Tipp gegen Autodiebstahl: Im Kühlschrank ist der elektronische Autoschlüssel besser aufgehoben

Eine Schweizer Sicherheitsfirma warnt: Elektronische Autoschlüssel lassen sich schon seit mehr als vier Jahren mit simplen Apparaturen austricksen.

von Simon Gröflin 17.04.2015

Autoeinbrüche mittels geknackter Funksignale von elektronischen Autoschlüsseln nehmen zu. Von mehreren gelungenen Autoeinbruchsversuchen berichtet auch der Journalist Nick Bilton in der «New York Times». So sollen sich in Los Angeles während der letzten Monate vermehrt Autodiebstähle ohne Glasscherben oder Einbruchskratzer zugetragen haben.

Einmal war Bilton gerade in der Küche beschäftigt, als sein bellender Hund Passanten in der Nähe seines Autos bemerkt haben muss. Just in dem Moment, als er zur Stelle eilte, radelten zwei Teenager in unmittelbarer Nähe seines Toyota Prius davon. Das Mädchen auf dem Velo war gerade daran, eine schwarze Box in ihrem Rucksack zu verstauen. Bilton hatte Glück, weil die beiden leer ausgehenden Missetäter kurz darauf von der örtlichen Polizei auf frischer Tat ertappt wurden. Sowieso: Bilton lässt seit der Zunahme dieser Vorfälle, wovon auch seine Nachbarschaft schon mehrfach betroffen war, keine Gegenstände mehr im Auto rumliegen. Verdutzt war Bilton jedoch von der Antwort der Polizei: Ein Sprecher des L.A. Police Department meinte gegenüber dem Journalisten, er müsse wohl ganz einfach vergessen haben, sein Auto abzuschliessen. 

Der Trick mit dem Funkverstärker

Im Gewissen, sein Auto wirklich verriegelt zu haben, wandte sich der Autor an Boris Danev, den Gründer der Schweizer Sicherheitsfirma 3db Technologies. Das Unternehmen mit Sitz in Thalwil hat schon mehrere wissenschaftliche Analysen zu Sicherheitslecks in Autofunkschlüsseln verfasst. Danev wusste auch gleich, was sich im Fall des Journalisten abgespielt haben muss: Die beiden Teenies bedienten sich offensichtlich eines speziellen Funkverstärkers. Gehandelt werden solche Geräte zum Teil auf Auktionsportalen wie eBay, Amazon und Craigslist für unter 100 Franken.

Autoindustrie unter Zugzwang

Schon im 2011 ist es Forschern der ETH gelungen, die Funkkommunikation zwischen Sender und Fahrzeug umzuleiten, sodass sie ein Auto öffnen und damit wegfahren konnten. Alles, was man dazu braucht, sind ein paar Antennen und eine Funkausrüstung. Dazu genügt es, die eine Antenne in etwa acht Metern Entfernung und die andere Antenne unmittelbar in der Nähe des Autos zu platzieren. 

Zur Zeit befände sich 3db Technologies intensiv im Gespräch mit Autoherstellern, wie Danev gegenüber der New York Times erläutert. Es geht dabei um die Frage, ob man Autofunksystemen schon bei der Herstellung einen speziellen Chip einbauen soll. Dieses Modul soll dann erkennen, wie weit der Autoschlüssel vom Auto entfernt ist, um den Trick mit dem Funkverstärker abzublocken.

Das Tiefkühlfach als Faradayscher Käfig

Solange die Autoindustrie das Problem nicht in den Griff kriegt, sei es wohl das Beste, den Autoschlüssel zu Hause ins Gefrierfach zu legen, meinte Danev. Denn das Gefrierfach fungiere wie ein Faradayscher Käfig. 

Von einem Faradayschen Käfig spricht man dann, wenn eine geschlossene Hülle aus einem elektrischen Leiter vorhanden ist. Der Begriff «Faradayscher Käfig» wurde nach seinem Entdecker, dem Forscher Michael Faraday, benannt. Er fand in einem Experiment heraus, dass man in einem mit bestimmten Metallen umgebenen Raum vor Blitzeinschlägen geschützt ist. Im Fall des Funkautoschlüssels würde das Gefrierfach immerhin sämtliche vom Schlüssel ausgehenden Signale abschirmen.


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