Neue Amiga-Computer - ein Mythos auf dem Weg zum Comeback?

Es gibt sie noch, die Amiga-Anwender. Und schon bald könnten es wieder einige mehr werden. Geht alles nach Plan, feiert der Amiga, neben Atari DER Kult-Heimcomputer der 80er- und 90er-Jahre, im neuen Jahr eine Auferstehung!

von Christian Bütikofer 03.01.2002 (Letztes Update: 13.12.2002)

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    Zoom [1][2][3][4]Viele kennen ihn wohl noch, den Commodore Amiga 500, das Grafikwunder und Spielegerät der Superlative der 80er- und Anfangs der 90er Jahre. Der 23. Juli 1985 ist ein Meilenstein in der Computer-Geschichte; es ist die Geburtsstunde von Multimedia schlechthin, dem Amiga 1000. Commodore liess in New York zusammen mit dem Pop Art-Künstler Andy Warhol eine Party steigen, wie man sie in der Computer-Branche zuvor noch nicht erlebt hatte. Dieser Computer war seiner Konkurrenz damals um Jahre voraus und verfügte als erster für jedermann erschwinglicher Rechner über echtes Multitasking . Die Farbpalette umfasste für damalige Verhältnisse sagenhafte 4096 verschiedene Farben, ein vierstimmiger Stereo-Digitalsound mit eingebauter Sprachsynthese und funktionierendes Plug & Play . 1987 folgte der auch hierzulande den meisten wohl noch bekannte Amiga 500. 1989 ist Amiga trotz vieler gravierender Vermarktungsfehler in Europa klarer Markführer: Amiga vereint die meisten Anwender, meisten Home-Anwendungen und - im Software-Markt nicht zu unterschätzen - die meisten Spieleveröffentlichungen. Auch 1990 hatten die Macs und PCs im Heimanwender-Markt noch nichts Vergleichbares anzubieten. Doch der Erfolg währte nicht lange, die vielen Management-Missgriffe "trugen" langsam "Früchte", so dass der Abstieg schnell erfolgte und schon 1994 zum Ende von Commodore führte. Seit diesem Zeitpunkt wurde die Amiga-Technologie von verschiedenen Firmen auf- und wieder verkauft, eine Hiobsbotschaft folgte der nächsten und seit 1992 gibts keine offiziellen wirklich neuen Amiga-Computer mehr. Der PCtip berichtete 1995, als die Produktion der aktuellsten Modelle nach Aufkauf durch eine deutsche Handelskette wieder anlief (welche notabene später ebenfalls Konkurs anmeldete), noch über die zwei letzten Modelle, den Amigas 1200 und 4000 .

Um so erstaunlicher, dass sich um die Amiga-Anwender bis heute eine lebhafte Computer-Szene bildete. Softwarehäuser wie Haage & Partner [5] , Grasshopper [6] , Idruna [7] oder AudioLabs [8] versorgen die Amiga-Anwender regelmässig mit neuen Programmen. Hardware-Hersteller wie DCE [9] , Elbox [10] oder Matay [11] machen es tatsächlich möglich, moderne PCI-Peripherie an originalen Amigas einzusetzen (z.B. die Voodoo 3000-Grafikkarten oder Soundblaster Live-Soundkarten).

Im deutschen Sprachraum werden Amiga-User dank den monatlich erscheinenden Print-Titeln AMIGAplus [12] (Umfang zwischen 60 und 70 Seiten) und AMIGA-Magazin [13] mit Informationen versorgt. Dazu gesellt sich der Printtitel Amiga Future [14] , welcher zweimonatlich versandt wird. Ein täglich aktueller News-Service [15] bedient zudem die Community durchs Internet.

Games wie Quake [16] , Shogo:MAD [17] , Earth 2140, Floyd (Feeble Files) [18] , Descent Freespace [19] , Heretic II [20] , Payback (GTA-Clone) [21] oder Myst werden heute an Amigas gezockt. Titel wie SiN [22] , Worms: Armageddon, Quake II oder Soldiers of Fortune sind in der Mache, bzw. geplant. Auch das AmigaOS (also das Betriebssystem) wurde kontinuierlich weiterentwickelt und kam Ende 2000 auf die Versions-Nummer 3.9. Mit anderen Worten: Der Amiga fristet sozusagen im "Untergrund" ein sehr aktives Dasein, das für kommerzielle Interessen immer noch genügend abwirft. Wenn man bedenkt, mit was für Hardware auf diesem System heute noch gearbeitet wird, kann man durchaus behaupten, dass die Amiga-Community eine der leidenschaftlichsten und eingeschworensten Computer-Gemeinschaften ist. Sie hat den "Geist" ihres Betriebssystems wohl noch mehr verinnerlicht, als die heftigsten "Pinugine" (Linux).

Auch wenn die Amiga-Gemeinde in Europa vor allem in Deutschland eine breite Basis hat, so gibt es auch in der Schweiz eine aktive User-Gruppe. Die AUGS [23] bietet vor allem Schweizer Amiga-Usern eine Plattform zu allen möglichen Amiga-Themen. Wer in der Schweiz an aktuelle Amiga-Hard- und Software kommen möchte, findet bei der Firma Relec [24] oder AHS-Amiga [25] ein breites Sortiment vor.

    Zoom [26][27][28][29][30][31][32][33][34]Eine Basis für die Zukunft ist also vorhanden. Und so wie es scheint, wird im Jahr 2002 ein neues bedeutendes Kapitel in der Amiga-Geschichte geschrieben. Denn: Es wird neue Hardware und ein überarbeitetes Amiga-Betriebssystem geben. Bis heute waren Amiga-Anwender gezwungen, wenn Sie denn höchste Performance wollten, auf Amiga-Emulatoren wie WinUAE (unter Windows, wird von Cloanto kommerziell vertrieben) oder AmigaOS XL (läuft auf Intel-kompatiblen x86-Prozessoren) auszuweichen. Amiga kündigte die Fertigstellung von AmigaOne an, das als leistungsfähiges Workstation- und Server-System fungieren soll. Daneben wird laut Fleecy Moss, Vizepräsident der Amiga-Entwicklerabteilung , AmigaDE erstellt (DE steht für Digital Environment). Es soll sich im zukunftsträchtigen Embedded-Markt (PDA-Computer wie z.B. Palms) behaupten und gewährleistet, dass AmigaDE-Code auf jeder Plattform (ob PalmOS, Windows oder Mac usw.) läuft.Diese Pläne sind keine Gerüchte, sondern haben Hand und Fuss: Im Sharp PDA SL-5000 "Zaurus" (Erstes Bild rechts) steckt bereits AmigaDE-Code. Weitere Bilder vom "Amiga-Sharp" können bei Amiga-News eingesehen werden . Unter de.amiga.com gibts schon den "AmigaDE Player" für Windows und Linux , welcher AmigaDE-Programme mühelos abspielt. Laut AMIGAplus übertreffen einige der bereits veröffentlichten Spiele qualitativ jene des Gameboy Advanced. Hier ein Screenshot (zweites Bild rechts) vom Spiel "Planet Zed", welches auf dem AmigaDE Player unter Windows 98SE läuft:Aber auch neue "richtige" Computer-Hardware ist auf dem Weg - und zwar gleich von zwei namhaften Firmen. bplan und Eyetech arbeiten beide an zeitgemässen Hardware-Designs. Ein G3- oder G4-Prozessor wird das Mainboard antreiben und nach ATX-Standards gefertigt. PCI- und AGP-Anschlüsse werden ebenso vorhanden sein, wie USB und Firewire. bplan scheint im Moment die Nase vorn zu haben, was die Auslieferung betrifft. Die Einstiegsmodelle, welche um die 1000 Euro kosten, sollen Anfangs Februar 2002 erhältlich sein. Die Vorzeichen einer Amiga-Renaissance standen noch nie so gut wie Ende 2001 - der Amiga-Gemeinde wäre es zu gönnen und für die Computer-Welt eine willkommene Bereicherung.


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