Swisscoms WLAN-Falle schnappt wieder zu

Scheinbar hat Swisscom nichts gelernt: Ein Update setzte klammheimlich die Einstellungen zurück und sorgte dafür, dass sich Smartphones wieder unbemerkt mit den eigenen WLAN-Hotspots verbinden, die schon vor einem Jahr als Kostenfalle entlarvt wurden.

von Hannes Weber 27.05.2013

Vor über einem Jahr haben wir über Swisscoms dreiste Handhabe mit ihren öffentlichen WLAN-Hostpots («Mobile Eapsim») berichtet. Kurz zusammengefasst: Die Smartphones von Swisscom-Kunden verbinden sich automatisch mit diesen WLAN-Hotspots, die es überall in der Schweiz gibt. Anders, als man meinen könnte, ist der über die WLAN-Hotspots transferierte Datenverkehr nicht gratis, sondern wird vom inkludierten Datenvolumen der Nutzer abgezogen, wenn die keine Flatrate haben. Das kann teuer werden – vor allem, wenn man sich angesichts der WLAN-Verbindung in falscher Sicherheit wiegt. Um sich vor dieser Kostenfalle zu schützen, muss man das automatische Verbinden für die besagten Zugangspunkte deaktivieren.

Update setzt Einstellungen zurück

Längst hatten sich die Wogen geglättet, doch nun sorgt Swisscom mit ihren WLAN-Hotspots erneut für gesalzene Handy-Rechnungen bei einigen ihrer Kunden. Wie SRF auf seiner Webseite berichtet, hat Swisscom ein Update für Smartphones ausgeliefert, das die Einstellungen zurücksetzte. Die Folge: Die Handys verbinden sich wieder automatisch mit den WLAN-Hotspots, die neu nicht mehr «Mobile Eapsim», sondern treffend «Swisscom_Auto_Login» heissen, auch wenn man dieses Verhalten zuvor ausgeschaltet hatte.

Wie Swisscom gegenüber SRF erklärte, hätte man nebst der Umbenennung der Hotspots auch die Sicherheitseinstellungen verbessert, was das Zurücksetzen der Einstellungen nach sich zog. Blöd nur, dass die Kundinnen und Kunden von diesem Update nichts mitbekamen – dass es wieder zu unschönen Kostenexplosionen bei vereinzelten Kunden kommen würde, war eigentlich vorprogrammiert. Trotzdem mussten sich offenbar erst verärgerte Kunden beschweren, bis die Swisscom reagierte. Im Mai habe man dann mehrere Hunderttausend Kunden via SMS informiert. Da war es für einige schon zu spät.

Problematische Praxis

Die Lösung: Das automatische Verbinden muss deaktiviert werden (Bild: Kassensturz) Die Lösung: Das automatische Verbinden muss deaktiviert werden (Bild: Kassensturz) Zoom Die Lösung für das WLAN-Problem ist immer noch dieselbe: In den WLAN-Einstellungen des Smartphones muss einfach die Option «Automatisch Verbinden» für das WLAN-Netz «Swisscom_Auto_Login» deaktiviert werden.

Wer eine Flatrate hat, dem kann das tückische Swisscom-WLAN freilich egal sein. Es dürfte aber immer noch genug Kunden geben, die ein Abo mit begrenztem Datenvolumen haben. Und für die können die Swisscom-Hotspots schnell zur Kostenfalle werden. Denn neben der Tatsache, dass man bei einer WLAN-Verbindung im Normalfall nicht von anfallenden Kosten respektive einer Belastung des Datenvolumens ausgeht, aktualisieren sich z.B. auch Smartphone-Apps standardmässig meist über WLAN-Netze – da können schon mal unbemerkt einige Dutzend Megabyte anfallen.

Tags: Swisscom, WLAN

    Kommentare

    • schrepfer 27.05.2013, 11.31 Uhr

      Naja, man kann's auch anders sehen: Dadurch, dass nun die meisten Kunden eins der neuen Infinity-Abos haben profitieren eigentlich beide Seiten davon: Der Kunde erhält einen schnelleren und effizienteren Zugang zum Netz (WLAN) und bemerkt im Idealfall nichts davon . Für Swisscom geht die Rechnung auch auf: Das bereits überlastete Funknetz wird entlastet, und dies hauptsächlich an Orten, an denen sich viele Menschen befinden (denn hier befinden sich die WLAN-Hotspots). Das einzige Problem sehe[...]

    • Hannes Weber 27.05.2013, 11.46 Uhr

      Das einzige Problem sehe ich bei den Abos mit Daten-Beschränkung. Hier dürfte Swisscom die Daten aus Transparenzgründen nicht verrechnen. Logisch ist es nur für die ein Problem, aber darum geht es ja. Dürfte immer noch genug betreffen, wenn Swisscom von mehreren Hunderttausend verschickten SMS an Betroffene spricht.

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