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Bremsen die USA das Internet aus?

Weltweit kam es letzten Dienstag zu grösseren Störungen der Internetverbindungen. Auch der Schweizer Hostingprovider Hostpoint war davon betroffen.

von Simon Gröflin 18.08.2014

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Am 12. August kam es aus unerklärlichen Gründen weltweit zu grösseren Ausfällen bei Hostingprovidern. Das kam unter anderem auch der Schweizer Hostingprovider Hostpoint zu spüren. Gegen Mittag waren einige Tausend Webseiten nicht über alle Internetprovider erreichbar. Für den Ausfall verantwortlich waren einige für das Internet wichtige Backbone-Router, welche Routing-Informationen an die Internet Service Provider (ISPs) weiterleiten.

Alte Router kommen an Kapazitätsgrenzen

Ursache das Problems war, dass manche der betroffenen Geräte an der Kapazitätsgrenze der zu verwaltenden Routing-Tabellen-Einträge angelangt waren. Betroffene Geräte konnten maximal 512K bzw. 512'288 solcher Routing-Adressen verwalten. Daher waren Administratoren gezwungen, Routing-Einträge der Geräte zu löschen. Dies wiederum führte zu weiteren weltweiten Ausfällen. Teilweise konnten ältere Systeme bereits mit der doppelten Kapazitätsgrösse umgehen, waren aber von Haus aus nur auf 512K Adresseinträge konfiguriert. Ein Grossteil der Ausfälle konnte daher innert weniger Stunden wieder behoben werden, weil die Admins den restlichen Speicher dieser Geräte aktiviert hatten.

Der 12. August machte erstmals deutlich, so BGPmon, was passieren kann, wenn Routing-Tabellen mehrerer Backbone-Router gleichzeitig überladen sind. Das sei vor allem in den Niederlanden, in Singapur, Australien und in den USA der Fall gewesen.

Hostpoint stockte Adressverwaltung auf

Hostpoint habe als Reaktion auf den Vorfall die Limite für Hardware-basiertes Routing auf 800'000 Einträge erhöht und das Monitoring der Router weiter ausgebaut, um solche Anomalien von auswärts schneller feststellen zu können. Noch ist es Hostpoint ein Rätsel, warum das Fehlverhalten nach einem Reboot wieder behoben werden konnte. Laut Hostpoint ging der Fehler von den USA aus.

IPv6 vs. IPv4

BGPmon zufolge war vor allem eine Reihe älterer Cisco-Router betroffen. Viele davon unterliegen noch dem als veraltet geltenden IPv4-Standard, weil viele Anbieter immer noch IPv4-Netze mit vielen Subnetzen nutzen und noch nicht auf den seit zwei Jahren eingeführten IPv6-Standard umgestiegen sind. IPv4 bietet insgesamt einen Adressraum von ca. 4 Milliarden IP-Adressen. IPv6 kann theoretisch bis zu 340 Sextillionen (eine Zahl mit 38 Nullen) IP-Adressen verwalten.

Nicht nur gibt es immer mehr Internetseiten, auch die Zahl der internetfähigen Geräte steigt. Im Gegensatz zu den USA verzeichnet die Schweiz laut Studien von Akamai weltweit bereits am meisten IPv6-Datenverkehr. Mehr als die Hälfte unserer Internetprovider sind mit IPv6-fähiger Hardware ausgerüstet, ergab schon 2012 eine Umfrage des Swiss IPv6 Councils.

Tags: Internet

    Kommentare

    • Simon Gröflin 06.09.2014, 09.05 Uhr

      Solange einzelne Backbone-Anbieter in den USA die IPv6-Adresspakete weiterhin über IPv4-Hardware führen, können Schweizer Internetanbieter noch so lange ihre Hardware aufrüsten. Der Flaschenhals wird damit nicht umgangen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass alle Backbone-Router auf den neusten Stand gebracht werden und die Provider nicht etwa an der Infrastruktur sparen. Sonst drohen noch viele weitere Internetausfälle. Diese haben dann vielleicht noch viel drastischere Auswirkungen als dieses M[...]

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