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Freies Internet – quo vadis?

Herrscht im Internet wirklich die völlige Informationsfreiheit, wie so oft behauptet wird? Diese Frage kann bereits heute negativ beantwortet werden, denn immer mehr Anbieter von Internetdiensten betreiben Zensur.

von Sascha Zäch 05.08.2002

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"Google filtert" lautete vor nicht allzu langer Zeit eine Schlagzeile des Online-Magazins Telepolis [1]. Darin prangerte der Autor Burkhard Schröder die Suchmaschine Google an: Diese zensiere unter den Domain-Adressen www.google.de/, www.google.ch/ und www.google.fr/ Inhalte, während man unter der US-Adresse www.google.com/ dieselben Seiten frei abrufen könne. Das Ungerechte sei dabei weniger das Sperren der Websites - da es sich vor allem um rechtsradikale und üble pornografische Inhalte handle -, sondern vielmehr, dass Google die Anwender über ihr Vorgehen gar nicht informiere. Stillschweigend spielt sich hier ein Site-Betreiber als Vormund auf -Internetbenutzern muss schliesslich gesagt werden, was für sie gut ist und was nicht.

Leider zeigt sich in letzter Zeit, dass ähnliche Zensurmassnahmen im World Wide Web immer mehr Anklang finden. Gerade in Europa setzen bereits verschiedenste Anbieter Programme ein, die "schädigenden Inhalt" aus dem Internet filtern sollen. Meist werden dazu so genannte Wortfilter benutzt. Diese sollen den Zugang zu "politisch unkorrekten" Webseiten oder Produkten mittels Suche nach Schlüsselbegriffen einer, dem Anwender oft unbekannten, Schwarzen Liste verhindern. Die Zuverlässigkeit von Wortfiltern wird heute jedoch von vielen Experten bezweifelt, da die Programme zu oberflächlich arbeiten. Stur werden Websites nach heiklen Begriffen durchsucht und jeglicher Inhalt, der unerwünschte Wörter enthält, unterdrückt. Die Auswirkungen dieser Zensurart sind teilweise so seltsam, dass man sie - wenn die Problematik nicht so ernst wäre - mit einem abschätzigen Lächeln quittieren könnte.

Jüngstens gerieten auch ebay.de [2] und Yahoo aufgrund ihrer Filter in die Schlagzeilen. Unter wortfilter.de [3] sind alle Begriffe aufgelistet, die das Auktionshaus eBay im deutschsprachigen Raum für unzumutbar hält. Beispiele gefällig? Hitler, Arsch, Arien, Jude etc. Produkte, die diese Buchstabenkombinationen in ihrem Namen tragen, werden dem Anwender nicht angezeigt. Das Lächerliche an den ausgesuchten Begriffen wird einem sofort klar, wenn man bedenkt, dass "Jude" im Englischen auch ein Personenname ist, die Buchstabenfolge "arsch" häufiger Bestandteil von harmlosen Wörtern ist (z.B. Marsch, Warschau, Haarschneider, Barsch, Marschall etc.) und eBay sogar falsche Begriffe wie "Arien" (statt Arier) auf die Schwarze Liste setzt. Laut wortfilter.de [4] kann die Zensur ausserdem relativ einfach umgangen werden und ist damit eigentlich ein nutzloses Ärgernis für den Anwender. Was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt: Wie Google findet sich auch eBay nicht bemüssigt, ihre Kunden über die eigene Zensurpolitik zu informieren.

Yahoo nimmt sich laut ZDNet [5] sogar die Freiheit bzw. Frechheit heraus, in E-Mails von Benutzern des Yahoo-Mail-Systems eigenmächtig Wörter abzuändern. Hier steht einmal nicht der Schutz vor bedenklichen Inhalten im Vordergrund, sondern die Angst vor mit Javascript [6] verseuchten Mails. Begriffe, die einen Skriptbefehl repräsentieren, werden automatisch durch harmlose Wörter ersetzt: so etwa Mocha durch Espresso. Gemäss ZDNet eine übertriebene Massnahme, da es genügen würde, einfach die Skript-Tags zu eliminieren.

Das Sperren bedenklicher Webseiten ist das Eine und bei Härtefällen auch zu befürworten, die dabei verwendeten Methoden aber etwas Anderes. Was bringen fehlerhafte und unsinnige Zensurmassnahmen, die ausserdem noch relativ einfach umgangen werden können? Und warum glauben selbst ernannte Sittenwächter uns bevormunden zu müssen, ohne auch nur im geringsten darüber zu informieren? Fragen, die sich viele Betreiber von Internetdiensten ernsthaft überlegen sollten.


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