Kommentar: Chance verpasst!

CPU-Hersteller AMD und Intel brechen auf der wichtigsten Hardware-Messe der Welt in guter alter Tradition Tempo-Rekorde; verpassen dabei aber eine riesengrosse Chance.

von Daniel Bader 08.06.2018
Daniel Bader: Stv. Chefredaktor PCtipp Daniel Bader: Stv. Chefredaktor PCtipp Zoom Seit dem Bekanntwerden von Meltdown, Spectre (v1 und v2) haben auch aktuelle CPUs ein Sicherheitsproblem, das alles andere als auf die leichte Schulter genommen werden darf. Zwar versuchen die beiden grossen PC-Chiphersteller AMD und Intel mit BIOS-, Microcode-Updates oder Software-Patches die bekanntgewordenen Lücken zu schliessen. Das ist im besten Fall aber nur ein Spiel auf Zeit und kann übrigens das Verarbeitungstempo von Daten – was wiederum zu Lasten der Gesamtleistung geht – um nicht gerade unwesentliche 20 Prozent reduzieren.

Das ist sicher nicht im Sinne der Anwender, die sich Tempo und Sicherheit gleichermassen wünschen.

Wer allerdings gehofft hat, dass die beiden Dauerrivalen die «Computex»-Messe (5. bis 9. Juni 2018 in Taipeh/Taiwan) dafür nutzen, um Anwender von den Sicherheitsfeatures zu überzeugen, sieht sich mal wieder auf verlorenem Posten. Zwar haben AMD und Intel auf der wichtigsten Hardware-Bühne der Welt neue Chipdesigns vorgelegt. Die sollen aber erst einmal (in guter alter Manier) zeigen, wie schnell die Transistorboliden rechnen können, und dabei natürlich die direkte Konkurrenz schlecht aussehen lassen: Brandneue Prozessoren mit 18, 24 oder gar 32 CPU-Kerne sowie CPUs mit Taktfrequenzen von 5 GHz machen die Runde.

Genau! Richtig! Kennt man irgendwie alles schon und ist für mich nicht wirklich ein Schenkelklopfer.

Was ich mir allerdings tatsächlich gewünscht hätte, wären detaillierte Informationen zur Sicherheit gewesen. Wie wollen die Prozessorhersteller dafür sorgen, dass das CPU-Sicherheitsloch, das Spectre & Co. erst ermöglicht, konsequent geschlossen wird? Das aber bleibt bei den Präsentationen einmal mehr aussen vor, weil sich damit augenscheinlich nur schlecht werben lässt. Schade! Chance verpasst.

Tempo ist schön und gut und natürlich auch weiterhin (wohl) das Mass aller Dinge bei CPUs. Aber was nützt einem in den heutigen Zeiten der schnellste Rechenakrobat, wenn sich Cyberkriminelle durch solche Hintertüren Zugang zum Endgerät verschaffen und Daten, Kennwörter abgreifen oder sogar auch Rechner kapern können. Genau: nichts!

Nur wer konsequent, offen und von Anfang an aufklärt, kann beim wichtigsten Gut der Hersteller, nämlich beim Kunden, nachhaltig punkten.


    Kommentare

    • macwintux 11.06.2018, 13.28 Uhr

      Wieso sollten die Hersteller auf das Thema eingehen? Mit Ausnahme der Computerpresse und einiger Foren ist das ganze schlicht nicht präsent. Eine kleine Umfrage im Kollegenkreis zeigt, dass Spectre etc. für die allermeisten kein Thema ist. Einige haben davon gehört, aber schlicht keinen Schimmer, um was es geht. Darunter sind auch PC-Tipp-Leser. Selbst durchaus PC-interessierte Anwender (Betonung auf Anwender) können das Ganze absolut nicht einordnen. Da ist irgendeine dubiose Gefahr, wo nie[...]

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