Hacker verteilen Kreditkartendaten über YouTube

Auf YouTube findet man Anleitungen für jede Aufgabe, sogar Kreditkartenbetrug. Dabei verdient Google sogar noch Geld.

von Luca Diggelmann 18.06.2014
Betrüger verbreiten gestohlene Kreditkartendaten über YouTube Betrüger verbreiten gestohlene Kreditkartendaten über YouTube Zoom Neben Musik und Gaming sind Anleitungen einer der wichtigsten Inhalte auf der Videoplattform YouTube. Neben den Unmengen an Photoshop-Tricks gibt jedoch weitaus problematischere Anleitungen. Laut einem Bericht der Internetsicherheitsgruppe Digital Citizens Alliance sind auf YouTube Tausende Videos hochgeschaltet, in denen Kreditkartendaten preisgegeben werden. Interessant: Durch vorgeschaltete Werbung verdienen sowohl die Betrüger als auch Google mit den Videos Geld.

«Es ist beunruhigend zu sehen, dass Kriminelle YouTube auf diese Art und Weise verseuchen können», meint Tom Galvin, Direktor der Digital Citizens Alliance. «Es ist genauso beunruhigend zu sehen, dass Google aus den Videos Profit schlägt.» Es zeige, dass Google keinen Anreiz dazu habe, die Videos offline zu nehmen.

Laut Galvin seien die Werbevideos für Kreditkartenbetrug durchaus vergleichbar mit ähnlichen Werbungen auf dem anonymen Marktplatz Silk Road. «Silk Road wird als dieses schändliche Portal im Dark Web gesehen, YouTube als Spielplatz für jedermann», so Galvin.

Google zu passiv

Eine Google-Sprecherin versichert derweil, sie arbeiten hart daran, Videos mit illegalen Inhalten zu sperren. «Unsere Richtlinien verbieten sämtliche Inhalte, die illegale Taten unterstützen», so die Sprecherin. Natürlich ist es nicht so, dass Google illegale Inhalte dulden würde. Vielmehr agiert Google schlicht zu passiv im Umgang mit problematischen Videos.

YouTubes Upload-Philosophie basiert auf dem Prinzip der offenen Türe: Das heisst, jedes Video darf erst mal hochgeladen werden. Ist etwas damit faul, kann es im Nachhinein gesperrt werden. Eine Ausnahme dazu sind urheberrechtlich geschützte Inhalte, die teilweise beim Upload automatisch erkannt und gesperrt werden können. Ansonsten werden Videos nur dann von Google-Angestellten überprüft, wenn jemand das Video meldet.

Schlagwörter könnten isoliert werden

Google lässt also die Nutzer unbezahlt Polizei spielen und das System funktioniert kaum. Ginge es nach Galvin, müsste Google längst mit spezialisiertem Personal gegen solche Betrüger vorgehen. Diese sollen nach Begriffen wie «Funktionierende Kreditkarten» suchen und illegale Videos direkt sperren. «Würde Google etwa ein Dutzend Suchteams anstellen, könnten sie viel Gutes tun», so Galvin. Es soll nicht jedes einzelne Video auf YouTube überprüft werden, der Aufwand dafür wäre schlicht zu gross. «Einige Suchbegriffe könnten jedoch isoliert werden», meint Galvin.

Natürlich sei nicht nur YouTube von diesem Problem betroffen. Die Digital Citizens Alliance habe jedoch den Google-Dienst wegen seiner Grösse und Signifikanz besonders unter die Lupe genommen. Dass Google mit Werbung auf Betrugsvideos Geld verdient, habe zudem einen separaten YouTube-Bericht gerechtfertigt.


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