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Spam: Sind wir machtlos?

Die Zahl der Werbemails, die täglich in unsere virtuellen Postfächer trudelt wird immer grösser. Können Gesetze und Provider dies eigentlich nicht verhindern?

von Sascha Zäch 07.10.2003

Spam ist neben Viren und Dialern eine der grössten Internetplagen. Die lästigen Werbemails verstopfen täglich unsere E-Mail-Konten. Sie kosten Zeit und Nerven. Gerade am Arbeitsplatz liegt die Zahl der täglichen Spam-Mails meist gleichauf mit der Menge der normalen Nachrichten - übertrifft diese teilweise sogar. Dass oft für so "Nützliches" wie Penisvergrösserungen, Schlankheitspillen oder völlig überteuerte Produkte geworben wird, macht die Sache nicht besser.

Spammer agieren nicht nur aus dem Ausland, wie die vielen englischen Werbemails vermuten lassen. Auch die Schweiz hat ihre eigenen schwarzen Schafe. Berühmt-berüchtigt sind etwa die Socken-, Pfefferspray- und Digicam-Spams [1] von "Business Corporation for Work and Living AG", "The New Media Publish AG", "Horizon Business Corporation GmbH" und Konsorten. Gerade bei letzteren fragt man sich als Anwender, warum nichts gegen diesen Werbemüll getan wird. Gibt es in der Schweiz keine gesetzlichen Grundlagen? Verfügen die Provider nicht über die nötigen technologischen Mittel um die Massenwerbung zu unterdrücken oder ihre Absender zu sperren?

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Die Schweizer Gesetze gegen Spam können heute noch als ungenügend bezeichnet werden. Zwar gelten gewisse Formen von Massenwerbung durchaus als rechtswidrig, wie ein jüngeres Urteil des Bezirksgerichtes Zürich zeigt [2]. Der Ball liegt jedoch beim Betroffenen. Er muss eine Strafanzeige erstatten und eventuell ein langes Gerichtsverfahren in Kauf nehmen, wenn er sich gegen besonders aufdringliche Spammer wehren will. Auch Internet Service Provider wie Sunrise empfinden die Rechtsgrundlage als mangelhaft. Laut Mediensprecherin Monika Walser sind die Möglichkeiten der Anbieter, gegen Spammer vorzugehen, äusserst beschränkt. Sunrise stehe aber Kunden zur Seite und biete Hilfe an, wenn sie sich entschliessen, gegen bestimmte Spammer vorzugehen. Das Unternehmen könne im Fall von Spam oder anderem Missbrauch auch Verwarnungen aussprechen, E-Mail-Konten sperren und Vertragsbeziehungen kündigen.

Besserung - zumindest gegen Schweizer Spammer - könnte die kommende Revision des Fernmeldegesetzes bringen [3]. Dort wird ausdrücklich verlangt, das Absender von Werbemitteilungen vor dem Versand die Einwilligung des Empfängers einholen müssen (Opt-In). Heute ist es genau umgekehrt: Wer keine Werbung will, muss dies dem Versender mitteilen (Opt-Out). Die entsprechende Gesetzesänderung liegt allerdings erst im Entwurf vor und wird vom Parlament frühestens in der Wintersession 2003 beraten.

Bleiben die technischen Möglichkeiten der Provider: Hier verhindern vor allem zwei Dinge einen wirksamen Kampf gegen Spam. Einerseits bedienen sich die Versender von Werbemails zahlreicher Tricks, um Filter und Sperrungen zu umgehen. Sie verschleiern ihre Absenderadressen, wechseln regelmässig ihre Einwahl- und IP-Nummern, versenden abwechselnd über verschiedene Provider etc. Den Spammern mit technischen Mitteln beizukommen ist somit sehr zeit- und ressourcenaufwändig.

Andererseits nehmen auch nicht alle Provider das Thema Werbemails gleich ernst. Dies zeigt etwa der Fall EconoPhone [4]. Ein Schweizer Spammer versandte in jüngster Zeit zahlreiche Werbemails unter Firmennamen wie "Business Corporation for Work and Living AG" und "The New Media Publish AG" über EconoPhone. Trotz vielen Beschwerden von Betroffenen dauerte es relativ lange, bis das Telekom-Unternehmen die Einwahlnummern des Spammers sperrte. Dies obwohl in den AGB der Firma eine Klausel gegen den Versand von Massenmails enthalten ist [5]. Warum zögerte EconoPhone so lange? Wie das Telekom-Unternehmen dem PCtipp mitteilte, gehört der Kampf gegen Werbemails nicht zu seinen höchsten Prioritäten. Der Spammer sei ausserdem ein guter Kunde der Firma gewesen. Probleme hätte es auch auf technischer Seite gegeben. Sperrungen von einwahlnummern seien für EconoPhone aufwändiger durchzuführen als für andere Provider. Schlussendlich hat sich die Telko-Firma dennoch zur Sperrung des Schweizer Spammers entschieden: Ausschlaggebend war laut EconoPhone der grosse Protest seitens der Anwender. Da nun auch die technischen Voraussetzungen gegeben seien, könnten künftig Einwahlnummern von Spammern schneller gesperrt werden.

Als Anwender muss man somit beim Thema Spam doch nicht ganz resignieren. Die gesetzliche Grundlage wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich verbessern. Schwarze Schafe unter den Providern lassen sich durchaus umstimmen, wenn der Anwenderprotest zu gross wird. Um herauszufinden, über welchen Provider ein Spammer seine Werbnachrichten schickt, müssen die Kopfdaten der Nachricht analysiert werden. Der normale Absender ist meistens gefälscht. Wie Sie die Kopfdaten einer E-Mail untersuchen, zeigt der PCtipp-Artikel "Mails auf dem Seziertisch" [6]. Leiten Sie bei Beschwerden die Kopfdaten der Werbemail an den entsprechenden Provider weiter. Nur so kann er genau eruieren, wer der Missetäter ist.


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