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Facebooks zweifelhafte Löschpraxis

The Cool Hunter, ein beliebtes Magazin für Popkultur, verlor vor zwei Monaten ihren gesamten Facebook-Auftritt von einem Tag auf den anderen. Facebook blieb Antworten schuldig, vermutlich ging es aber um angebliche Urheberrechtsverletzungen.

blue_quad von Hannes Weber (08.10.2012)

Für The Cool Hunter war der Facebook-Auftritt enorm wichtig. Das Popkulturmagazin zählte im sozialen Netzwerk 788'000 Fans, täglich generierte der Auftritt rund 10'000 Seitenbesuche auf der offiziellen Webseite des Magazins. Bis vor rund zwei Monaten: Von einem Tag auf den anderen war die Facebook-Seite von The Cool Hunter verschwunden – von Facebook selbst gelöscht. Acht Wochen später nahm der Gründer des Magazins, Bill Tikos, auf der Webseite ausführlich Stellung dazu und erhob schwere Vorwürfe gegenüber Facebook.

Ohne Vorwarnung

Offene Kommunikation gehört nicht zu den Stärken von Mark Zuckerbergs FacebookvergrößenOffene Kommunikation gehört nicht zu den Stärken von Mark Zuckerbergs Facebook Insbesondere hat Tikos kein Verständnis für die mangelnde Kommunikation und Transparenz des sozialen Netzwerks. So habe man keinerlei Warnung oder Erklärung für die Löschung der Facebook-Seite erhalten. Man sei einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Auch habe man keinerlei Möglichkeit gehabt, sich zu rechtfertigen und die Probleme, die zur Löschung geführt haben, aus der Welt zu schaffen.

Aber was war der Grund für das plötzliche Verschwinden der Facebook-Seite? Auf Nachfrage bei Facebook hiess es dazu lediglich: «Der Account wurde wegen wiederholten Urheberrechtsverletzungen deaktiviert.» Genaue Angaben zu den angeblichen Urheberrechtsverletzungen oder Angaben zur Partei, welche die Verletzungen beanstandete? Fehlanzeige!

Quellenangabe nicht immer möglich

Tatsächlich sei der Facebook-Account des Magazins in der Vergangenheit bereits zweimal wegen Urheberrechtsverletzungen von Bildern vorübergehend deaktiviert worden. Tikos ist aber nach wie vor der Meinung, dass in diesen Fällen gar keine Verletzung von Rechten vorlag. Er räumt zwar ein, dass sein Magazin ab und zu Bilder poste, ohne die genaue Quellenangabe zu wissen. Das Problem sei aber ein generelles: In sozialen Medien wie Facebook, Pinterest oder Tumblr würden täglich Millionen von Bildern ohne Copyright-Angabe geteilt. Obwohl es ihnen ein Anliegen sei, wo immer möglich die Urheberrechte zu berücksichtigen und korrekt wiederzugeben, sei dies oft schlicht nicht möglich.

«Facebook lebt vom freiem Teilen»

Es sei eine «lächerliche Idee» zu glauben, dass jeder, der auf Facebook ein Bild teile, zuvor abgeklärt habe, ob er überhaupt die Rechte dazu hat. «Wenn dies so wäre, wäre Facebook nicht das Business, das es ist.» Denn das Geschäftsprinzip des sozialen Netzwerks basiere nun mal auf dem freien Teilen von Inhalten.

Trotzdem: The Cool Hunter sind die Hände gebunden, denn in den AGB von Facebook steht ausdrücklich, dass es verboten ist, Inhalte zu veröffentlichen, die das Urheberrecht von anderen verletzen. Die Facebook-Seite des Magazins ist somit für immer verloren – dies bestätigte das soziale Netzwerk auch so gegenüber TheNextWeb.

Schwieriger Neuanfang

Nach der Löschung des Profils gelang es The Cool Hunter zwar, die eigene Facebook-Seite wieder zurückzuerlangen, jedoch komplett ohne Inhalt. Innert fünf Tagen konnte die Seite 400'000 Fans zurückgewinnen – nur um dann von Facebook erneut deaktiviert zu werden.

Heute ist The Cool Hunter zwar wieder auf Facebook präsent, allerdings unter einer neuen Adresse. Von den ursprünglichen fast 800'000 Fans sind aktuell nur noch etwas über 6000 geblieben. Einige frühere Inhalte sind zwar mittlerweile vom Magazin wieder erfasst worden, der Glanz der alten Tage scheint aber verflogen - und der Schaden (auch finanziell) dürfte für Bill Tikos und sein Team gross sein.

The Cool Hunter ist nicht das einzige Magazin, das Facebooks rigorose Löschpraxis bereits zu spüren bekam. Im Frühling 2011 musste beispielsweise der bekannte Tech-Blog Ars Technica ebenfalls die kommentarlose Deaktivierung seines Facebook-Profils zur Kenntnis nehmen. Wie sich nachträglich herausstellte, ging es auch damals um angebliche Urheberrechtsverletzungen.



     


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