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«Hello» zu Windows 10: Tobii Eye Tracker 4C im Test

von Simon Gröflin 03.01.2017

Viel zu kurzes Kabel

Nervig: Das Kabel mit einer Länge von 80 cm ist viel zu kurz. Verwendet man ein USB-2.0- oder USB-3.0-Verlängerungskabel, schlägt die Installation ebenfalls fehl. Beim Hersteller steht es dann auch deutlich: Man soll für einen optimalen Betrieb auf Verlängerungskabel verzichten. Also Pech für Desktop-Anwender, die sich mit ihrem Monitor etwas zu weit weg vom PC-Tower befinden. Für die Montage, wofür der untere Gehäusebereich des Monitors herhalten muss, liefert der Hersteller eine klebende Metallplatte mit. Die sorgt zwar für den nötigen Halt. Man bringt den Stab aber aufgrund der starken Klebepaste auch fast nicht mehr weg. Zu festes Anpressen ist daher nicht ratsam. Daher eignet sich der fingerkuppendicke Sensor auch nicht unbedingt für Notebooks.

Der Tobii Eye Tracker 4C im Dunkeln Der Tobii Eye Tracker 4C im Dunkeln Zoom© sgr / PCtipp

Einrichtung: Eile mit Weile

Die eigentliche Einrichtung ist eine Sache von wenigen Minuten. Nach der Installation leuchten die IR-LEDs rot auf. Es folgen ein paar Blickübungen in verschiedene Richtungen, damit die Geometrie der Iris jeweils rasch erkannt wird. Bei mir als Brillenträger mit dicken Gläsern hat das nicht gleich auf Anhieb geklappt. Helfen kann eine kurze Reinigung der Brillengläser. Rückt man einige Zentimeter näher ran, gratuliert das Setup nach nochmaliger Kalibrierung schliesslich dann doch zur erfolgreichen Einrichtung. Der Setup-Assistent will auch Kontaktlinsen-Träger genau analysieren, weil es womöglich je nach Lichteinfall zu kleineren Spiegelungen kommen kann. Denkbar ist ein Software-Algorithmus, der die Unschärfen interpoliert und dem System dabei unter die Arme greift.

Der Tobii Eye Tracker justiert sein Erkennungsprofil auch nach Faktoren wie Kontaktlinsen  Der Tobii Eye Tracker justiert sein Erkennungsprofil auch nach Faktoren wie Kontaktlinsen Zoom© Tobii.com

Brot und Spiele braucht das Volk

Die Bedienung ist einfach. Bislang werden ca. 40 Spiele unterstützt. Allerdings wird schnell klar: Das Spielangebot bleibt letzten Endes, mit ein paar Namen wie «Watch Dogs 2» und «Elite Dangerous» doch mehr oder weniger überschaubar und die Eyetracking-Funktionen ähneln sich. Kleinere Mini-Spiele wie «Amphora», «Son of Nor», «Volcanic Fields 2» sind zwar nett, aber ein eingefleischter PC-Spieler mit vielen Genre-Vorlieben wird schnell ein wenig müde bei der geringen Auswahl an Knallertiteln. Immerhin kostet die Sensorleiste doch happige 179 Franken, und dafür hievt Tobiis Augen-Gadget das Spielerlebnis nicht gleich auf eine komplett neue Ebene. Im Game «The Solus Project» schliessen sich fleischfressende Pflanzen, wenn man sie anblickt – also eher eine atmosphärische Komponente. Im Weltraum-Shooter «Elite: Dangerous» und im Third Person Shooter «Watch Dogs 2» wirds praktischer: Man kann die Gegner nun zusätzlich per Blickkontakt genauer anvisieren. Besonders cool finden wir die Umsetzung bei «Assassin's Creed: Syndicate», weil auch der Bildschirm mit den Augen mitschwenkt und neue Missionsziele eingeblendet werden (siehe Video unten).

Im Spiel «The Solus Project» schliessen sich fleischfressende Pflanzen, wenn man sie anstarrt Im Spiel «The Solus Project» schliessen sich fleischfressende Pflanzen, wenn man sie anstarrt Zoom© Screenshot / PCtipp

Was uns beim Testen noch aufgefallen ist: Man muss je nach Spiel die Steuerungseinstellungen überprüfen. Nicht jeder Spielemacher schaltet die Tobii-Optionen standardmässig ein. Ausserdem trübt ein Nachteil ein wenig das Spielgeschehen: Bei einem Dual-Monitor-Setup kann nur ein Augensensor in Betrieb genommen werden, heisst: Man muss zum aktiven Tobii-Eye-Monitor umschalten. Spielen ist dann nur auf einem Bildschirm möglich.

Wer sich einen Überblick über die bislang unterstützten Spiele verschaffen möchte: Tobii Technology hat die verschiedenen Spielfunktionen auf dieser Seite sehr ausführlich mit Bildern und Videos visualisiert.

Fazit

Der Tobii Eye Tracker 4C ist ein technisch gut funktionierendes Gadget. Begrüssenswert sind die vielen Kooperationsbemühungen mit anderen Herstellern und zahlreichen Entwicklern. Das ändert aber vorläufig nichts daran, dass wir es bis jetzt mit einem Nischenprodukt zu tun haben, das noch nicht so recht angekommen ist. Wir warten auf mehr Spiele von Triple-A-Anbietern.

Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von Brack zur Verfügung gestellt. Zum Produktlink geht es hier.

  • Tobii Eye Tracker 4C

    Positiv:
    Erkennungsgenauigkeit, Einrichtung (simpel)
    Negativ:
    Kabel (nur 80 cm lang), Kabel nicht verlängerbar, Spieleangebot noch ausbaufähig
    Details:
    IR-Sensor (erkennt Kopf- und Augenbewegungen), funktioniert auf 50 bis 90 cm Entfernung, unterstützte Monitorgrösse: bis 27 Zoll, Anbindung nur über USB 3.0 (80-cm-Kabel), Windows-Hello-Gesichtserkennung (Windows 10), Unterstützung ab Windows 7 (nur 64-Bit), Intel-Core-i5-Vierkernprozessor (2 GHz) empfohlen; Gewicht: 91 Gramm
    Strassenpreis:
    Fr. 179.–
    Info:
    tobiigaming.com
    PCtipp-Bewertung:
    3.5 Sterne

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Tags: Biometrie
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