Schweizer ziehen Konsequenzen aus NSA-Affäre

Jeder vierte Schweizer will sein Online-Verhalten bei der Nutzung von Facebook, Skype & Co ändern, weil die Gefahr besteht, von der NSA überwacht zu werden. Diese Vorsichtsmassnahmen werden aber nur wenig bringen.

von Fabian Vogt 04.07.2013
NSA-Chef Keith Alexander sorgt momentan für viele Schweizer Sorgenfalten NSA-Chef Keith Alexander sorgt momentan für viele Schweizer Sorgenfalten Zoom Spätestens seit das Nachrichtenmagazin «Spiegel» in der aktuellen Ausgabe berichtet, dass die NSA alleine in Deutschland jeden Monat rund eine halbe Milliarde Kommunikationsverbindungen speichert wird offensichtlich, mit welcher Sorgfalt und Sturheit die US-Spionagebehörde ihr Ziel der globalen Überwachung verfolgt. Zahlen für die Schweiz gibt es nicht, doch es gibt keinen Grund anzunehmen, dass NSA-Chef Keith Alexander unser Land «verschont». Das würde seinen Charakterzügen zuwiderlaufen. Ihm, der sich in der US-Army hochgedient hat und schon 2008 bei einem Geheimdienstausschuss die Briten gefragt haben soll, «warum wir eigentlich nicht alle Signale immer abfangen können». Ein Jahr später wollten die USA die Antwort darauf selber geben und gründeten «Cyber Command», eine militärische Behörde, die sich mit den Möglichkeiten der elektronischen Kriegsführung, des Cyberwars und der Internet-Sicherheit auseinandersetzt. Chef wurde Keith Alexander.

Die Umtriebigkeiten von Alexander und Konsorten machen auch der Schweizer Bevölkerung sorgen, wie nun eine Studie von Comparis.ch herausfand. Von 1211 Schweizern gaben 64 Prozent an, dass sie die Methoden der USA und Grossbritannien ablehnen, die mit «Tempora» ein ähnliches Überwachungsprogramm durchführen. Je älter die Befragten, desto kritischer würden sie mit dem Abhör- und Schnüffelprogramm ins Gericht gehen, sagt die Studie. Immerhin ein Viertel der Teilnehmer befürwortet die staatliche Online-Überwachung aber auch. 

Etwas sagen, etwas anderes tun

Trotz aller Kritik fühlen sich zwei Drittel der Befragten nicht persönlich betroffen. «Die meisten glauben, dass sie im Internet lediglich unbedenkliche Banalitäten preisgeben, die sowieso keinen Geheimdienst interessieren. Darum tolerieren sie es, online ausgespäht zu werden. Anders ausserhalb der digitalen Welt: Würden Geheimdienste in ihre Wohnung eindringen oder ihre Briefpost lesen, wäre die Empörung sicherlich um ein Vielfaches grösser», sagt Comparis-Telecom-Experten Ralf Beyeler.

25 Prozent der Befragten möchten in Zukunft ihr Online-Verhalten ändern und genauer überlegen, welche Daten sie im Internet austauschen und veröffentlichen. «Man greift hier zum Mittel der Selbstzensur. Mit Freiheit hat das nicht mehr viel zu tun», sagt Beyeler. Besonders rigoros ist diese Selbstzensur allerdings nicht, nur drei Prozent können sich vorstellen, auf Facebook und Skype zu verzichten. Zwei Prozent wollen ihre Nutzerkonten bei den betroffenen Anbietern tatsächlich löschen.

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    Kommentare

    • aandima 04.07.2013, 10.30 Uhr

      Leider ist es so dass die bestehenden Internet-Protokolle bereits recht alt sind und die Anforderungen an die Sicherheit nicht erfüllen können. Es ist so wie wenn man zu Hause einen Briefkasten hätte den man nicht abschliessen kann, und man die Briefe die man verschickt weder zukleben könnte noch eigenhändig unterschreiben. Ebenso müsste man damit leben dass auf der Post die Briefe offen rumliegen würden, für jeden versierten Schlapphut leicht zugänglich. Die Situation könnte man nur entschä[...]

    • techdealer 04.07.2013, 15.41 Uhr

      Heisse Luft: Dass eine E-Mail schon vor über 10 Jahren von Zürich über Brüssel, Washington und Genf nach Olten gesandt wurde, ist einfach zu wenig bekannt. Ebenso kümmert sich fast jeder um Virenschutz während er gleichzeitig beim Surfen auf nur vertrauten Websites kaum bis nie Viren einfangen würde. Solange sie alle bei jedem nutzlosen Preisausschreiben mitmachen und auch noch Ihren Geburtstag angeben, solange tritt jeder selber Datenschutz mit Füssen. Die Aufstände der Politiker sind Heuchelei[...]

    • DFrench 04.07.2013, 18.29 Uhr

      Ich versteh das ganze nicht ganz. Alle Fakten wie Emails transportiert werden, wo die Server liegen, Protokolle etc. liegen offen auf dem Tisch und dies seit Jahren. Wenn ich mich verstecken will, was ab und zu mal vorkommen kann ;) - so surfe ich über einen virtuellen PC und NUR über ein VPN, also wird alles direkt auf dem PC verschlüsselt und geht auch so in die Leitung. Wer geheimnisse über Email offen, dh. ohne Verschlüsselung (wenn möglich solche die jedes Mal neue Schlüssel generieren) v[...]

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