Firmenlink

 

Test: Apple Watch 2

Mit der Apple Watch «Series 2» räumt Apple (fast) alle Vorbehalte aus.

von Klaus Zellweger 11.11.2016

Prolog

In den vielen Jahren als Redaktor ist mir kein Gerät wie die Apple Watch untergekommen. Ich trage meine seit dem ersten Verkaufstag – zuerst skeptisch, dann mit schnell wachsender Begeisterung. Heute würde ich den kleinen Computer am Handgelenk nicht mehr missen wollen.

Doch das ist nur eine Hälfte der Geschichte, und die banale noch dazu. Denn bei jedem Gespräch über die Apple Watch werde ich irgendwann mit dieser einen, verzwickten Frage konfrontiert, die mich bis heute sprach- und ratlos macht: «Wozu brauche ich die?»

Die Frage hat es in sich. Bereits der Funktionsumfang ab Werk ist enorm, von den unzähligen Apps im Store ganz zu schweigen. Doch «wozu die Apple Watch gut ist», muss jeder für sich entdecken; es gibt nur wenig Hilfe von aussen. Während die Vorzüge von Kameras, Computern, Toastern und anderen Strom-Junkies leicht zu beschreiben sind, windet sich die Apple Watch bei jedem Versuch wie ein glitschiger Aal aus meinen Händen. So auch bei dieser Einleitung.

Apple Watch, Series 2 Apple Watch, Series 2 Zoom© Apple, Inc.

Einige sehen in der Apple Watch einen Fitnesstracker. Andere eine Kamerafernsteuerung, einen Lichtschalter, eine Nachrichtenzentrale, eine Kreditkarte oder was auch immer. Nur selten decken sich zwei Anforderungsprofile. Ich verwende die Apple Watch zwar für viele Dinge, aber die Kernanwendungen sind profan: Benachrichtigungen, Timer, E-Mails, Freisprecheinrichtung und natürlich Apple Pay. Das klingt nach wenig; doch, was die Apple Watch so besonders macht, ist die Eleganz und Leichtigkeit, mit der diese Dienste förmlich auf dem Tablett serviert werden – Häppchen für Häppchen.

Funktioniert ausgezeichnet: die Apple Watch als Freisprecheinrichtung Funktioniert ausgezeichnet: die Apple Watch als Freisprecheinrichtung Zoom© ze / PCtipp

Und selbst diese einfachen Dienste provozieren die unvermeidliche Antithese: «Ich will nicht ständig erreichbar sein!». Dabei bewahrt mich die Apple Watch genau vor diesem Schicksal. Denn wenn eine E-Mail eingeht, muss ich nicht mehr auf dem iPhone nachsehen. Stattdessen reicht eine minimalistische Drehung mit dem Handgelenk, um zu prüfen, ob sie eine genauere Betrachtung wert ist. (Meistens ist sie es nicht.) Das iPhone bleibt in der Tasche. Und in den Ferien wird die Synchronisierung zwischen Apple Watch und E-Mail-Client einfach abgeschaltet, damit wirklich Ruhe herrscht.

Die Erinnerungen an Aufgaben und Termine werden auf ein dezentes Klopfen am Handgelenk reduziert, das niemand stört. Wenn in der lärmigsten Strasse ein Anruf eingeht, wird dieser nicht mehr überhört, weil mich die Apple Watch anstupst. Und so weiter. Die Apple Watch wirkt wie ein persönlicher Diener, der einem die Informationen nachträgt oder sie unterdrückt – gerade so, wie es seinem Herrn in den Kram passt.

Nur für iPhones

Obwohl es sich herumgesprochen hat, sei es der Vollständigkeit halber erwähnt: Die Apple Watch funktioniert nur mit einem iPhone 5 oder neuer. Für Android-Anwender ist die Apple Watch hingegen so nützlich wie eine Plastikuhr, die aus einem Kaugummiautomaten gezogen wurde.

Und jetzt wird es Zeit für die nüchternen Fakten.

Gehäuse und Display

Mit der Apple Watch Series 2 behält Apple den eingeschlagenen Kurs bei – zumindest beim Design. Das Gehäuse ist einen Millimeter höher geworden, doch davon abgesehen sind die beiden Generationen kaum zu unterscheiden.

Das ändert sich, sobald die «alte» und die neue Generation nebeneinanderliegen: Die Series 2 leuchtet mit 1000 Nits doppelt so hell. Davon ist in Räumen wenig zu sehen, weil die Helligkeit automatisch heruntergeregelt wird. Doch im Sonnenlicht liegen zwischen den beiden Modellen Welten: Die Strahlkraft des neuen Displays übertrifft den Vorgänger deutlich und erlaubt zu jeder Zeit eine komfortable Ablesung:

Der Unterschied zwischen den beiden Displays ist schwer zu übersehen Der Unterschied zwischen den beiden Displays ist schwer zu übersehen Zoom© ze / PCtipp

Tempo und watchOS 3

Der neue S2-Prozessor arbeitet rund 50 Prozent schneller als der Vorgänger: Apps öffnen sich nahezu augenblicklich und die Oberfläche zeigt sich durchs Band reaktionsfreudig.

Allerdings ist dieser Temposchub nicht nur der neuen Hardware geschuldet. Das Update auf watchOS 3 sorgte bereits bei der Series 1 für eine deftige Motivationsspritze, sodass sich das Urmodell wie ausgewechselt anfühlt – und das im besten Sinn des Wortes. watchOS 3 wirft aber auch verschiedene Bedienkonzepte über den Haufen, die mit der ersten Apple Watch eingeführt wurden; selbst gestandene Anwender müssen in einigen Bereichen umlernen.

So zeigt ein Druck auf die Seitentaste nicht mehr die wichtigsten Kontakte, sondern das neue Dock. Es listet die zuletzt verwendeten Apps auf. Noch besser: Wichtige Apps von Drittanbietern lassen sich «festpinnen», damit sie die Daten im Hintergrund aktualisieren und so noch schneller die gewünschten Informationen liefern. Andere Funktionen wie Time Travel wurden in ihrer Bedeutung herabgestuft und sind auf den ersten Blick verschwunden. Doch was vermeintlich weggenommen wurde, lässt sich in den Einstellungen reaktivieren, im Fall von Time Travel in der Apple-Watch-App auf dem iPhone in der Einstellung Uhr.

Viele Kanten wurden geschliffen, aber das bedingt auch ein Umlernen Viele Kanten wurden geschliffen, aber das bedingt auch ein Umlernen Zoom© Screenshot / PCtipp

Beim unverzichtbaren Timer werden jetzt populäre Zeiten wie die Viertelstunde mit einem Tippen gestartet. Die Auswahl der Zifferblätter ist deutlich gewachsen, neue Kombinationen werden bequem am iPhone zusammengestellt. Die App Training wurde um Workouts für Rollstuhlfahrer erweitert. Und so weiter. Kurz, die Apple Watch fühlt sich heute sehr viel erwachsener an als bei ihrer Vorstellung vor zwei Jahren.

Die Zifferblätter lassen sich auf unzählige Arten neu zusammenstellen Die Zifferblätter lassen sich auf unzählige Arten neu zusammenstellen Zoom© Screenshot / PCtipp

GPS inklusive

Mit dem integrierten GPS-Modul beseitigt Apple einen der grössten Kritikpunkte der Series 1. Das iPhone muss nicht länger dabei sein, um beim Sport in der freien Natur die Strecke aufzuzeichnen. Dabei wird nicht nur das GPS-Signal hinzugezogen, sondern auch die Positionsdaten der bekannten Wi-Fi-Netze und sogar lokal gespeicherte Informationen. Allerdings ist die GPS-Auswertung der Apple Watch kein Selbstläufer, sondern muss von den App-Entwicklern durch ein Update unterstützt werden.

Wasserdicht

Die Apple Watch übersteht jetzt Wassertiefen von bis zu 50 Metern. Die integrierte Training-App umfasst deshalb die neuen Kategorien Freiwasser und Beckenschwimmen. Beim Schwimmen erkennt die Apple Watch die Anzahl der Runden, den Schwimmstil und die zurückgelegte Distanz. Die Zeit wird natürlich ebenfalls gemessen. Alle diesen Daten bilden die Grundlage, um den Kalorienverbrauch zu berechnen.

Das Display wird im Wasser automatisch gesperrt, um Fehleingaben oder ein unerwünschtes Verhalten durch den Wasserdruck zu vermeiden. Zurück an Land, sorgt ein Drehen der Krone dafür, dass diese Sperre aufgehoben wird. Gleichzeitig spuckt der Lautsprecher das angesammelte Wasser mit einer Tonfolge aus dem Gehäuse aus.

Für Schwimmer gibt es neue Workouts (links); das eingedrungene Wasser kann auch manuell mit einem Tippen auf den Wassertropfen aus dem Lautsprecher gepustet werden Für Schwimmer gibt es neue Workouts (links); das eingedrungene Wasser kann auch manuell mit einem Tippen auf den Wassertropfen aus dem Lautsprecher gepustet werden Zoom© Screenshot / PCtipp

Nächste Seite: WLAN-Ärger, Akku, Apple Pay und Fazit

Seite 1 von 2
       
       

    Kommentare

    Keine Kommentare

    Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.