Monaten nach der US-Präsidentenwahl war bekannt geworden, dass Online-Plattformen wie Facebook und Twitter zum Schauplatz einer von Russland aus geführten Kampagne geworden waren, bei der mithilfe falscher Profile in grossem Stil versucht wurde, soziale Spannungen in den USA zu schüren und Trump zum Wahlerfolg zu verhelfen.

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