Test: Sonos One

Multiroom reicht heute nicht mehr. Lautsprecher müssen auch smart sein – so wie der kleine Sonos.

von Klaus Zellweger 27.08.2018

Wären da nicht die kleinen optischen Abweichungen auf der Oberseite, ginge der Sonos «One» problemlos als Zwilling des Sonos «Play:1» (Test) durch. Seit Jahren ist der beliebte Lautsprecher mit den kompakten Abmessungen das Aushängeschild für die Sonos-Produktlinie: Er ist klein, klingt für seine Abmessungen sehr gefällig und bleibt dabei erschwinglich, auch wenn die Musik nur ein wenig im Hintergrund dudeln soll.

Einzig die Oberseite zeigt den Unterschied: Statt der plumpen Tasten warten nun dezent beschriftete Sensorflächen auf eine Berührung. Die Lautstärke wird mit einem Tippen erledigt, die Navigation zwischen den Titeln mit einem Wischen. Neu ist auch das Mikrofon, das den diensthabenden Assistenten aufschreckt. Dazu gleich mehr.

Die Tasten sind weg, bedient wird über Touch-Sensoren Die Tasten sind weg, bedient wird über Touch-Sensoren Zoom© PCtipp / ze

Kinderleichte Installation

Sonos-Lautsprecher können allein betrieben werden, aber am besten hält man sie im Rudel. Dabei vernetzen sich mehrere Lautsprecher untereinander, sodass einem die Musik auf Schritt und Tritt in alle Zimmer folgt. Alternativ ist es möglich, zwei dieser Mono-Lautsprecher zu einem Stereo-Paar zu bündeln, um dem Klang mehr Raum zu geben.

Die Installation ist dabei mustergültig einfach: Der Lautsprecher wird aufgestellt und mit Strom versorgt. Anschliessend wird die Sonos-App gestartet, der Lautsprecher angewählt und konfiguriert. Seinen Platz im Netzwerk findet der One über WLAN oder Ethernet.

Für die Kalibrierung sollte der Lautsprecher an seinem endgültigen Platz aufgestellt werden. Achten Sie darauf, dass Sie während dieser zwei Minuten allein im Zimmer sind; so wird verhindert, dass die Präsenz der Mitbewohner die Messung verfälscht. Ausserdem sieht dann niemand zu, wie Sie durch das Wohnzimmer schleichen und mit theatralischen Gesten das Smartphone in der Luft schwenken.

Musikquellen

Der Sonos One ist in erster Linie für das Streaming von Musik aus dem Internet konzipiert. Kein Wunder, werden alle Dienste von Rang und Namen unterstützt. Die aktuelle Auflistung finden Sie hier. Dabei wird ein Dienst via Smartphone gestartet und dudelt danach eigenständig vor sich hin, auch wenn das Smartphone nicht mehr zugegen ist. Die Wiedergabe lässt sich ausserdem über die Taste auf der Oberseite pausieren und am nächsten Tag fortführen. Diese Einfachheit reicht fast schon an ein Radio heran.

Alternativ kann die Sonos-App auch dazu verwendet werden, um die Musik aus der lokalen Bibliothek des Smartphones zum Lautsprecher zu übertragen.

Damit wären die Möglichkeiten zur Wiedergabe auch schon erschöpft. Leider fehlen sowohl ein Bluetooth-Modul als auch ein Klinkeneingang, mit dem sich weitere Geräte verbinden lassen, etwa die Smartphones der Gäste.

Amazon, Apple und Google

Der Sonos One ist nicht ganz neu auf dem Markt, aber erst jetzt ist er soweit gereift, dass er in der Schweiz zu einer interessanten Alternative zum Vorgänger Sonos «Play:1» wird. Denn mit dem One betritt auch Sonos die Bühne der intelligenten Lautsprecher. Amazons Assistentin «Alexa» ist seit jeher verbaut, lässt sich aber in der Schweiz nur mit vielen Verbiegungen und Umwegen nutzen, weil Amazon keine reguläre Freigabe erteilt. Das kann es also nicht sein.

Der Google Assistant funktioniert zwar in der Schweiz fast ohne Einschränkungen, doch hier steht Sonos zurzeit in der Bringschuld: Der Google Assistant ist zwar offiziell angekündigt, wird aber gemäss Sonos frühestens Ende Jahr als weiteres Firmware-Update nachgereicht. Und erst dann ist der Sonos One in unserem Land ein ernstzunehmender smarter Lautsprecher.

AirPlay 2

Immerhin wurde ein weiteres grosses Sonos-Versprechen vor Kurzem via Firmware-Update erfüllt: die Unterstützung von Apples «AirPlay 2»-Protokoll. Damit werden gleich zwei wichtige Funktionen nachgereicht.

Erstens sind Apple-Anwender bei der Wiedergabe von Spotify und anderen Tonquellen nicht mehr auf die Sonos-App angewiesen. Stattdessen wird auf dem iPhone in einer beliebigen App die Wiedergabe gestartet. Über das Kontrollzentrum wird anschliessend der oder die Sonos-Lautsprecher angewählt, damit die Wiedergabe via AirPlay 2 beginnt. Das wäre zwar bereits mit AirPlay 1 möglich gewesen, aber Sonos hat sich bis anhin zum Leidwesen der Apple-Anwender quergestellt.

Um den Ton umzuleiten, wird das Sound-Symbol im Kontrollzentrum angetippt (links). Im Sperrbildschirm reicht ein Tippen auf das AirPlay-Symbol (Mitte), um mehrere Lautsprecher über AirPlay 2 zu synchronisieren (rechts) Um den Ton umzuleiten, wird das Sound-Symbol im Kontrollzentrum angetippt (links). Im Sperrbildschirm reicht ein Tippen auf das AirPlay-Symbol (Mitte), um mehrere Lautsprecher über AirPlay 2 zu synchronisieren (rechts) Zoom© Screenshot / ze

Zweitens wird mit AirPlay 2 Apples eigene Interpretation einer Multiroom-Lösung unterstützt. So braucht es nur ein weiteres Tippen, um den Sonos-Lautsprecher zum Beispiel mit einem Apple HomePod zu verbinden (siehe Bild oben), der in der Schweiz leider immer noch auch sich warten lässt: Sonos und Apple beschallen die gute Stube in schönster Harmonie.

Allerdings ist es so gut wie sicher, dass Apples Assistentin «Siri» niemals den Weg auf fremde Lautsprecher finden wird.

Tonqualität

Wie bereits der Vorgänger klingt der Sonos «One» in Anbetracht seiner Grösse ansprechend bis gut. Die Bässe sind kräftig – aber bei den Höhen kann man sich darüber streiten, ob diese nun besonders klar oder einfach ein wenig blutleer daherkommen. Im Zweifel gilt Zweiteres.

Wir hatten die Möglichkeit, den Sonos «One» gegen einen Apple HomePod und einen Google Home Max (Test) antreten zu lassen. Der wuchtige Google-Lautsprecher klingt im Vergleich sehr viel dominanter und liefert erwartungsgemäss deutlich mehr Bass. Allerdings klingt er stellenweise im direkten Vergleich fast zu basslastig und ein wenig dumpf.

Dass der Google Home Max (links) mehr Bass bringt, erstaunt in Anbetracht der Grösse nicht wirklich Dass der Google Home Max (links) mehr Bass bringt, erstaunt in Anbetracht der Grösse nicht wirklich Zoom© PCtipp / ze

Der Apple HomePod wiederum gefällt durch sein sehr ausgewogenes Klangbild mit kräftigen Bässen und klaren Höhen, ohne dabei dumpf oder übertrieben zu klingen. Der HomePod schlägt den Sonos One unüberhörbar und wäre meine erste Wahl bei diesem Trio – doch das sei nur am Rande erwähnt, denn dieser Test soll nicht in einem Vergleich ausarten.

Apples HomePod (rechts) bietet bei der gleichen Grösse den besseren Klang, unterstützt aber nur Siri Apples HomePod (rechts) bietet bei der gleichen Grösse den besseren Klang, unterstützt aber nur Siri Zoom© PCtipp / ze

Fazit

Der Sonos One überzeugt mit seiner einfachen Bedienung und seiner unauffälligen Erscheinung. Die Tonqualität spielt nicht ganz in derselben Liga wie die anderen grossen smarten Lautsprecher, doch die Beschallung wirkt in den meisten Fällen sehr angenehm. Für Google-Fans dürfte der Sonos One gleich noch einmal so interessant werden, wenn der Google Assistant in einigen Monaten als Firmware-Update nachgereicht wird.

  • Sonos One

    Positiv:
    Grösse, Erscheinung, Bedienung, Klang
    Negativ:
    Etwas dünne Wiedergabe der Höhen, kein Bluetooth, keine Klinkenbuchse
    Details:
    In Weiss oder Schwarz, Touch-Bedienung oder App, 161,1 × 11,9 × 11,9 cm, Ethernet, WLAN 802.11g, Netzbetrieb
    Strassenpreis:
    Fr. 216.75 (pro Gerät)
    Info:
    microspot.ch
    PCtipp-Bewertung:
    4 Sterne

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Tags: Sonos, Musik

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