Eingetaucht: Extrem-Laptop mit Wasserkühlung

Das Asus GX700 ist ein gewaltiger 17,3-Zoll-Laptop. Er kommt in einem Koffer! Mit im Gepäck: eine externe Wasserkühlung! Doch, wer braucht sowas?

von Simon Gröflin 18.01.2016

Ein typischer Alltag eines Tech-Journalisten: Da fragt kurz vor Jahresende noch ein netter Händler, ob ich schon exklusiv den ersten Gaming-Laptop mit einer Wasserkühlung testen möchte. «Natürlich», pflichte ich dem bei. Obwohl ich noch einige Artikel schreiben und an einen Event müsste. Einen Tag später ereilt mich eine Mail: «Wir können es dir nicht so gut per Post schicken - es kommt in einem Rollkoffer!» Da frage ich bereits: Hat denn Asus gleich eine Autobatterie eingepackt? Auf jeden Fall legt dies den Schluss nahe, dass die Wasserkühlung nicht im Notebook integriert ist. Richtig geraten.

Das Kofferdesign sei jedoch noch nicht final, versicherte man mir. Immerhin ...

Etwas für jede LAN-Party? Etwas für jede LAN-Party? Zoom© sgr / NMGZ

Ein Schmunzeln um die Gaming-affinen PCtipp-Redaktor-Münder machte sich beim Auspacken dennoch breit. In der Kofferunterseite enthalten ist der High-End-Laptop im schnittigen Aluminiumgehäuse. Gleich neben der externen Wasserkühlung in schwarzem Schaumstoff eingenistet: ein riesiges 330-Watt-Netzteil!

Der Inhalt: Wasserkühlungs-Dock, Laptop und Riesennetzteil Der Inhalt: Wasserkühlungs-Dock, Laptop und Riesennetzteil Zoom© sgr / NMGZ

Wuchtige Komponenten

Günstig ist die ganze Fracht bei einem stolzen Strassenpreis ab 4500 Franken bei Weitem nicht. Das Vollaluminium-Chassis des Laptops mit Lasergravuren vermittelt aber einen soliden Gesamteindruck. Einzig schade: Der optisch unauffällige Display-Rahmen ist wie bei Medions Erazer X7843 aus dünnem Kunststoff gefertigt. Die gummierte schwarze Handballauflage ist zudem etwas fingerabdruckanfällig.

Der Laptop selber ist sehr edel und robust verarbeitet Der Laptop selber ist sehr edel und robust verarbeitet Zoom© Asus

Anstecken und wasserkühlen, bitte

Ganz portabel ist der Laptop auch nicht. Das von Asus so benannte «Hydro Overclocking System» mit dem integrierten Wasserkreislauf bringt zusammen mit dem 3,6-Kilo-Laptop gut 8 Kilo auf die Waage. Das Wasserkühlungs-Dock enthält alle Flüssigkühlkomponenten: Schon eingebaut sind zwei 90-mm-Radiatoren zusammen mit einer Pumpe und einem Vorratsbehälter. Das alles sorgt für die ganze Frischluft, wenn man stets unter maximal möglicher Leistung spielen möchte. Reiner Luftbetrieb ist aber ebenfalls möglich. Jedoch sinkt dann die Gesamtleistung um etwa 20 Prozent.

Notebook und Wasserkühlungseinheit docken über diese proprietären Anschlüsse innenseitig an Notebook und Wasserkühlungseinheit docken über diese proprietären Anschlüsse innenseitig an Zoom© sgr / NMGZ

Anschliessen ist simpel: Laptop auf die flache Halterungsunterseite legen, Hebel runterdrücken und die proprietären Anschlüsse der Wasserkühlung docken innenseitig am Notebook an. Ausserdem fungiert die Wasserkühlungsstation gleichzeitig als Stromversorgung und Akkuladestation.

Angedockt Angedockt Zoom© Asus

Stichwort Station: Der Begriff «Desktop-Replacement» wird wohl spätestens beim GX700 überfällig. Jedenfalls eine neue Art von Mobile Computing ist das nicht. Das Wasserkraftwerk beansprucht zusammen mit dem 17,3-Zoll-Laptop viel Platz auf dem Tisch: mindestens zwei Armlängen. Doch, wozu das Ganze?

Nächste Seite: Volle Wasserkraft voraus

Volle Wasserkraft voraus

Rein von den Spezifikationen her ist das GX700 von Asus ein mobiles Hardware-Monster der Extraklasse. Für sehr flüssige Spieleleistung auf höchster Detailstufe sorgt der Intel Core i7-6820HK - der per se erste übertaktbare Notebook-Prozessor. Dessen Basistakt liegt bei 2,7 GHz, der Boost-Takt bei 3,6 GHz. Übertaktet liegen jedoch bis 4 GHz oder mehr drin.

Ein Blick ins Innere der Wasserkühlung Ein Blick ins Innere der Wasserkühlung Zoom© Asus

Die Absicht, den Laptop mit der zusätzlichen Wasserkühlung in Desktop-Leistungsgefilde zu katapultieren, erkennt man noch an was anderem: Die High-End-Grafikkarte GeForce GTX 980M von Nvidia kommt seinem Desktop-Bruder sehr nahe. Dessen 8 GB grosse GDDR5-Speicher taktet ebenfalls mit 2,5 GHz. Als Sahnehäubchen steuert Asus dem Ganzen noch 64 GB Arbeitsspeicher und zwei im Verbund (RAID 0) geschaltete 512-GB-SSDs bei.

Schneller Gang, kurzer Atem

In Full-HD-Auflösung muss sich Spieleleistung nicht vor Desktop-Performance verstecken. So gut wie alles geht sehr flüssig in maximalen Full-HD-Grafikeinstellungen. Im PC Mark 8 Benchmark erreichte der GX700 um 4277 Punkte: gut 1000 mehr als ein besserer Durchschnitts-Gaming-Laptop wie das Acer Aspire V17 Nitro. Im Vergleich zu einem Desktop-Rechner mit einem i5-K-Skylake und GeForce GTX 980 Ti liegt der Cloud-Gate-Bench mit 22'812 gegenüber 25'354 Punkten etwa gleich auf – und das erstaunt! Die Akkulaufzeit fällt indes wie erwartet schlecht aus. Nach einem Powermark-Durchlauf war nach ca. 3,5 Stunden bereits Schluss. Positiv: Die Lüfterlautstärke für diese High-End-Klasse ist kaum warhnehmbar. Mit angedockter Wasserstation wirds nochmals leiser.

Volle Wasserkraft voraus Volle Wasserkraft voraus Zoom© sgr / NMGZ

Asus stellte uns zum Testzeitpunkt das Full-HD-Modell zur Verfügung. Eine Variante mit 4K-Display existiert ebenfalls. Seitens Asus ist das Gerät für den Schweizer Markt bislang nur als Full-HD-Version vorgesehen. Das Display mit seinem matten IPS-Panel und den guten Schwarzwerten lässt nichts missen, ausser eben, dass es nicht 4K ist. Worin liegt der Reiz, nur auf Full HD spielen zu wollen bei diesen Hardware-Muskeln? Das hat uns aber nicht davon abgehalten, die Grafikleistung insbesondere auch auf 4K-Niveau zu überprüfen, indem wir den Laptop per HDMI an einem 4K-Sony-Bravia-Fernseher angeschlossen haben. Das kommt gut. Sehr gut. «Mortal Kombat X» als Beispiel lief mit mindestens 50 bis 60 Bildern pro Sekunde.

Das GX700 ist nicht gerade ein Desktop-Ersatz Das GX700 ist nicht gerade ein Desktop-Ersatz Zoom© Asus

Fazit

Innovativ ist der Asus GX700. Auch die Design-Elemente stimmen und zeugen von hoher Verarbeitungsqualität. Mehr Sinn macht das Ganze aber eindeutig mit einem 4K-Display. Denn für vollen Full-HD-Spielgenuss gibts schon wesentlich günstigere Laptops wie das Medion Erazer X7843 oder das Acer V17 Nitro, die das zum halben Preis auch mit guter Luftkühlung perfekt meistern.

Tags: Asus
Seite 1 von 2
       
       

Kommentare

Keine Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.