Test: Samsung Galaxy S7

Für sein neues Galaxy hat Samsung nicht gerade tief in die Trickkiste gegriffen, dafür aber vieles verbessert.

von Luca Diggelmann 07.03.2016
Das Galaxy S7 baut auf dem S6 auf Das Galaxy S7 baut auf dem S6 auf Zoom© ldig / PCtipp

Äusserlich hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel geändert. Das Hauptmaterial auf der Front- und Rückseite bleibt Glas und der Rahmen Metall. Das hat die gleichen Vor- und Nachteile wie bisher. Das Glas liegt zwar griffig in der Hand, fühlt sich aber nicht unbedingt angenehm an. Zwar sieht das Galaxy S7 ganz in Glas toll aus, es fühlt sich aber auch kalt an und ist deutlich schwerer (152 g) als Kunststoffmodelle. Schweiss und Fett bleiben auf der Oberfläche hartnäckig kleben und das ganze Gerät ist ein gigantischer Staub- und Fingerabdruckmagnet. Wenn Sie noch nie in Ihrem Leben Schweiss an den Händen hatten, ist das kein Problem. Ansonsten fühlt sich das Galaxy S7 schnell etwas unappetitlich an und muss geputzt werden. Im Gegensatz dazu perlt Wasser direkt vom Smartphone ab. Das Galaxy S7 ist wasserdicht bis 1,5 Meter während 30 Minuten.

Auf der Front sieht man keinen Unterschied zum Vorgänger Auf der Front sieht man keinen Unterschied zum Vorgänger Zoom© ldig / PCtipp

Die optisch grösste Veränderung zum Vorgänger sind die leicht abgerundeten Kanten auf der Rückseite des Geräts. Diese sind auch beim regulären Galaxy S7 vorhanden, nicht nur bei der Edge-Version. Besonders schön ist dabei der Lichteffekt, der auf der Rückseite des Galaxy S7 entsteht. Durch die leichte Krümmung auf der Rückseite reflektieren Lichtquellen als schmale Linien, die sich mit dem Smartphone mitbewegen. Ebenfalls auf der Rückseite sticht die Kamera heraus, respektive eben weniger. Die Kamera liegt neu etwas tiefer im Gehäuse verbaut und ragt weniger stark heraus. Das liegt zum Teil auch daran, dass das Galaxy S7 etwas dicker ist als das S6, was sich auch in der Akkulaufzeit bemerkbar macht. Dazu später mehr.

Schöne Lichteffekte auf der Rückseite des schwarzen S7 Schöne Lichteffekte auf der Rückseite des schwarzen S7 Zoom© ldig / PCtipp

Wie bisher sind die Tasten angeordnet. Ein/Aus auf der rechten Seite, Lautstärke links und unter dem Display der physische Home-Button mit Fingerabdrucksensor und die beiden Touch-Buttons direkt daneben. Keine Änderungen gibt es auch auf der Unterseite des Galaxy S7. Es bleiben ein kleiner Lautsprecher, ein Klinkenanschluss für Kopfhörer und ein USB-MicroB-Anschluss zum Aufladen und Anschliessen an einen Rechner. Samsung verzichtet beim Galaxy S7 noch auf USB Type-C, hauptsächlich, weil GearVR noch MicroB verwendet. Gut möglich, dass Samsung wegen GearVR noch eine Weile am alten Stecker festhält.

Der SD-Kartenslot ist zurück, und das ist gut so! Der SD-Kartenslot ist zurück, und das ist gut so! Zoom© ldig / PCtipp

Eine willkommene Neuerung findet man hingegen auf der Oberseite des Geräts: ein Kartenslot für microSD-Karten. Damit lässt sich der Speicher des Galaxy S7 um bis zu 200 GB erweitern. Das erklärt auch die fehlende 128-GB-Variante, die somit unnötig wird.

Auf der nächsten Seite: Leistung und Akkulaufzeit

Leistung

Beginnen wir mit einem Highlight des Galaxy S7: Das Display ist erneut stark. Samsung packt eine Auflösung von 1440 x 2560 auf die 5,1 Zoll des S7 und trifft damit den aktuell wohl idealen Kompromiss zwischen Grösse, Auflösung und Akkuverbrauch. Hell und kräftig strahlen die Farben auf dem Display. Samsung setzt hier nicht auf realistische Farben oder optische Zurückhaltung, sondern geht All-in mit visuellem Zucker. Keine schlechte Wahr für ein reines Konsumgerät, wie es ein Smartphone ist.

Das Galaxy S7 ist nicht nur schön, sondern auch schnell Das Galaxy S7 ist nicht nur schön, sondern auch schnell Zoom© ldig / PCtipp

Der Antrieb dahinter ist auch nicht von schlechten Eltern. Samsung nutzt je nach Region seinen neuen Exynos-Prozessor oder den Qualcomm Snapdragon 820. In der Schweiz wird die Exynos-Variante zum Einsatz kommen. In Benchmark-Tests macht sich die zusätzliche Power klar bemerkbar: Das Galaxy S7 nähert sich den Testwerten des HTC-Tablets Nexus 9 bedrohlich an. Im Geekbench 3 erreicht das S7 einen Single-CPU-Wert von 1737, im Multi-CPU-Test 5422 und lässt somit das S6 deutlich hinter sich. Allerdings müssen Benchmark-Werte stets mit ein wenig Vorsicht genossen werden. Spätestens, seitdem praktisch jeder Smartphone-Hersteller zugegeben hat, seine Geräte für Benchmarks zu optimieren, sind die Werte etwas weniger aussagekräftig, als man denkt, und für den Alltagsgebrauch nicht wirklich repräsentativ. Eine grobe Richtungsangabe geben sie jedoch schon und so wie unser Testgerät über die vergangenen Tage performt hat, kommen kaum Zweifel über die Leistungsfähigkeit des S7 auf.

Exynos und die dazugehörigen 4 GB RAM beschleunigen das Galaxy S7 auf Höchsttempi. Auch in komplexeren VR-Apps bleibt das S7 unbeeindruckt. Die eingebaute Wasserkühlung scheint ebenfalls zu wirken. Ob die beeindruckende Grafikqualität von der Gerätepräsentation tatsächlich erreicht werden kann, muss sich noch zeigen. Dazu fehlt es noch an Apps, die das neue Grafik-API Vulkan nutzen. Einen Grafiksprung kann man jedoch für das Galaxy S7 und andere Geräte erwarten. Die Frage lautet eher: Wie gross wird der Sprung?

Samsung bleibt noch bei USB microB, hauptsächlich wegen GearVR Samsung bleibt noch bei USB microB, hauptsächlich wegen GearVR Zoom© ldig / PCtipp

Zwar wird auch das Galaxy S7 bei starker Nutzung ordentlich warm, allerdings längst nicht so heiss wie andere Geräte aus ähnlichen Materialien. Zudem verteilt sich die Wärme gut über das gesamte Gerät ,statt einen ultraheissen Hotspot in einer Ecke zu kreieren.

Ein grosser Kritikpunkt am Galaxy S6 war die mässige Akkulaufzeit. Ohne wechselbaren Akku störten sich viele Nutzer an der mangelnden Ausdauer des damaligen Flaggschiffe. Glücklicherweise hat Samsung hier nachgebessert. Auf Kosten eines etwas dickeren Geräts wurde die Akkukapazität von 2550 mAh auf 3000 mAh erhöht. In unserem Test macht sich das direkt bemerkbar. Das Galaxy S7 hält starke 9 Stunden 45 Minuten durch. Ist der Akku mal leer, lässt er sich auch schnell wieder aufladen. Rund 90 Minuten braucht das S7 von 0 auf 100. 80 Prozent davon schafft es in der ersten Stunde.

Wenig zu sagen gibt es zum Klang des Galaxy S7. Die eingebauten Lautsprecher sind handytypisch schlecht. Bluetooth-Lautsprecher und/oder gute Kopfhörer sind empfehlenswert.

Auf der nächsten Seite: Interface und Software

Interface und Software

Wie schon beim Display werden hier Fans von Pastelltönen enttäuscht. Samsungs TouchWiz-Interface ist knallig bunt und springt dem Nutzer direkt ins Gesicht. Während sich die meisten Android-Hersteller langsam, aber sicher an Googles Material-Design angleichen, bleibt Samsung strikt auf seinem eigenen Pfad. TouchWiz hat sich zwar den einen oder anderen Kniff von Google abgeschaut, insgesamt bleibt das Interface jedoch eigen. Rein von der Bedienung her braucht es keine allzu grosse Umgewöhnung von einem anderen Android-Gerät her. Die üblichen Elemente sind identisch: Apps sind an einem zentralen Ort gelagert und der Home Screen erweitert sich nach rechts hin. Links von Home setzt Samsung weiterhin auf Flipboard als News-Quelle, ähnlich wie HTC mit dem Blinkfeed oder Google mit Now. Samsung nennt den Dienst Briefing, der auf Wunsch auch ausgeschaltet werden kann.

TouchWiz hat sich kaum verändert, funktioniert aber okay TouchWiz hat sich kaum verändert, funktioniert aber okay Zoom© ldig / PCtipp

Ebenfalls ähnlich wie bei Google ist der zweiteilige Infobalken, der von oben hinuntergewischt wird. Mit einer ersten Wischbewegung sieht man Benachrichtigungen und einige Einstellungen. Eine zweite Wischbewegung zeigt noch mehr Einstellungsmöglichkeiten, die personalisiert werden können. Die grössten Unterscheide beim Interface des Galaxy S7 liegen also in der Darstellung und Positionierung der Icons.

Wie üblich bei Samsung ist bereits vieles vorinstalliert. Insgesamt 65 Apps sind beim ersten Start des S7 auf dem Gerät. Leider kann die Mehrheit dieser Apps nicht deinstalliert werden. Das gilt auch für einige Apps, die klar nicht mehr zum Standardumfang des Betriebssystems gehören. Beispiele dafür sind Microsoft Office, Facebook und Instagram. Ansonsten sind es die üblichen Verdächtigen wie die wichtigsten Google-Dienste und spezifisch bei Samsung-Geräten die Fülle an Samsung-Apps. Die meisten davon sind mehr oder weniger sinnvoll, wenn auch redundant mit den Google-Diensten. Es gibt beispielsweise keinen Grund, den Samsung-Browser Chrome vorzuziehen.

Leider sind auf dem S7 viele Apps vorinstalliert und können nicht deinstalliert werden Leider sind auf dem S7 viele Apps vorinstalliert und können nicht deinstalliert werden Zoom© ldig / PCtipp

Neu ist zudem das Always-on-Display. Dabei zeigt das Display auch im ausgeschalteten Zustand Datum, Uhrzeit und Akkuladestand an. Weitere Infos wie Kalendereinträge können ebenfalls angezeigt werden. Laut Samsung soll der Akkuverbrauch der Funktion bei rund 2 Prozent pro Tag liegen und somit kaum ins Gewicht fallen. Fast irritierender ist jedoch, dass sich die Uhranzeige bewegt. Lässt man also das Smartphone auf dem Tisch liegen und widmet sich einer Arbeit am PC, bewegt sich alle paar Sekunden die Displayanzeige des S7, was irritieren kann. Gerade, wenn man sich gewöhnt ist, auf Benachrichtigungs-LEDs zu reagieren, bringt einen das Galaxy S7 regelmässig dazu, auf das Display zu schielen, obwohl dort gar nichts ist.

Auf der nächsten Seite: Kamera und Fazit

Kamera

Samsung hat in den vergangenen Jahren seinen Fokus auf die Kamera der High-End-Geräte gelegt und die Technologie entsprechend stark verbessert. Auch das Galaxy S7 kann in diesem Bereich fast vollständig überzeugen. Eindrucksvoll ist vor allem die technische Leistung der Kamera. Die App läuft schnell, flüssig und schiesst Bilder in beeindruckendem Tempo. Zudem bietet die Kamera alles, was man von einer aktuellen Smartphone-Kamera erwarten kann. Darunter beispielsweise Zeitlupe mit 240 FPS in 720p, Panoramen und Gesichtserkennung.

Neu weniger abstehend: die Kamera des Galaxy S7 Neu weniger abstehend: die Kamera des Galaxy S7 Zoom© ldig / PCtipp

Bei gutem Licht überzeugt auch der Autofokus. Besonders die Auto-Follow-Funktion ist interessant. Dort folgt der Autofokus einem angetippten Punkt im Bildausschnitt und berechnet voraus, wo sich das Subjekt wahrscheinlich hinbewegen wird. Bei klaren Lichtverhältnissen funktioniert das im Test ausgezeichnet. Mit Gegenlicht ist der Fokus jedoch bereits überfordert.

Bei regulären Fotos funktioniert der Autofokus sehr schnell und zuverlässig. Bei schlechtem Licht zwar weniger gut, aber für ein Smartphone absolut ausreichend.

Bei der Bildqualität ist das Galaxy S7 etwas wechselhaft. Bei schlechtem Licht überzeugt das S7 und kann sich klar von der Konkurrenz abheben. Allerdings zeigt die 12-Mpx-Kamera bei guten Bedingungen Schwächen. Gegenüber den Spitzenkonkurrenten wie dem Nexus 5X/6P oder dem Sony Xperia Z5 Premium fehlt es Samsung an Details und die Software übertreibt es mit der Sättigung und dem Kontrast etwas gar stark. Gerade dunklere Bereiche wirken verwaschen.

Die Kamera des S7 ist technisch beeindruckend, zeigt aber bei guten Bedingungen leichte Schwächen Die Kamera des S7 ist technisch beeindruckend, zeigt aber bei guten Bedingungen leichte Schwächen Zoom© ldig / PCtipp Hier der gleiche Bildausschnitt von einem Nexus 5X Hier der gleiche Bildausschnitt von einem Nexus 5X Zoom© ldig / PCtipp

Relevant ist das vor allem, wenn man seine Fotos auf einen grösseren Bildschirm übertragen möchte. Auf dem kleinen 5,1-Zoll-Display des S7 fallen diese Qualitätsunterschiede nur wenig auf. Falls Sie also rein für die Smartphone-Galerie knipsen, können Sie diesen Punkt getrost ignorieren, schliesslich sehen auf dem hellen und farbkräftigen Samsung-Display praktisch alle Fotos gut aus.

Fazit

Samsung hat mit dem Galaxy S7 viel verbessert. Die grossen Innovationen bleiben zwar aus, aber die verbesserte Akkulaufzeit, schnellere Kamera und zurückkehrende Elemente wie der microSD-Kartenslot und das wasserdichte Gehäuse machen das S7 zu einem klar besseren Smartphone als das S6 und zu einem der besten Smartphones derzeit. Ob das genug für einen Wechsel ist, entscheidet wohl das Portemonnaie, denn günstig ist das S7 leider nicht.

Das Samsung Galaxy S7 erscheint in der Schweiz am 11. März und kostet rund 700 Franken mit 32 GB. Versionen mit 64 GB sind hierzulande nicht erhältlich.

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