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Spionage im Wohnzimmer: Smart-TV sicher nutzen

Smart-TVs benötigen für viele Funktionen eine Internetverbindung. Bei Schwachstellen haben Hacker die volle Kontrolle über den Fernseher. Das muss nicht sein.

von Simon Gröflin 25.04.2017

Fast jeder moderne Fernseher ist heutzutage ein Smart-TV. Dabei hat ein typischer smarter Fernseher viele Gemeinsamkeiten mit einem iPad, angefangen beim Bildschirm, der Kamera, über das Mikrofon bis hin zum leistungsfähigen Prozessor. Vor allem aber verfügen viele der smarten Fernseher über eine Internetanbindung und vieles läuft via Browser. Nicht zuletzt fehlt den proprietären Betriebssystemen ein Virenschutz.

Wir haben uns mit den Thalwiler IT-Forensikern des Cybersecurity-Beraters Oneconsult darüber unterhalten, welche Schutzmassnahmen denn Anwender bei einem Smart-TV überhaupt ergreifen können. Wie erstaunlich einfach man einen Smart-TV theoretisch hacken könnte, haben die Spezialisten jüngst an einer Cybersecurity-Veranstaltung in Genf in einem Video demonstriert (PCtipp berichtete).

«Im Gegensatz zu Microsoft-Produkten ist der durch Kunden ausgeübte Leidensdruck betreffend IT-Security überschaubar», sagt Christoph Baumgartner, CEO von Oneconsult, dem PCtipp. Aus diesem Grund veröffentlichen die Hersteller, wenn überhaupt, nur selten und nur für die aktuellsten Modelle Security-Updates. Wie bei Laptops und Smartphones ist es aber wichtig, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Denn bei Lücken erlangen Hacker im schlimmsten Fall die Kontrolle über den Smart-TV.

Radikale Massnahme: das fernsehtechnische Mittelalter

Die mit Sicherheit wirkungsvollste Massnahme, mit der man sich aber ins fernsehtechnische Mittelalter zurückversetzt, wäre ein Kauf eines TVs ohne Smart-TV-Funktionen, lächelt Baumgartner. Allerdings sind solche Fernseher in der heutigen Zeit rar gesät. Oder mit anderen Worten: Wer paranoid ist, müsste im Prinzip Kamera (sofern vorhanden) und Mikrofon physisch deaktivieren. Das würde bedingen, dass man je nach Modell das Gehäuse öffnet und die Verbindungskabel zu Kamera und Mikrofonen aussteckt oder durchschneidet. Dazu raten wir von PCtipp allerdings Laien auf keinen Fall, vor allem nicht bei neueren TVs, denn mit dem Öffnen verfällt die Herstellergarantie – eine spezielle Beschichtung der Gehäuseschrauben verrät jedes Öffnen. Wenn man auf die Sprachsteuerung verzichten kann und sich das Mikrofon nicht via Einstellungen deaktivieren lässt, müsste man das Mikrofon mittels Watte, Steinwolle und Klebeband abdichten – wobei diese Methode nicht zu 100 Prozent wirkt, wenn ein Angreifer die Software des Mikrofons manipulieren kann, um leise Töne zu verstärken. Je nach Modell befinden sich die Mikrofone im TV-Gerät und/oder in der Fernbedienung.

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    Kommentare

    • Goeoenkzwei 25.04.2017, 16.34 Uhr

      Das Ganze ist gut und recht. Auf Deutsch heisst das aber soviel wie: ein wirksamer Schutz ohne grosse Komforteinbusse ist nicht möglich und 95 % der Anwender werden nicht in der Lage sein, diesen sinnvoll zu konfigurieren.

    • Klaus Zellweger 25.04.2017, 16.53 Uhr

      So geht es auch: 1. Fernseher komplett vom Internet trennen 2. Apple TV 4 oder Nvidia Shield TV für Internet-Funktionen verwenden 3. Es gibt kein «drittens» ;-) Da HDMI auch Netzwerk-Signale übertragen kann, gibt es vermutlich eine theoretische Angriffsfläche. Aber an dieses homöopathische Restrisiko verschwenden wir bei uns Zuhause keinen Gedanken mehr.

    • EMkaEL 25.04.2017, 17.41 Uhr

      Dabei hat ein typischer smarter Fernseher viele Gemeinsamkeiten mit einem iPad bekommt ihr geld von apple? oder seid ihr marketing opfer? nennt es doch beim namen, nämlich TABLET!

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