Polisis: Schweizer Datenschutz-Add-on mit künstlicher Intelligenz

Welche Webdienste und Smartphone-Apps haben es besonders auf unsere Daten abgesehen? Ein auf künstlicher Intelligenz gestütztes System der ETH Lausanne gibt Auskunft.

von Jens Stark 22.02.2018

Wer kennt das nicht? Wird man bei einer Webseite oder nach dem Download einer App mit Datenschutzrichtlinien konfrontiert, wird der Text meist ohne genauere Prüfung gutgeheissen. Dabei könnten sich genau hier Regelungen finden, die es dem Betreiber erlauben, den Nutzer auszuspionieren oder sonstwie fleissig Daten über ihn zu sammeln. Zu den oft erfragten Daten gehören beispielsweise die IP-Adresse, das Alter und die Browser-Einstellungen.

Das EPFL-Tool Polisis stellt Datenschutzregeln einer Webseite grafisch dar und wird hier von Hamza Harkous (links) und Rémi Lebret demonstriert Das EPFL-Tool Polisis stellt Datenschutzregeln einer Webseite grafisch dar und wird hier von Hamza Harkous (links) und Rémi Lebret demonstriert Zoom

Ein Programm der ETH Lausanne (EPFL), das in Zusammenarbeit mit Forschern der beiden US-Universitäten von Wisconsin-Madison und Michigan entstanden ist, soll nun Anwender dabei unterstützen, die Nutzungsvereinbarungen und Datenschutzbestimmtungen schnell zu prüfen und vor ungewollter Schnüffeltätigkeit zu warnen. Dabei wird der ellenlange Juristentext mithilfe von künstlicher Intelligenz analysiert und datenschutzrelevante Bestimmungen extrahiert sowie dem Anwender verständlich präsentiert.

Die Software segelt unter der Bezeichnung Polisis und ist gratis auf der Projekt-Webseite oder in Form eines Browser-Add-ons für Chrome und Firefox nutzbar.

«Unser Programm verwendet einfache Grafiken und Farbcodes, um den Anwendern vor Augen zu führen, wie deren Daten verwendet werden. Zum Beispiel ermitteln einige Webseiten den Herkunftsort des Nutzers und verwenden diese Information zu Marketingzwecken», sagt Hamza Harkous vom Distributed Information Systems Laboratory der EPFL, der das Projekt leitet. «Solche Bestimmungen sind oft tief in den Datenschutzregeln des Anbieters vergraben», führt er weiter aus.

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