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Cameron will Facebook-Verbot für Chaoten

Die Unruhen in London und anderen englischen Städten wurden offenbar über soziale Netze und mithilfe von BlackBerry-Smartphones koordiniert. Nun fordert der Premier ein Verbot der Dienste für mutmassliche Chaoten.

blue_quad von Jens Stark (12.08.2011)

Der britische Premierminister David Cameron erwägt das Verbot von sozialen Netzwerken und von BlackBerrys für gewisse Personengruppen. Damit sollen künftig Ausschreitungen, wie sie englische Städte diese Woche erlebt haben, verhindert werden. Laut Cameron hätten sich die Brandschatzer und Plünderer über diese Kanäle organisiert, wie er in seinem Votum vor dem britischen Unterhaus festhielt.

Ob ein Facebook-Verbot ihn davor abhalten würde, sich künftig an Krawallen zu beteiligen? (Bild: IDGNS)vergrößenOb ein Facebook-Verbot ihn davor abhalten würde, sich künftig an Krawallen zu beteiligen? (Bild: IDGNS) Er arbeite zusammen mit Scotland Yard sowie weiteren britischen Polizeien und Geheimdiensten daran, den Unruhen Einhalt zu gebieten. Dabei werde ausgelotet, ob es möglich sei, Gewalttäter daran zu hindern, sich über soziale Medien wie Facebook und Twitter sowie mithilfe verschlüsselter Mitteilungen auf BlackBerrys zu organisieren.

«Der freie Fluss der Information kann für Gutes genutzt werden, aber auch für Schlechtes», so die Analyse von Cameron. «Wenn die Leute soziale Medien für Gewalt missbrauchen, müssen wir sie daran hindern», meint der Premier weiter.

Abgesehen davon, dass wohl eher soziale Ungleichheit als soziale Netze für die Unruhen der letzten Tage verantwortlich sein dürften, kann man sich nur bedingt vorstellen, wie der Wunsch des Premiers, Facebook und Twitter für ganz bestimmte Personen sperren zu lassen, technisch umgesetzt werden kann.

Zumindest stösst der Vorschlag von Cameron bei Experten auf Unverständnis. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein demokratisches Land wie Grossbritannien soziale Netzwerke unterbinden will», meint Zeus Kerravala, Analyst bei der Yankee Group. Daneben hat er Zweifel, ob das Ganze technisch überhaupt machbar wäre. «Es gibt so viele Zugänge zum Internet über zahlreiche ISPs und Mobilfunkanbieter, dass es für die Polizei eigentlich unmöglich ist, eine solche Operation durchzuführen», gibt er zu bedenken. Selbst, wenn der Staat den Zugang unterbinde, würden Gewalttäter schnell eine Hintertür finden. «Beispielsweise könnten sie französische Smartphones benutzen», meint er.

Bürgerrechtler äussern sich gar empört über die Forderung aus der Downing Street. «Der Vorschlag ist eine bizarre Überreaktion der Regierung», erklärt Padraig Reidy von der Organisation «Index on Censorship». Für ihn ist die Forderung von Cameron ein übles Déjà-vu. «Wir haben das wieder und wieder erlebt, speziell, wenn es um junge Leute und Technik geht. Jetzt sind es die sozialen Netze und Smartphones. Vor ein paar Jahren waren es Videogames und davor mussten Horrorfilme als Argument herhalten», meint Reidy.



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