PostFinance: Kundendaten her, oder raus aus dem E-Banking

PostFinance will künftig Big Data betreiben und Nutzerdaten sammeln. Wer das nicht möchte, wird aus dem E-Banking rausgeworfen.

von Luca Diggelmann 01.10.2014

In Zukunft will PostFinance den Zahlungsverkehr seiner Kunden analysieren. Die Daten sollen für ein neues Schnäppchenportal mit personalisierten Vorschlägen genutzt werden. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, passen die Big-Data-Pläne der Post vielen Kunden nicht. Obwohl PostFinance beteuert, die Daten stets anonym zu verarbeiten. Das Vorgehen von PostFinance ist dabei auch etwas fragwürdig. In einer ersten Phase müssen sämtliche E-Banking-Kunden den Sammelplänen zustimmen. Ein Opt-Out soll erst später angeboten werden.

Die Datensammlung von PostFinance ist bereits seit August in den neuen Geschäftsbedingungen verankert. Diese konnte bisher jedoch abgelehnt werden. Ab dem 12. Oktober ist damit allerdings Schluss. Wenn PostFinance-Kunden das E-Banking weiter nutzen möchten, müssen sie auch die neuen Geschäftsbedingungen akzeptieren. Wer dies nicht tut, wird aus dem E-Banking ausgesperrt.

Auch die Abmeldung ist bereits in den Geschäftsbedingungen drin: «Wünscht der Privatkunde keine derartigen Angebote, kann er darauf (durch entsprechende Abmeldung innerhalb von E-Finance) verzichten und sich damit auch von der damit verbundenen Analyse seiner Daten abmelden. Bis dahin geht PostFinance vom Einverständnis des Privatkunden mit der Anzeige entsprechender Angebote und der dazu nötigen Datenbearbeitung aus», steht in den Geschäftsbedingungen. Die Abmeldefunktion wird jedoch erst zum Start des Schnäppchenportals im April 2015 aufgeschaltet. In der Zwischenzeit heisst es entweder her mit den Kundendaten oder raus aus dem E-Banking.

Schriftliche Abmeldung möglich

Auf genauere Nachfrage des Tages-Anzeigers hin räumt PostFinance ein, eine Abmeldung bis zum April 2015 anzubieten. Dazu müssen die Kunden PostFinance schriftlich mitteilen, dass sie keine Datenanalyse wünschen. Dies wurde gegenüber der Kundschaft jedoch nicht aktiv kommuniziert. Laut PostFinance hätten die meisten der rund 1,6 Millionen Kunden den neuen Nutzungsbedingungen zugestimmt. Wie viele davon die Bedingungen gelesen haben, ist nicht bekannt.

Neben den Kunden von PostFinance stören sich auch Datenschützer ob den neuen Nutzungsbedingungen. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür will sich das Vorgehen genauer ansehen. PostFinance habe den Datenschützer bereits Anfang des Jahres informiert. Auf dessen Änderungsvorschläge habe PostFinance jedoch nicht reagiert.


    Kommentare

    • MarcelPfister 01.10.2014, 16.47 Uhr

      Vielen Dank für den wertvollen Hinweis und Artikel, war mir so nicht bewusst - ich habe meinen Verzicht soeben via Portal bekannt gegeben. Ich bin gespannt...

    • Kovu 01.10.2014, 17.52 Uhr

      Es erstaunt mich immer wieder, wie man davon ausgehen kann, dass sich der Anwender eine Auswertung seiner Daten wünscht. Natürlich wünsche ich mir das nicht. Und erst recht nicht wenn ein Finanzdienstleister ohnehin schon sein Geld mit meinem Geld verdient... Ausserdem ist es faszinierend, wie sich ausgerechnet die Schweiz vom Bankgeheimnis hin zur plünderung meiner Daten bewegt.

    • gucky62 01.10.2014, 20.31 Uhr

      Zu dem Thema hatte ich eine etwas intensivere Diskussion mit der Postfinance (Via "Online-Mail" im Portal). Da ich die entsprechenden Abschnitte der neuen Teilnahmebedingungen nicht so nicht akzeptieren will. Wie erwartet eher sinnlos. Die PF hat die Einstellung Vogel friss oder stirb. Ob ich den Anbieter wechsle, werde ich mal sehen. Immerhin wird die Funktion bei mir im Profil nun von Anfang an deaktiviert sein. Nachdem ich doch recht deutlich darauf verwies, was der Datenschutzbeauftragt[...]

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