Test: HTC U12+

Touch-Tasten sind eine tolle Sache. Wenn man sie richtig einsetzt. Gelingt Schweiz-Liebling HTC damit das Comeback?

von Luca Diggelmann 18.07.2018

Das neue Spitzenmodell von HTC ist ein wenig wie Onlinedating: äusserlich alles perfekt, beeindruckender Lebenslauf, interessante Hobbys und viel Engagement in den richtigen Bereichen. Und beim ersten Treffen stellt sich raus: Das Date glaubt, die Erde sei flach und Politiker seien Echsenmenschen. Na toll.

Die Rückseiten des U12+ sind ein Hingucker Die Rückseiten des U12+ sind ein Hingucker Zoom© lpd / PCtipp

Äusseres

Optisch kann man dem HTC U12+ nicht viel ankreiden. Der Glasbody mit Alurahmen sieht spektakulär aus. Nicht ganz die Eleganz eines Galaxy S9, aber eigen und auffällig. Besonders die rote Farbvariante mit ihrem schimmernden Liquid Glass sieht zum Anbeissen aus. Die Displayränder sind zwar etwas dicker als bei anderen Spitzengeräten, allerdings war HTC clever genug, mit einigen geschickt platzierten Kerben das U12+ etwas dünner wirken zu lassen.

Einziger Nachteil des Designs: Die Glasrückseite sieht schnell dreckig aus und zieht Fingerabdrücke an wie ein umgekippter Walnusstransporter die Eichhörnchen. Glas tendiert auch dazu, bei Stürzen zu zerbrechen, weshalb eine Schutzhülle beim U12+ empfehlenswert ist. Leider hat man dann auch wenig von der schönen Rückseite.

Die transparente Farbvariante ist ein kleiner Throwback in die 90er Die transparente Farbvariante ist ein kleiner Throwback in die 90er Zoom© lpd / PCtipp

Apropos Rückseite: So schön der gläserne, gebogene Rücken des U12+ auch aussieht, auf einer nicht perfekt ebenen Oberfläche rutscht das Smartphone schneller weg als ein Rehkitz auf Glatteis.

Handhabung

Die direkte Verbindung zwischen Mensch und Maschine ist ein spannender Punkt in der technologischen Entwicklung von Smartphones. An die nicht optimalen Touch-Tastaturen haben wir uns gewöhnt, Sprachsteuerung, Gesten und andere Input-Möglichkeiten werden entwickelt, um die Bedienung des Smartphones besser und einfacher zu gestalten. Dabei ist es wichtig, dass der neue Input auch dem Nutzer einen Vorteil bringt. Oder zumindest keine Nachteile.

Letzteres ist beim HTC U12+ wohl vergessen gegangen. HTC hat im neuen Spitzengerät keine physischen Tasten mehr verbaut. Stattdessen sind der Power-Knopf und die Lautstärkeregelung nur noch metallene Ausbuchtungen aus dem Rahmen, die auf Druck reagieren. Allerdings springen diese Touch-Buttons schneller an als ein paranoides Rennpferd auf Speed. Nimmt man das Smartphone bei einer Demo in die Hand, bedient man es sehr gezielt und merkt somit nicht wirklich, wie unpräzise so ein System ist. Nach einigen Tagen Alltagsgebrauch treibt einen der Touch-Powerbutton jedoch in den Wahnsinn. Zu viele unabsichtliche Tastendrucke, zu viele nicht registrierte Drucke, zu unregelmässige Resultate.

Die Sidebuttons machen wenig Freude Die Sidebuttons machen wenig Freude Zoom© lpd / PCtipp

Ähnlich wie bei den digitalen Home-Buttons der neueren iPhones liefert das Smartphone eine leichte Vibration, um den erfolgreichen Druck zu bestätigen. Es gibt jedoch zwei grundlegende Unterschiede zwischen der Ausführung von Apple und derjenigen von HTC:

1. Das Feedback von Apple fühlt sich echt an. Drückt man den Home-Button des iPhones, denkt man wirklich, man drücke einen Knopf. Das geht so weit, dass viele iPhone-Nutzer nicht einmal merken, dass sie nicht wirklich einen physischen Knopf drücken. HTC löst dies deutlich weniger überzeugend. Drückt man auf den Power-Knopf des U12+, vibriert es irgendwo unten am Rand des Displays. Das irritiert fast so sehr wie das leise Summen eines Moskitos im Raum.

2. Der Home-Button des iPhones funktioniert zuverlässig. Das kann man von den HTC-Buttons nicht behaupten. Der Power-Button aktiviert häufig, ohne dass man es will. Auf der anderen Seite sind die Lautstärketasten schlicht zu langsam. Anders als bei physischen Tasten, benötigen die Touch-Tasten des U12+ eine kurze Zeit, um wieder aktiviert werden zu können. Will man also schnell zwei Tasten hintereinander drücken, funktioniert das meistens nicht. So hat sich auch das doppelte Drücken für die Kamera so gut wie erledigt. Immerhin geht das auch mit EdgeSense.

EdgeSense heisst eine weitere Touch-Technologie von HTC. Dabei wurden druckempfindliche Panels an der unteren Seite des Alurahmens verbaut. Durch diese können Sie das U12+ drücken, um spezifische Funktionen zu aktivieren. Verblüffend dabei: Bei EdgeSense kann die nötige Druckstärke eingestellt werden. Bei den Seitentasten nicht. Kein Wunder, funktioniert EdgeSense deutlich besser als die unzuverlässigen Seitentasten.

Drückt man das untere Drittel des U12+, passieren gute Dinge Drückt man das untere Drittel des U12+, passieren gute Dinge Zoom© lpd / PCtipp

Sehr schön ist auch die neue Input-Möglichkeit des doppelten Antippens. So kann EdgeSense jetzt auf drei Arten ausgelöst werden: drücken, lange drücken und doppelt antippen. Jede der Methoden kann auf eine andere Funktion eingestellt werden, der Doppeltap sogar separat für links und rechts. So können Sie vier Smartphone-Funktionen einfach und ohne grosses Suchen aufrufen. Eine sinnvolle Innovation.

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