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Das iPhone als Belichtungsmesser

Die kuriose App «FotometerPro» spielt in einer eigenen Liga: Sie verwandelt das iOS-Gerät kurzerhand in einen Belichtungsmesser der alten Bauart.

von Klaus Zellweger 04.03.2013

Handbelichtungsmesser haben auch heute noch ihre Berechtigung, zumindest bei den Profis und den sehr engagierten Amateuren. Sie messen das Licht, wenn der Belichtungsmesser der Kamera überfordert ist oder – bei ganz alten Kameras – gänzlich fehlt. Sie helfen dabei, die Lichtsituation einer Szene auszumessen, damit die Werte anschliessend manuell auf die Kamera übertragen werden. So getan, können die Einstellungen für die ganze Session beibehalten werden – konstante Ergebnisse sind also garantiert.

Ein Belichtungsmesser der sehr, sehr alten Schule Ein Belichtungsmesser der sehr, sehr alten Schule Zoom

Wahlweise wird das reflektierte oder das einfallende Licht gemessen. «Reflektiert» bedeutet, dass der Belichtungsmesser jenes Licht misst, das vom Motiv zurückgeworfen wird; auf diese Weise funktionieren zwangsläufig alle eingebauten Belichtungsmesser, wenn das Motiv durch den Sucher angepeilt wird. Dazu wird von FotometerPro die hintere Kamera des Geräts verwendet, um den Ausschnitt anzupeilen.

Das «einfallende Licht» ist hingegen jenes, das auf das Motiv fällt; in diesem Fall wird die Front-Kamera des iOS-Geräts verwendet, die nahe am Motiv in Richtung der Lichtquelle zeigt. Das Handbuch von FotometerPro illustruiert das ganz anschaulich:

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Das einfallende Licht zu messen, ist insofern praktisch, weil sich der Belichtungsmesser nicht darum kümmern muss, wie das Motiv aussieht – stattdessen wird die korrekte Belichtung einfach anhand der aktuellen Lichtmenge ermittelt. Besonders bei Gegenlichtsituationen lassen sich dadurch wesentlich bessere Resultate erzielen.

Die Messung

Soviel zu den Grundlagen. FotometerPro erstrahlt im besten Retro-Glanz und ist so einfach zu bedienen wie ein richtiger Belichtungsmesser. Über einen Schalter wird die Messmethode festgelegt. Danach werden mit den beiden Drehrädern dieselbe ISO-Empfindlichkeit und Blende eingestellt wie an der Kamera. Jetzt kann die Belichtungszeit mit der Nadel abgelesen und auf die Kamera übertragen werden.

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Wenn es zu Langzeitbelichtungen kommt, verwandelt sich das Display in einen hübschen Timer, der die Dauer der Belichtung rückwärts zählt. Wenn die Zeit gekommen ist, um den Verschluss zu schliessen, meldet sich die App mit einem hässlichen Weckerton und/oder lässt das Gerät vibrieren.

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Kleine Patzer

Abgesehen von der ziemlich unglücklichen Sound-Kulisse, die sich zum Glück unterdrücken lässt, gibt es nicht viel zu meckern. Leider fehlt die Blendenvorwahl, aber damit lässt sich leben. Ein echter Design-Unfall ist jedoch das zu klein geratene Fenster, das den gemessenen Ausschnitt anzeigt. Als würde das Display des iPhones nicht schon genug spiegeln, wurde auch noch eine künstliche Spiegelung eingebaut, sodass es teilweise fast nicht möglich ist, auf halbe Armlänge den Ausschnitt zu prüfen.

Und wie steht es mit der Genauigkeit? Wissenschaftlich genaue Messungen sind in diesem Fall kaum möglich. Wir erhielten jedoch bei allen Tests brauchbare Resultate, die sich nur unwesentlich von den Messungen mit dem eingebauten Belichtungsmesser unterschieden – so gesehen kann die Genauigkeit also überzeugen.

FotometerPro ist als universelle App für alle iOS-Geräte optimiert und kostet 1 Franken.

Konkurrenz im Anmarsch

Und weil es so schön zum Thema passt, wollen wir auch noch das Kickstarter-Projekt «Luxi» erwähnen, das locker finanziert wurde und bis Ende Mai zu kaufen sein soll. Dabei handelt es sich um einen einfachen Dom, der über die Kamera des iPhones gestülpt wird. Er streut das einfallende Licht gleichmässig, sodass die Belichtung nicht von einzelnen Spitzlichtern fehlgeleitet wird. Das reflektierte Licht kann mit ihm hingegen nicht gemessen werden, weil ja kein genauer Ausschnitt angepeilt werden kann.

Luxi: Plastik-Dom für 25 US-Dollar Luxi: Plastik-Dom für 25 US-Dollar Zoom

Der Aufsatz soll ca. 25 US-Dollar kosten, die App im Video auf Kickstarter wirkt allerdings ziemlich lieblos bis hässlich. Vielleicht sollten die beiden Firmen einfach zusammenarbeiten, um uns das Beste aus beiden Welten zu liefern.


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