Home  >  News  >  Kommunikation  > Meldung 35790

spacer

Die letzte Meile - was passiert jetzt?

Am 1. April tritt das neue Fernmeldegesetz und damit die Entbündelung der letzten Meile in Kraft. Allerdings müssen die Preise erst ausgehandelt werden. Es bleiben noch viele Fragen offen.

blue_quad von David Lee (22.03.2007)

Ausgangslage

-----------------

ADSL läuft in der Schweiz über das Kupferkabel der Telefonleitungen. Diese Kabelinfrastruktur wurde zum grössten Teil zu PTT-Zeiten erbaut, also von einem Staatsbetrieb ohne Konkurrenz, mit Geldern der Steuerzahler. Konkurrierende ADSL-Provider verfügen über kein eigenes Kabelnetz, sondern mieten die Infrastruktur der Swisscom.

Das neue Fernmeldegesetz

-------------------------------

Von dieser Miete ausgenommen war bisher die sogenannte letzte Meile: damit ist der Kupferdraht zwischen Ortszentrale und Hausanschluss gemeint. Unabhängig, bei welchem Provider Sie ihr ADSL bezogen, bekamen Sie bisher immer auch eine Rechnung von der Swisscom für den Telefonanschluss - natürlich garniert mit Swisscom-Werbung. Damit ist nun Schluss. Mit dem neuen Fernmeldegesetz wird das Monopol der letzten Meile aufgehoben. Das bedeutet, dass auch das letzte Stück bis der Leitung in Zukunft von Drittanbietern wie Sunrise bei der Swisscom zum Selbstkostenpreis gemietet werden kann. Der Kunde zahlt dann alle Dienstleistungen inklusive Telefonanschluss beim Drittanbieter.

Nicht betroffen von dieser Regelung sind neue Investitionen der Swisscom, insbesondere die Glasfaserleitungen für das VDSL-Netz, welche zurzeit in der ganzen Schweiz verlegt werden. Auch diese Infrastruktur kann zwar von der Swisscom weitervermietet werden, dann allerdings zu Preisen, die die Swisscom ohne staatliche Regulierung bestimmt. Das neue Fernmeldegesetz garantiert aber allen Telekommunikationsfirmen die gleichen Bedingungen zum Ausbau einer eigenen Infrastruktur (Zugang zu Kabelkanalisationen).

Was passiert als nächstes?

------------------------------

Am 1. April 2007 tritt das revidierte Fernmeldegesetz in Kraft. Wer nun geglaubt hat, damit sei alles geregelt, sieht sich getäuscht. Die Entbündelung der letzten Meile ist eine "Ex-Post-Regulierung": Das bedeutet, dass die ComCom (Eidgenössische Kommunikationskommission) [1] erst dann einen Preis festlegt, wenn die Swisscom sich mit den konkurrierenden Anbietern nicht einigen konnte. Wie ComCom-Präsident Marc Furrer an der heutigen Pressekonferenz erklärte, hätte er lieber eine Ex-ante-Regulierung wie in der EU gehabt, denn die Chance, dass es zu einer Einigung ohne Eingriff der ComCom kommt, ist eher klein.

Die Swisscom hat letzten Dienstag bereits ein erstes Angebot gemäss den Richtlinien des Bundesrates bekannt gegeben [2]. Die Kosten haben sich nach dem Berechnungsmodell LRIC (Long Run Incremental Coasts) zu richten. Bei dieser Methode wird berechnet, wieviel die Infrastruktur kosten würde, wenn man sie heute bauen müsste. Dafür dürfen auch keine Altlasten verrechnet werden. Wenn es nach der Swisscom ginge, sollen Drittanbieter 31 Franken für den Teilnehmeranschluss bezahlen. Zum Vergleich: der europäische Durchschnitt für einen Teilnehmeranschluss liegt bei etwa 17.50 Franken. Die Swisscom begründet den gewichtigen Tarif mit überdurchschnittlichen Baukosten in der Schweiz, was wiederum mit generell hohen Löhnen und schwierigen topografischen Verhältnissen (vor allem in den Bergen) zu tun hat. Sunrise und Tele2 halten diesen Preis für viel zu hoch. Sie werden nun mit der Swisscom noch einige Zeit feilschen. Wenn nach drei Monaten keine Einigung erzielt wird, legt die ComCom die Preise und Bedingungen endgültig fest. Danach ist noch eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht möglich.

Im Interesse der Konsumenten versucht die ComCom, das Prozedere innerhalb von 7 Monaten durchzuziehen. Sollte sich die Swisscom nicht kooperativ verhalten und jede juristische Aufschiebemöglichkeit nutzen, kann es aber auch doppelt so lange dauern.

Was bedeutet das für die Kunden?

--------------------------------------

Die Entbündelung der letzten Meile würde eigentlich die Möglichkeit beinhalten, ADSL ohne Telefonanschluss zu bekommen. Dies ist zwar theoretisch möglich - Sunrise & Co. entscheiden ja selbst, welche Dienstleistungen sie auf dem Teilnehmeranschluss anbieten. Doch die Kosten müssen sie auf die Kunden übertragen, und bei einem Einkaufspreis von 31 Franken wird ADSL kaum billiger als jetzt, selbst wenn der Telefonanschluss nicht inbegriffen ist.

Fällt der Preis noch wesentlich, sind auch günstigere Angebote denkbar. Das wird aber in jedem Fall noch mindestens ein paar Monate dauern.



  


Anzeige
Social Bookmarks
ARCHIV
left
MAI 2012
right
MO
DI
MI
DO
FR
SA
SO
30
1
2
3
4
5
6
7
8
9

» Die letzten 14 Tage

» Newsarchiv

Wählen Sie:
Ähnliche News

Der amerikanische Kongress hat einer Revision des Abhörgesetzes zugestimmt. Der Geheimdienst kann damit ohne richterliche Genehmigung E-Mails überwachen,... E-Mail-Überwachung in den USA erleichtert

Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) wird eine unabhängige Schlichtungsstelle für Telekommunikation einrichten. BAKOM richtet Schlichtungsstelle ein

Gemäss der neusten Umweltbilanz von Greenpeace produzieren Nokia und Dell am «grünsten». Nokia produziert am umweltfreundlichsten

Sunrise stellt den Verkauf an der Haustüre per Ende September 2007 ein. Sunrise stoppt Verkauf an der Haustüre

Swisscom Fixnet und Swisscom Solutions senken per 1. Juli 2007 die Basistarife für Gespräche ins Ausland. Günstiger ins Ausland telefonieren

Leser empfehlen

Der Gang durch die Gerichte brachte nichts: Ein junger Mann muss 675'000 US-Dollar Strafe zahlen, weil er Filesharing betrieben hat. 675'000 Dollar Busse für 30 Downloads

Aktuellen Gerüchten zufolge könnte Apple das Bildformat bei seinem neusten iPhone-Modell ändern und künftig auf ein 16:9-Display setzen. iPhone 5: 3,99 Zoll und neues Bildformat?

Sunrise überarbeitet (wieder einmal) seine Mobilabos. Die neuen Flat-Tarife bieten jetzt auch eine SMS-Flatrate, zudem werden neue Flatrates für Auslandnutzer... Neue Handy-Abos von Sunrise

Ein US-Start-up namens Leap Motion will einen Durchbruch in der Bewegungssteuerung erzielt haben. Ein jetzt veröffentlichtes Video vermag zumindest schon... Revolutionäre Gestensteuerung für 70 Dollar?

Welche Hardware- und Software-Verkäufer bieten im Garantiefall den besten Service? Unsere Leser haben abgestimmt ... Garantie und Service: die Top-Anbieter

Aktuelle Meldungen

Nvidia will dem Amazon-Tablet Kindle Fire mit seiner neuen Kai-Plattform im Niedrigpreissektor leistungsstarke Konkurrenz machen. Nvidia: Quad-Core-Tablets für 200 Dollar

Eine Mischung aus PC-Monitor, Fernseher und SmartTV: So könnte man den T24B750 beschreiben. Samsung T24B750

Aus Japan kommt eine ultradünne Schutzhülle, die das iPhone wasserdicht macht und dennoch eine Bedienung ermöglicht. iPhone erhält wasserfeste Kondomhülle

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat in einer Rede erklärt, dass Windows 8 für eine Wiedergeburt des Windows-Betriebssystems sorgen wird. Und er prognostiziert... Windows 8, die «Wiedergeburt» von Windows

In einem Video demonstriert ein Nokia-Mitarbeiter, wie ungemein robust das Windows Phone Lumia 900 ist. Nokia Lumia 900: Ich bin auch ein Hammer

Partnerchannel

 

Alles aus der Cloud-Welt für KMU von Microsoft Schweiz. 

 

ANZEIGE
Anzeige