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ARCore: Googles Antwort auf Apples Wunderwaffe

ARKit ein Schock für Google? Mitnichten. Hier gibt es eine erste Übersicht zu Googles ersten Projekten der jüngst geborenen Augmented-Reality-Lösung.

von Simon Gröflin 14.09.2017

Man kann es nicht schönreden: Apple hat Google im Bereich Augmented Reality bereits etwas voraus. Denn Apples ARKit wird zum iOS-11-Update am nächsten Dienstag auf einen Schlag sämtliche iPhones mit der Augmented-Reality-Funktion beliefern. Ironischerweise haben die Entwickler des Daydream Labs von Google kurz vor Apples Keynote Einblick in ihre eigenen aktuellen Projekte gewährt.

Googles ARCore

Der neue Anfang heisst ARCore. Der Software-Lösung von Google berechnet dabei im Wesentlichen Entfernungen, basierend auf dem Kamerabild und den Beschleunigungssensoren des Smartphones. Anders als beim bisherigen Project-Tango-Projekt, für das nur ein paar wenige Android-Smartphones den nötigen IR-Lichtsensor mitbrachten, hat der Suchmaschinenkonzern eine Art Software-basierte Lichtdistanzberechnung integriert. Google will trotzdem ohne Spezial-Hardware irgendwann «Millionen Geräte» mit der erweiterten Smartphone-Realität beliefern. Google glaubt auch daran, irgendwann sehr vielen Entwicklern AR-basierte Browseranwendungen zugänglich zu machen. ARCore wird zudem mit Java/OpenGL und Unreal funktionieren. Ob Spielentwickler dabei auf dieselbe Präzision wie bei Apples Gegenstück setzen können, wird sich noch zeigen.

Erste Google-Projekte mit ARCore

In einem der vorgestellten Google-Experimente lässt sich bei Google Steet View in ein Gebäude hineinzoomen. Ist das die Street View App der Zukunft?

ARPorch

In einer Demo ist ein 3D-Modell des British Museum im Bildschirm des Smartphones zu sehen. Nähert sich der Anwender bestimmten Markierungspunkten, wird eine 360-Grad-Ansicht aus derselben Perspektive geladen.

ARStreetView

In einer weiteren Experience kann man das Smartphone nutzen, um die richtigen Schritte für einen «perfekten Espresso» zu erlernen. Die AR-Anwendung dient quasi als Anleitung, damit bei der Bedienung der neuen Espresso-Maschine auch wirklich nichts schiefgeht.

EspressoAR

Tango-Tänzchen mit Ausrutschern

Google hat sich in der mobilen Augmented Reality mit seiner Tango-Plattform bekanntlich schwergetan. Obwohl ARCore schon vielversprechend aussieht, räumte Googles VR- und AR-Chef bereits gegenüber dem Tech-Portal The Verge ein, dass die neue Software-Lösung weniger präzise ist als Tango, weil keine Tiefensensoren mehr zum Einsatz kommen. Es ist aber denkbar, dass zu einem späteren Zeitpunkt weitere Sensoren angesteuert werden, zumal die plötzliche Abkehr von Tango für einige Smartphone-Hersteller ein Schlag ins Gesicht ist. Ob sich frühere Tango-Apps noch portieren lassen, wird sich zeigen.

Project Tango in Aktion beim Lenovo Phab 2 Pro:

Apples ARKit

Damit virtuelle Objekte in der Smartphone-Ansicht funktionieren, muss ein Smartphone oder ein Tablet seine Position und Rotation im Raum genau erfassen. Zu diesem Zweck kann Apple aufgrund der geringen Fragmentation seines mobilen Betriebssystems bei iOS 11 auch Kamera sowie Bewegungs- und Beschleunigungssensoren mit dem neu geschaffenen Entwicklungswerkzeug ARKit äusserst exakt ansprechen. Besonders bei leistungsfähigen Anwendungen wie Spielen können sich Entwickler seit Juni die Applikationsschnittstelle zunutze machen. Diese registriert ab Apples A9-Prozessor beispielsweise auch die Lichtverhältnisse, um präzise Schattenwürfe zu erzeugen.

Mit iOS 11 und ARKit wird Apple schon viele App-Entwickler für Augmented Reality an Bord haben Mit iOS 11 und ARKit wird Apple schon viele App-Entwickler für Augmented Reality an Bord haben Zoom© Apple

Es wird spannend

Googles ARCore setzt Android 7.0 voraus, steht aber bis jetzt erst im Rahmen eines Preview-Entwicklerkits für das Samsung Galaxy S8 und die Pixel-Smartphones zur Verfügung. Es wird auf jeden Fall spannend. Analysten schätzen den weltweiten Markt für Augmented Reality bis ins Jahr 2020 auf über 10 Milliarden Geräte ein. Potenzial zeichnet sich ab im Bereich Navigation, im Handel (z.B. bei Katalogen), in der Architektur und nicht zuletzt auch bei Spielen. Als sicher gilt: Diesmal hat Apple einen grossen Vorsprung, denn ARKit funktioniert ab nächstem Dienstag mit iOS 11 auf allen Apple-Geräten ab iPhone 6s und auf iPad-Modellen seit 2015.


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