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Die Gewinner der Big Brother Awards 2000

Mit flirtenden oder streitenden Container-Insassen hatte die erstmalige Verleihung der Schweizer «Big Brother Awards» vom 26. Oktober 2000 herzlich wenig zu tun. Angeprangert wurden vielmehr die schlimmsten Datenschnüffler unseres Landes.

von Gaby Salvisberg 27.10.2000

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Das Bild des "Big Brother", der jeden Schritt der Bürger überwacht, wurde im Jahre 1948 von George Orwell in seinem weltbekannten Werk "1984" heraufbeschworen. Der "grosse Bruder" steht als Symbol für die Überwachungs-Gesellschaft der neuen Zeit. Um diese Art von Überwachung ging es auch bei den "Big Brother Awards 2000" [1].

Das Anliegen der Organisatoren: Auch in der Schweiz werden sensible persönliche Daten vieler Einwohner, Konsumenten, Arbeitnehmer oder Surfer in unzähligen Datenbanken gesammelt. Durch die Verleihung der "Big Brother Awards" wollen die Initianten darauf aufmerksam machen. Mit einem Award "bestraft" wurden Einzelpersonen, Behörden oder Firmen, die mit sensiblen Personendaten zu leichtfertig umgehen.

Die Schweizer Bevölkerung konnte fehlbare Missetäter bis zum 30. September 2000 für die fünf verschiedenen Kategorien nominieren [2]. Eine Jury [3] wertete die Nominationen aus und kürte die Gewinner. Dieser Anlass wurde am 26. Oktober in der Roten Fabrik in Zürich wie eine Oscar-Verleihung gestaltet, allerdings mit deftigen ironischen Zwischentönen [4]. Gewonnen haben:

Kategorie "Staat":

Dieser Preis ging an das Militärdepartement (neu VBS) für die Satellitenabhorchanlage "SATOS-3". Diese Anlage erlaubt es, persönliche Kommunikationsdaten (Mail und Telefon) aus dem Weltraum in die heimischen Bunker zu holen. Theoretisch könnten durch ein solches System Personen, die in Mails und Telefongesprächen beispielsweise Wörter wie "Russland" oder "Mafia" verwenden, identifiziert und ausspioniert werden (ähnlich wie beim umstrittenen amerikanischen System "Carnivore" [5]).

Kategorie "Business":

In dieser Kategorie erhielt die Firma Hoffmann-La-Roche den ersten Preis für routinemässige halbjährliche Urin-Tests bei ihren Lehrlingen. Die "Hoff-Roche" hat bis heute diese Praxis nicht geändert, obwohl der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte sie dafür kritisiert hatte.

Kategorie "Telekommunikation":

Der "E-Award" ging an die Swisscom. Alle drei Stunden ermittelt diese Firma die geografische Position ihrer Natel-Kunden; je nach Zellendichte bis zu 100 Meter genau. So kann die Swisscom ein Bewegungs-Profil erstellen.

Kategorie "Lebenswerk-Award":

Der Preis für besonders hartnäckiges Schnüffeln ging an Urs von Däniken, den langjährigen Chef der Bundespolizei (Stichwort: Fichenskandal).

Kategorie "Winkelried-Award":

Der einzige positive Preis wurde für besondere Leistungen zugunsten des Persönlichkeitsschutzes vergeben. Der (anonyme) Preisträger "Herr F." arbeitete während des Golf-Kriegs in einem kantonalen Verwaltungsrechenzentrum. Er stellte fest, dass dieses Rechenzentrum zuhanden der Bundespolizei widerrechtlich Listen von IrakerInnen erstellte, die in der Schweiz wohnten. Mit einer vertraulichen Eingabe informierte Herr F. die Geschäftsprüfungsdelegation des Bundesparlaments über die Vorfälle. Diese nahm die Hinweise zur Kenntnis und lieferte sie direkt an die Bundespolizei weiter. Die Bundespolizei wiederum informierte Herrn F.'s Arbeitgeber. Dieser reagierte prompt und stellte Herrn F. auf die Strasse!

Initiiert wurden die "Big Brother Awards" von der SIUG (Swiss Internet User Group) [6], die folgende Organisationen für das Projekt gewinnen konnte: Konzeptgruppe Rote Fabrik [7], die WoZ (WochenZeitung) [8] als Medienpartner und ASS (Archiv Schnüffelstaat Schweiz) [9].

Viele nominierte Firmen und Organisationen gingen dieses Jahr noch leer aus. Aber die Webseite der "Big Brother Awards Schweiz" nimmt jetzt schon Nominationen [10] für die Preisverleihung 2001 entgegen.


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