Test: Limbo, unser schönster Albtraum
«Limbo» gehört nur scheinbar zu den einfach gestrickten Spielen. Denn Gänsehaut und Grübeleien versprechen den perfekten, morbiden Zeitvertreib.
«Jump&Run»-Spiele: Ganz spontan kommen uns bei diesem Begriff kleinwüchsige, italienische Klempner mit begrenztem Wortschatz in den Sinn. Oder so brillante Titel wie «Ratchet & Clank» (Link), die immer wieder Massstäbe in Bezug auf den Witz, die Grafik und die Story setzen – wenn auch leider nur auf der PlayStation.
Eines haben die meisten Spiele dieser Gattung jedoch gemeinsam: Sind lustig und/oder niedlich. Wem der Zuckerguss zum Halse raushängt, der bekommt jetzt härtere Kost serviert. Denn obwohl es sich bei Limbo um eine Art Jump&Run-Spiel handelt, lässt es sich kaum mit den anderen Titeln diese Genres vergleichen; genauso gut könnte man die Filme «Scooby-Doo» und «Sin City» in den gleichen Topf werfen, weil in beiden Streifen verfressene Hunde vorkommen.
Die Story
Ein Junge sucht seine Schwester. (Banal, aber damit haben wir kein Problem.) Mehr wird an dieser Stelle jedoch nicht verraten, weil es nicht mehr zu verraten gibt.
Das Spiel
Irgendwie müssen die langen Winternächte den dänischen Machern psychisch zugesetzt haben. Limbo bietet keine Sprachausgabe, keinen Soundtrack und keine einzige Farbe. Neben der düsteren Grafik sorgt jedoch eine bedrohliche, hervorragend gelungene Klangkulisse für die richtige Stimmung. Limbo ist durchs Band ungemütlich, trostlos und vor allem sehr gefährlich. Und es wird am besten in einem dunklen Raum mit aufgesetzten Kopfhörern genossen.
Bildergalerie
Limbo: Impressionen
Das ganze Spiel ist in viele kleine Rätsel aufgeteilt, die teils mit Köpfchen, teils mit Reflexen gelöst werden müssen. Wenn man die Lösung vermasselt, ist Schluss mit Kindergeburtstag: Knochen splittern mit einem hässlichen Geräusch, der Lebenssaft sprudelt ins schwarze Gras oder der Schädel wird von einem riesigen Spinnenbein durchbohrt.
Doch auch die Lösungen sind zum Teil grausam. So muss schon mal einer Riesenspinne ihr einziges Bein ausgerissen werden, damit man den Torso in eine Mulde rollen kann. Oder eine Wasserleiche aus dem letzten Rätsel wird in die nächste Falle geworfen, die prompt ausgelöst wird und den Weg frei macht. Sin City eben. Nicht Scooby-Doo.
Vor allem aber gibt es keine Anleitung – nur wer ausprobiert, kommt weiter. Dabei verhält sich das Spiel mehr als fair. Zum einen ist der Schwierigkeitsgrad hervorragend ausbalanciert, während die Rätsel mit ein wenig Logik problemlos zu knacken sind. Und sollte ein verpatztes Rätsel zu einem wirklich hässlichen Ableben führen, ist deswegen nichts verloren: Das Spiel wird einfach am Anfang desselben Rätsels fortgesetzt. Damit erübrigen sich Hilfen wie Speicherpunkte und Valium.
Die Steuerung
Mit den vier Pfeiltasten wird nach links und rechts marschiert, gesprungen oder geklettert. Die Wahltaste wird verwendet, um mit Objekten zu interagieren. Das kann man sich schnell merken.
Fazit: Limbo verkörpert all das, was zu einem zutiefst befriedigenden Spiel gehört: motivierende Aufgaben, ein ausgewogener, fairer Schwierigkeitsgrad, überraschende Rätsel und als Bonus eine mitgelieferte Gänsehaut.
Limbo wird im Mac App Store verkauft (Link) und kostet 10 Franken.
PRODUKTINFOS
Limbo 1.1
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