Drohnen-Boom gefährdet Datenschutz und Flugsicherheit

Eine neue Ära an Helikoptermodellen ist angebrochen. Quadrocopter-Bausätze mit Schutzgehäusen, GPS- und Ultraschallsensoren mit kleinen Kameras werden immer beliebter. Einem Nationalrat und dem EDÖB bereitet diese Entwicklung aber zusehends Magenschmerzen.

von Simon Gröflin 04.07.2013
(im Bild:) «Parrot AR Drone» (im Bild:) «Parrot AR Drone» Zoom Die Verkäufe von GPS-Quadrocoptern explodieren im Fach- und Onlinehandel. Sie erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit – die mobilen Wespen mit Kameraaugen. Den besonderen «Kick» verleihen Drohnen wie die Parrot-AR-Drohne mit schneller Beschleunigung, Gyroskop, Ultraschallsensoren: Steht ein Hindernis im Weg, weicht sie geschickt aus. Die Drohne hat zwei kleine VGA-Kameras an Bord, mit denen, vom iPhone gesteuert, Vogelperspektive sowie Geradeausblick möglich sind. Hersteller wie Parrot legen meist umfassendes Zubehör bei wie Ersatzakku und austauschbare Navigationsplatine, damit grenzenlosem Flugrausch wirklich nichts mehr im Wege steht. Die Kameras werden immer hochauflösender und kleiner, an den GPS-Controllern wird immer mehr gefeilt: Auf Knopfdruck stehen neuere Modelle schnell stabil in der Luft und stürzen kaum noch ab. An Hobbybasteleien dieser Art erfreuen sich RC-Fans schon ab 500 Franken, oder weniger. 

Natürlich kann man einfach zum Spass haarscharf an Ästen vorbeirasen und im Zickzack sehr agil an parkenden Autos die Kurve kratzen. Das mag vielen ambitionierten Anhängern der mobilen Grosswespen berauschende Erlebnisse bereiten, erst recht wenn alles live vom Smartphone oder Tablet verfolgt werden kann. Natürlich kann man auch mal – nur zum Spass – und ganz kurz einen Blick in Nachbars Garten werfen. Man kann auch einfach die Hauskatze beim Jagen beobachten. Aber der eigentliche Reiz, die wahre Verlockung des fliegenden Auges, ist natürlich der Blick über die Hecke, hinter die Mauer, dorthin, wo man sonst nicht schauen kann – oder darf. Was aber darf man und was nicht? 

Die allgemeinen Bestimmungen des BAZL lassen zusammenfassend nur folgenden Schluss zu: Privatdrohnen dürfen bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm ohne Bewilligung eingesetzt werden, Voraussetzung ist jedoch ganz klar, dass der «Pilot» jederzeit Sichtkontakt zu seiner Drohne hat. Will jemand technische Hilfsmittel wie Videobrillen einsetzen, um die «Sichtweite der natürlichen Augen zu erweitern», ist (eigentlich) eine Bewilligung des BAZL erforderlich. Verboten sind dem BAZL zufolge vor allem Minidrohnen ohne direkten Sichtkontakt. Luftaufnahmen seien überdies zulässig, sofern die Vorschriften zum Schutz militärischer Anlagen und zum Schutz der Privatsphäre respektive des Datenschutzes erfüllt sind.

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    Kommentare

    • swissmac 04.07.2013, 18.43 Uhr

      Ja, die Google Brille ... Langsam wird's langweilig mit dem Google Bashing. Es gab mind. 100 Anbieter von Mini-Cams in Kugelschreibern, Brillen, Mützen usw vor Google ...

    • groefi 04.07.2013, 20.12 Uhr

      Danke für Ihre Anregung. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, was unsere Leserschaft interessiert. Google Glass ist in den Fokus der Datenschützer mehrerer Länder geraten. Auch unser Datenschutzbeauftragter will nähere Informationen zu den datenschutzrelevanten Aspekten dieses Produkts. Ein Vergleich oder ein "Bashing" war eigentlich in keiner Weise beabsichtigt. Der Fall dürfte einige zentrale Aspekte und Fragen bzgl. datenschutzrelevanten Anforderungen an neue Kamera-Produkte aufwerfen.[...]

    • GustavBroennimann 05.07.2013, 01.24 Uhr

      Da machen sich welche Sorgen wegen den Drohnen die hundert Meter weit fotografieren. Wenn der Schnüffelstaat weltweit ahnungslose Bürger ausspioniert, Mails überwacht und Telefone abhört, da schaut man getrost weg und meint es betreffe eh nur die anderen.

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