Home  >  News  >  Sicherheit  > Meldung 25689

spacer

Wer sind die grössten Überwacher? (Update)

Zum vierten Mal fanden dieses Wochenende die schweizerischen Big Brother Awards statt. Mit dem Negativpreis werden Personen, Firmen und Organisationen ausgezeichnet, die wenig von Privatsphäre und Datenschutz halten.

blue_quad von Sascha Zäch (03.11.2003, Update: 04.11.2003)

Heuer wurden die Big Brother Awards (BBA) [1] im Dachstock des Berner alternativen Kulturzentrums Reithalle [2] vergeben. Durch die Veranstaltung führte wie schon im Vorjahr der Schauspieler Ernst Jeni. Für musikalische Auflockerung sorgte das Duo "Gans & Gloria". Die Sieger der fünf Kategorien "Staat", "Business", "Kommunikation", "Lebenswerk-Award" und "Winkelried Award" wurden von einer 13köpfigen Jury ausgewählt [3]. Sie hatte dabei die Qual der Wahl zwischen rund 52 Nominationen.

Der Siegerpokal in der Kategorie "Staat" ging an Bundesrat Samuel Schmid. Sein Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) machte dieses Jahr mit einem neuen Fragebogen für Rekruten von sich Reden. Stellungspflichtige müssen darin um die 600, teils äusserst intime Fragen beantworten. Ob besondere sexuelle Vorlieben, Drogenerfahrungen oder Selbstmordgedanken - alles könnte ja wichtig sein, um die Zahl der RS-Abbrüche zu vermindern. Dass die erfassten Daten zusätzlich in die zentrale Datenbank "Medisa" des Bundes übernommen und in einer persönlichen Krankenakte erfasst werden, macht die Sache nur noch fragwürdiger. Laut Oswald Sigg vom VBS ist sich sein Departement der Problematik bewusst geworden, dass einigen der Fragen zu sensibel seien. Man habe deshalb eine eigene Kommission einberufen, die den Fragebogen nochmals überarbeitet hat. Schon länger ist bekannt, dass das VBS die Fragen zur Sexualität gestrichen hat. Wieso das kein Vertreter des VBS an den BBA anwesend war, begründete Oswald Sigg damit, dass die Einladung zu kurzfristig versendet wurde. Zudem sei der Preis nur symbolischer Natur. Er habe ausserdem das Gefühl, dass bei den BBA keine Plattform vorhanden sei, um richtig zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

In der Kategorie "Business" sahnte das Telekommunikationsunternehmen Orange den ersten Preis ab, und zwar für eine Mitarbeiterbefragung. Dabei mussten die Angestellten unter Angabe von Vor- und Nachname verschiedene Einschätzungsfragen zum Thema "Informationssicherheit" beantworten. Bei Mitarbeiterinnen wurde zusätzlich erfasst, ob diese schwanger sind. Die BBA-Jury sieht die Orange-Untersuchung eine persönliche Kategorisierung der Angestellten an, die eventuell auch bei späteren Entlassungen zum Zuge kommen könnte. Orange verteidigt die umstrittene Mitarbeiterumfrage gegenüber dem PCtipp. Die Teilnahme sei freiwillig gewesen. Die Frage nach dem Namen habe nur dazu gedient, besonders qualifizierte Personen allenfalls in laufende und geplante Projekte einzubinden. Das sich die Umfrage Angestellten einen Nachteil bringen könnte, weist Orange als "böswillige Spekulation" zurück.

Der "Kommunikations"-Award ging an den Waadtländer Untersuchungsrichter Jean Treccani. Nach einem Verbrechen ordnete er eine Rasterfahndung von Handy-Besitzern an. Alle drei Schweizer Mobilfunkanbieter sollten mit Hilfe von Antennensuchläufen eine Liste von Verdächtigen ermitteln. Verdächtig ist dabei jeder, der zur Tatzeit am Tatort mobil telefoniert hat. Diese Prozedur ist nicht nur zeit- und kostenaufwändig, sondern bringt auch mit einem Schlag zahlreiche Personen unter Tatverdacht. Die Mobilfunkunternehmen weigerten sich die Rasterfahndung durchzuführen. Der Fall wird deshalb zur Zeit vom Bundesgericht geprüft.

Eine besondere Auszeichnung ist der "Lebenswerk-Award", der laut Veranstaltern für besonders hartnäckige Beschnüffelung verliehen wird. In dieser Kategorie machte Hans-Ulrich Helfer das Rennen, der bereits mehrmals für die Big Brother Awards nominiert war. Er arbeitete jahrelang als verdeckter Ermittler bei der Stadtpolizei Zürich und baute danach mit der "Presdok AG" einen eigenen Dokumentationsdienst auf. Seine Firma stand laut BBA-Organisatoren unter anderem mit dem durch die Fichenaffäre berüchtigten Ernst Cincera in Verbindung. Heute arbeitet Hans-Ulrich Helfer als Sicherheitsberater von Konzernen und Persönlichkeiten. Auf der Website der Presdok AG hat Hans-Ulrich Helfer eine Stellungsnahme [4] zu den Big Brother Awards veröffentlicht. Darin zeigt er sich über den Preis erfreut, dementiert aber, für Ernst Cincera gearbeitet zu haben. Er betont, dass er das Grundrecht auf Privatsphäre ehrlicher Bürger als schützenswert erachte. Es sei jedoch richtig, dass er sich für die "Überwachung und Kontrolle von Personen oder von Personengruppen" einsetze. Dabei sind Hans-Ulrich Helfer vor allem "extremistische und terroristische Gewaltakte, wie sie letzthin in Zürich wiederum durch die Anti-Globalisierungs-Bewegung ausgeführt wurden", ein Dorn im Auge.

Der "Winkelried Award" ist im Gegensatz zu den anderen Preisen in positivem Sinn gedacht. Er wird einer Person verliehen, die sich in "lobenswerter Weise gegen zunehmende Überwachung und Kontrolle zur Wehr setzt". Dieses Jahr trug Annina Ruest den Sieg davon. Sie wurde in einem Publikumsentscheid gewählt, da die Jury alle drei Nominierten gleich bewertete. Zum Sieg verholfen hat Annina Rüst der so genannte Verschwörungsgenerator SuperVillainizer [5]. Mit ihm können virtuelle Bösewichter kreiert werden. Sie erhalten einen richtigen E-Mail-Account über den sie gegenseitig verschwörerische Inhalte austauschen.



  


Anzeige
Social Bookmarks
ARCHIV
left
MAI 2012
right
MO
DI
MI
DO
FR
SA
SO
30
1
2
3
4
5
6
7
8
9

» Die letzten 14 Tage

» Newsarchiv

Wählen Sie:
Ähnliche News

Die neusten Datenschnüffler-Projekte des Grosskonzerns sollen angeblich die Anonymität von Surfern aufdecken können. Wie viel sich damit herausfinden... Wird Microsoft bald anonyme Surfer identifizieren?

Nachdem Sony den Preis für die PlayStation Portable (PSP) in den USA auf Anfang April gesenkt hatte, folgt jetzt die Preissenkung auch für die Schweiz. PlayStation Portable wird auch in der Schweiz günstiger

Wenn es nach dem Preisüberwacher Rudolf Strahm geht, soll die geplante EU-Regelung auf die Schweiz ausgedehnt werden. Günstiges Roaming auch für Schweizer

Ab dem 1. April 2007 weht den Versendern von unerwünschten Werbemails ein schärferer Wind entgegen. Dann tritt voraussichtlich das neue Fernmeldegesetz... Spam in der Schweiz bald verboten

Der Suchspezialist hat seinem 3D-Programm neue Satellitenkarten spendiert. Ab sofort lässt sich die gesamte Schweiz in extrem hoher Auflösung bestaunen. Google Earth: detaillierte Karten von der ganzen Schweiz

Leser empfehlen

Mit einem neuen Einstiegsangebot ergänzt Swisscom seine Triple-Play-Produktpalette nach unten. Die neue Option gibts ab 79 Franken im Monat. Swisscom: Vivo Casa für Einsteiger

Der Bundesrat hat den Entwurf für das überarbeitete Radio- und Fernsehgesetz verabschiedet. Künftig soll jeder Haushalt Gebühren zahlen, unabhängig davon,... Billag: Künftig zahlt (fast) jeder Haushalt

Die Katze ist aus dem Sack: Das Samsung Galaxy S3 trumpft mit einem Riesenbildschirm, einem schnellen Prozessor und jede Menge intelligenter und innovativer... Das Galaxy S3 vorgestellt

Erst in zwei Wochen kommt das Samsung Galaxy S3 auf den Markt, erste Testgeräte sind aber offensichtlich schon im Umlauf. Ein Tech-Blog hat jetzt die... Galaxy S3 überraschend ausdauernd

Portable Brennstoffzellen sollen in Zukunft die Akkuleistung von mobilen Geräten massiv erhöhen. USB-Akku: Brennstoffzelle bringt 14-fache Laufzeit

Aktuelle Meldungen

Nachdem Foxconn-Chef Terry Gou am vergangenen Freitag Apples Pläne für einen eigenen Fernseher bestätigte, rudert der Zulieferer heute wieder zurück und... Foxconn dementiert iTV-Produktion

Dell rüstet seine Gamer-Notebooks der Marke Alienware gehörig auf. Ivy Bridge, SSD und aktuelle High-End-Grafik versprechen ruckelfreien Spielspass. Alienware M17x

Für Lacher hatte kürzlich gesorgt, dass Siri die Frage nach dem besten Handy nicht so ganz im Sinne von Apple beantwortete. Das «Problem» ist nun gelöst. Siri: iPhone jetzt doch das beste Smartphone

Das nächste Windows-Betriebssystem bietet erweiterte «Family Safety»-Funktionen, die es Eltern ermöglichen, die Online-Aktivitäten ihrer Kinder zu überwachen... Windows 8 wird familienfreundlicher

Die Schweizer Auktionsplattform ricardo.ch hat eine speziell auf das iPad zugeschnittene App lanciert. Damit will man der wachsenden Zahl mobiler Nutzer... Ricardo.ch, fürs iPad massgeschneidert

Partnerchannel

 

Alles aus der Cloud-Welt für KMU von Microsoft Schweiz. 

 

ANZEIGE
PROMOTION
Anzeige