Die sicheren Browser-Alternativen

Mit erhöhtem Schutz der Privatsphäre im Web unterwegs zu sein, ist das Anliegen vieler Surfer. Das Unterfangen scheitert oft schon am Browser – dies sind die sicheren Alternativen.

von Jens Stark 19.07.2018

Das Surfen im Web beeinträchtigt die Privatsphäre: Cookies erforschen das Verhalten der Internauten, Tracker verfolgen die Surfer auf ihren Surftouren quer durchs Netz. Hinzu kommen Internetunternehmen wie Facebook und Google, deren Geschäftsmodell darauf beruht, so viele Daten wie möglich über die Anwender ihrer Dienste zu sammeln. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich vor der Schnüffeltätigkeit im Netz zu schützen. Eine davon ist es, den Browser in einem Modus zu öffnen, bei dem keine Daten über die aktuelle Surftour gesammelt werden. Je nach Websurfbrett heisst das anders, Inkognito-Fenster öffnen bei Google Chrome, Private Browsing bei Mozilla Firefox, InPrivate-Browsen bei Microsoft Edge oder privater Surfmodus bei Apples Safari.

Eine weitere Methode, um vor allem den Trackern Einhalt zu gebieten, ist es, Add-on-Programme wie PrivacyBadger, Noscript oder Ghostery zu verwenden. Doch diese müssen sich die User erst zusammensuchen und installieren. Wäre es da nicht schön, wenn der Browser schon vom Start weg um die Privatsphäre des Surfers bemüht wäre, ohne dass dieser erst mühsam Einstellungen vornehmen oder Zusatzprogrämmchen installieren müsste? Ja, so etwas gibt es bereits, und zwar sowohl für das Smartphone als auch für den Desktop. Computerworld stellt hier vier dieser Surfbretter für Privacy-Bewusste vor.

Epic

Sehr praktisch ist die eingebaute Proxy/VPN-Funktion. So kann man auch einmal als Kanadier im Web unterwegs sein Sehr praktisch ist die eingebaute Proxy/VPN-Funktion. So kann man auch einmal als Kanadier im Web unterwegs sein Zoom© Epic

Ein solcher auf maximale Privacy bedachter Browser ist Epic von Hidden Reflex. Das ursprünglich in Indien entwickelte Webansichtsprogramm basiert auf Chromium, dem hauptsächlich von Google betreuten Open-Source-Browser-Projekt, auf dem beispielsweise auch das norwegische Surfbrett Opera basiert. Epic ist in Versionen für Windows und macOS verfügbar.

Und so schützt Epic die Privatsphäre der Anwender: Zunächst einmal kennt der Browser nur den zuvor erwähnten privaten Surfmodus. Beendet man also mit Epic die Surftour, so werden automatisch alle Cookies, der Verlauf und alle Inhalte im Browser-Zwischenspeicher gelöscht.

Daneben werden alle Suchabfragen – sei es bei Google, Bing oder Duckduckgo – durch einen speziellen, im Browser implementierten VPN-Kanal (virtuelles, privates Netzwerk) geschickt. Dadurch wird verhindert, dass die Suchmaschine die wirkliche IP-Adresse des Benutzers erfährt und dadurch diesen auch nicht anhand der Internetnummer auf seinem Weg durchs Netz verfolgen kann.

Diese Proxy-/VPN-Funktion kann auch für den Besuch anderer Webseiten verwendet werden. In einem entsprechenden Auswahlmenü kann man wählen, ob man als US-Amerikaner, Kanadier, Brite, Deutscher, Franzose, Holländer, Inder oder Singapurer im Web unterwegs sein will.

Schliesslich hat Hidden Reflex in Epic eine Reihe von Anti-Tracking-Funktionen verbaut. Werbung wird konsequent ausgeblendet. Cookies von Dritten werden blockiert und an die besuchte Webseite wird die Bitte geschickt, einen nicht zu tracken. Werden dennoch Tracking-Versuche unternommen, kommen diverse Anti-Tracking-Methoden zum Einsatz. So werden Scripts sowie weitere Verfahren, um einen Fingerabdruck des Surfverhaltens des Anwenders zu erstellen, unterbunden.

Auch sogenannte «Referrer Daten» im Header, die darauf hinweisen, von welcher Seite ein Benutzer auf die aktuelle Webseite verwiesen wurde, werden nicht weitergegeben. Zu guter Letzt gibt sich Epic den besuchten Webseiten als veralteter Chrome-Browser zu erkennen, verwendet also auch hier eine Verschleierungstaktik und hält gwundrige Webseitenbetreiber zum Narren.

Bei einer ersten Surftour fiel auf, dass viele Seiten wesentlich schneller geladen werden. Nachteile gibt es mit Epic aber auch. So  werden die meisten Browser-Add-ons blockiert. Wer also solche für den Ausflug ins Netz benötigt, hat das Nachsehen. «Add-ons stellen ein grosses Sicherheits- und Privacy-Risiko dar», argumentieren die Epic-Hersteller in den FAQ des Browsers. Immerhin: Ein paar beliebte Add-ons wie jene des Passwort-Managers LastPass, dem Evernote-Zusatz Web Clipper sowie Pocket und Xmarks zur Synchronisation von Bookmarks werden zugelassen.

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