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Nutzungsbedingungen unter der Lupe

Kein Mensch liest Nutzungsbedingungen für Webdienste und installierte Software. Eine neue Website will deshalb die wichtigsten Infos in Kurzform vermitteln.

blue_quad von David Lee (20.08.2012)

Das Problem ist schon lange bekannt: Nutzungsvereinbarungen für Webdienste sind oft so lange, dass sie niemand durchliest – und nicht selten sind sie in einem Juristenenglisch verfasst, das man sich auch in kürzerer Form nicht antun möchte. Wenn man jedoch das Angebot trotzdem nutzen will, behauptet man einfach, die Vereinbarung gelesen und verstanden zu haben und akzeptiert sie.

Gemäss tos-dr.info ist das die häufigste Lüge im Web. Die Site soll eine Entscheidungshilfe geben, indem die Terms of Service (ToS) bekannter Unternehmen angeschaut, bewertet und klassifiziert werden. Das im Juni 2012 ins Leben gerufene Projekt steckt noch in den Anfängen; selbst zu den meistgenutzten Anbietern wie Google, Facebook, Twitter oder Apple steht noch keine abschliessende Bewertung fest. Immerhin sind zu jedem dieser Unternehmen positive und negative Punkte der Nutzungsbedingungen aufgelistet. Wer es genauer wissen will, kann die Erkärung dazu ausklappen oder sich sogar in die Diskussion einlesen. Der ganze Entscheidungsprozess ist öffentlich und damit transparent.

TwitPic erhält auf tos-dr.info die schlechtestmögliche Bewertung. Die meisten wichtigen Dienste sind noch nicht klassifiziertvergrößenTwitPic erhält auf tos-dr.info die schlechtestmögliche Bewertung. Die meisten wichtigen Dienste sind noch nicht klassifiziert Absurde Nutzungsbedingungen bereits bekannt

Mangelnde Kenntnis über den Inhalt ist allerdings nur ein Teil des Problems. Vielen Leuten ist durchaus bekannt, dass sie teilweise haarsträubenden oder absurden Bedingungen zustimmen; da dies aber im Alltag kaum Auswirkungen hat, nehmen sie es in Kauf. Sofern diese Nutzungsbedingungen mit dem Gesetz in Widerspruch stehen, sind sie ohnehin ungültig.

Zuweilen verlieren die Anbieter selbst den Überblick über ihre umfangreichen EULAs (end user license agreements): So musste man für die Installation von Safari auf Windows der Klausel zustimmen, dass man die Software nur auf einem Apple-Rechner installieren darf. Die hübsche Zusammenstellung, wo sich dieser Hinweis findet, offenbart auch die nach wie vor aktuelle Klausel in den Nutzungsbedingungen des App Store: Man solle doch bitteschön die erworbenen Produkte nicht für Atom- und andere Massenvernichtungswaffen einsetzen. Um zu beweisen, dass kein Mensch EULAs liest, hat PC Pitstop in einer Lizenzvereinbarung eine Klausel eingebaut, die 1000 US-Dollar in Aussicht stellt, wenn man eine Notiz an eine dort erwähnte E-Mail sendet. Es dauerte laut PC Pitstop vier Monate und 3000 Downloads, bis die erste solche Mail kam.

Ein Tool, das EULAs automatisiert (und damit nur oberflächlich) bewertet, ist der EULAlyzer.



     


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