Test: Canon EOS 6D Mark II

Canons neue Vollformat-DSLR liegt irgendwo zwischen Amateur und Profi. Da ist es wichtig, die richtigen Dinge zu priorisieren.

von Luca Diggelmann 20.12.2017

Spiegelreflex-Kameras (DSLRs) haben es nicht leicht. Die Fortschritte der spiegellosen Systemkameras (DSLMs oder MILCs) bringen die alte Garde der Klappspiegelkisten immer mehr in Bedrängnis. Einer der grössten Vorteile der DSLMs ist die kompaktere Grösse. Damit kann eine DSLR durch den zusätzlich benötigten Spiegel schlicht nicht mithalten. Sind grösse und Gewicht weniger ein Thema, haben die DSLRs jedoch noch ihre Vorteile. Gerade bei Vollformat-Sensoren sind grosse und schwere Objektive fast unumgänglich und der Massenvorteil weniger stark ausgeprägt wie bei APS-C- oder Micro-4/3-Sensoren.

Die 6D Mark II soll einen günstigeren Einstieg in das Vollformat bieten Die 6D Mark II soll einen günstigeren Einstieg in das Vollformat bieten Zoom© Canon

Das macht sich DSLR-König Canon zu Nutze und erweitert sein Angebot im Vollformat-DSLR-Bereich um eine verhältnismässig günstige Kamera. Die 6D Mark II ist ein Einstieg in die Vollformat-Fotografie und richtet sich hauptsächlich an ambitionierte Amateure oder als Zweitkamera für Profis.

Äusseres und Bedienung

DSLRs sind nicht gerade an der Front der Design-Innovation in der Kamerawelt. Die Platzhirsche Canon und Nikon konzentrieren sich mehr auf Funktionalität und Ergonomie. Von aussen erwartet einen hauptsächlich die übliche Canon-Kost: Ein solider Body, gebaut wie ein Panzer, mit den gleichen Bedienelementen wie fast alle Canon-Kameras der vergangenen fünf Jahre. Das hat Vor- und Nachteile:

Die Rückseite macht grösstenteils Sinn, ausser dem Ein-Aus-Knopf Die Rückseite macht grösstenteils Sinn, ausser dem Ein-Aus-Knopf Zoom© Canon

Die Vorteile liegen vor allem in der Bedienung beim Fotografieren selbst. Da kann die 6D Mark II punkten. Sämtliche während dem Fotografieren benötigten Knöpfe befinden sich auf der rechten Seite der Kamera, wodurch diese auch einhändig bedient werden kann. Einige Knöpfe sind jedoch mehr gelungen als andere. Der Auswahlknopf für den Fokuspunkt direkt zwischen Auslöser und Blendenrad ist etwas gar klein geraten und braucht eine ordentliche Portion Geduld, bis man sich damit abgefunden hat. Weiter hinten verbaut Canon auch in der 6D Mark II seine übliche Reihe von Einstellungsknöpfen. Autofokus, Drive, ISO, Belichtungsmesser können auf der Oberseite leicht erreicht werden. Mit ein wenig Übung sogar blind. Mit dem Knopf ganz rechts aussen kann das LCD auf der Oberseite beleuchtet werden. Direkt an der Oberkante gibt es noch Einstellungen zum Fokustyp.

Die Tasten auf der Rückseite sind mehr mit der Bedienung der Menüstruktur verbunden. Darunter das praktische Q-Menü mit dem die wichtigsten Einstellungen schnell aufgerufen werden können. Das ist besonders nützlich in Kombination mit dem Touch-Display. Einmal auf Q drücken und dann per Finger die passende Option wählen und per Rädchen anpassen. Geht extrem schnell und einfach.

Eine etwas merkwürdige Design-Entscheidung von Canon ist die Platzierung des Ein-Aus-Schalters an der EOS 6D Mark II. Der Schalter ist auf der linken Seite der Kamera am Modus-Rad befestigt. Somit benötigen Sie beide Hände, um die Kamera ein- oder auszuschalten. Canon verwendet diese Platzierung bei fast allen Modellen, ist damit allerdings ziemlich alleine. Hersteller wie Nikon, Fujifilm oder Panasonic platzieren den Ein-Aus-Schalter so gut wie immer um den Auslöser, was deutlich angenehmer ist. Zugegeben: Bei einer DSLR ist es nicht ganz so wichtig, die Kamera zwischendurch auszuschalten, wie bei einer DSLM. Dennoch ist es schön, wenn man dies mit einer Hand tun kann. Dann kann die zweite Hand gleich von Beginn dorthin gehen, wo sie hingehört: unter das Objektiv.

Die meisten Bedienelemente zum Fotografieren sind auf der Oberseite platziert Die meisten Bedienelemente zum Fotografieren sind auf der Oberseite platziert Zoom© Canon

Mehr Sinn macht die Platzierung auf der linken Seite bei der Menütaste und der Infotaste. Beide werden fast nur dann verwendet, wenn die Kamera sowieso schon in beiden Händen gehalten wird. Praktisch alle Tasten haben eine angenehme Haptik. Ausgenommen davon ist das Steuerkreuz, welches leider sehr schwammig wirkt und nicht wirklich allzu präzise bedient werden kann. Die Rädchen für Blende und Belichtungszeit sind angenehm, auch wenn das Rad auf der Rückseite für Canon-Neulinge etwas ungewohnt sein könnte. Am Griff gibt es, wie bei praktisch allen DSLRs, nichts auszusetzen

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