WhatsApp an Schulen finden nicht alle eine gute Idee

«WhatsApp» im Bildungsbereich bringt eine heikle Diskussion auf den Punkt. Doch haben Eltern nur Schutzargumente, um sich überhaupt mit digitaler Kommunikation auseinanderzusetzen?

von Simon Gröflin 01.03.2016

«WhatsApp funktioniert in der Kommunikation mit Jugendlichen», bloggt Philippe Wampfler, Lehrer und Autor für neue Medien an Schulen. Grosse Teile der Klassen würden keine Mails mehr lesen und WhatsApp ermögliche es, Fragen zu beantworten, dass alle einer Klasse gleich eine Antwort sehen, wie er schon in einem früheren Blogpost zum Thema festgehalten hat.

Die Datenschutzbedenken erachtet er grösstenteils als «Verhinderungsdiskurs», sich überhaupt mit neuen Kommunikationsmitteln auseinanderzusetzen. WhatsApp könne schliesslich auch leicht durch andere Kommunikationsmittel ersetzt werden. Aus einer bestimmten Perspektive heraus seien Hemmungen jedoch verständlich, zumal für den Schulbesuch nur geringe Kosten anfallen sollen. Schulen müssten diesbezüglich Lösungen anbieten, auch für den nötigen mobilen Datenzugang, findet der Lehrer.

Wie weit soll digitale Medienkompetenz gehen?

«Die Haltung, Eltern müssten Kinder vor digitaler Kommunikation schützen und hätten ein absolutes Recht zu entscheiden, in welchem Alter ihre Kinder den Zugang dazu erhalten, halte ich für eine esoterische Position», glaubt Wampfler. Bei einigen Rezipienten sorgte diese Aussage zunächst für kritischen Kommentarstoff. Das Argument sei schwach, einen Messenger wie WhatsApp zur Pflicht an Schulen zu erklären, weil es eine Art «gesellschaftlicher Konsens» sei, schreibt ihm Leser. Es sei Aufgabe der Schule, Medienkompetenz zu vermitteln. Das hiesse nicht, den Schülerinnen und Schülern zu erklären, wie beliebte Anwendungen bedient würden, sondern etwa auch Unterschiede zwischen proprietärer und offener Software und die gesellschaftlichen Konsequenzen daraus zu diskutieren, entgegnet ihm der Kommentarschreiber. Nochmals argumentativ zerlegt hat der Fachdidaktiker seine Aussage in einem späteren Blogpost: Geeignete digitale Lernmittel sollen problemlos an Schulen verwendet werden dürfen. Bei rechtlichen Problemen müsste eher das Recht als die Pädagogik angepasst werden. Und WhatsApp bringe eben diese Diskussion genau auf den Punkt, folgert der Lehrer.

Datenschutz obliegt der Schweiz

«Schulen stehen diesbezüglich vor einem Dilemma», meint Prof. Dr. Beat Döbeli Honegger vom Institut für Medien und Schule der pädagogischen Hochschule Schwyz gegenüber PCtipp. Datenschutzrechtlich seien derzeit häufig genutzte Plattformen oft problematisch, weil Nutzerdaten erhoben und genutzt werden in Ländern, die keinen zur Schweiz vergleichbaren Datenschutz aufzuweisen haben. «Aus Sicht des Staates ist der gesetzliche Datenschutz einzuhalten», so Döbeli Honegger. Dies würde jedoch in diesem Themenbereich oft jeglichen Lebensweltbezug verhindern, da Facebook, Dropbox, Twitter, Instagram einfach die meistbenutzten Plattformen sind. Die Frage stelle sich, ob die Schweiz als Staat insgesamt Möglichkeiten hat, den Datenschutz solcher Plattformen zu beeinflussen. Die Kündigung des «Safe-Harbour»-Abkommens der EU mit den USA sei ein Beispiel für einen solchen Versuch, glaubt der Dozent.

Angesichts der aktuellen Verbreitung von Smartphones unter Jugendlichen erachten beide Bildungsbeauftragte die 7. Klasse als eine «realistische Grenze», ab welcher die Nutzung solcher Dienste in der Schule vorausgesetzt werden kann.


    Kommentare

    • jacki 01.03.2016, 16.07 Uhr

      Die Idee ist eigentlich gut. Aber wieso WhatsApp? In der Schweiz wird Threema entwickelt und dort muss man nicht über Datenschutz diskutieren. Nur mal ein kleiner Anstoss.....

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