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E-Sports: Welche Tastatur passt zu mir?

Die Welt der Gaming-Peripherie ist verworren und voller Marketingausdrücke. Wir helfen durch das Labyrinth. Dieses Mal mit der Tastatur.

von Luca Diggelmann 19.12.2016

Beim Gaming ist die Tastatur wie in der Rockmusik der Bass: Sie fällt nicht besonders auf, aber macht einen grossen Unterschied. Anders als bei der für Shooter unumgänglichen High-End-Maus oder dem essenziellen 144-Hz-Monitor kann man als E-Sportler auch mit einer günstigen Tastatur ordentlich durchkommen. Allerdings macht man es sich unnötig schwer. Für relativ wenig Geld gibt es bereits ausgezeichnete (mechanische) Tastaturen erprobter Hersteller, mit denen man vergisst, dass man sie bedient. Und genau dann ist eine Tastatur perfekt.

In der folgenden Tabelle sehen Sie ein paar ausgewählte aktuelle Modelle:

Hersteller
Modell
Marktpreis

Switches
Layout
Beleuchtung

Medientasten
Lautstärkeregelung
Makrotasten

Anschluss
HUB-Funktionen
Handauflage

Corsair
Strafe RGB

Fr. 130.–

Brown oder Red
CH
RGB

über FN
über FN
Keine

USB
Keine
Ja, fix

Corsair
K70 Rapidfire RGB

Fr. 188.–

Speed
CH
RGB

Dediziert
Rad
Keine

USB
1x USB
Ja, fix

Logitech
G810

Fr. 179.–

Romer-G
CH
RGB

Dediziert
Rad
Keine

USB
Keine
Keine

Logitech
G610

Fr. 125.–

Brown
CH
Weiss

Dediziert
Rad
Keine

USB
Keine
Keine

Razer
BlackWidow Chroma

Fr. 169.–

Razer Green
CH
RGB

über FN
über FN
5

USB
Keine
Keine

DasKeyboard
4 Ultimate

Fr. 189.–

Blue / Brown
Irrelevant
Keine

Dediziert
Rad
Keine

USB
2 x USB
Keine

Switches

Mechanische Switches sind für Gamer und Vielschreiber ideal Mechanische Switches sind für Gamer und Vielschreiber ideal Zoom Der mit Abstand wichtigste Faktor einer Tastatur sind die Switches. Die meisten Tastaturen im Umlauf verwenden Membrantechnologie. Dabei wird die Taste auf eine Membran gedrückt, unter der sich ein Schalter befindet. Erreicht die Taste den Schalter, wird die Eingabe ausgelöst. Gaming-Tastaturen sind hingegen meistens mechanisch. Jede Taste verfügt über einen eigenen Schalter, der separat ausgelöst wird. Gegenüber Membrantastaturen haben mechanische Modelle viele Vorteile, aber auch ein paar Nachteile.

Mechanische Tastaturen bieten mehr Möglichkeiten, das passende Tippgefühl zu finden. Diverse Bauformen fühlen sich unterschiedlich an und sind für verschiedene Anwendungen optimiert. Besonders Vielschreiber und Gamer schwören auf spezialisierte Modelle, die ihren Bedürfnissen besser gerecht werden. Mechanische Tasten sind zudem robuster und halten im Schnitt länger.

Die beiden grössten Nachteile mechanischer Tastaturen sind die Grösse und die Lautstärke der Switches. Mechanische Schalter brauchen mehr Platz, wodurch sie für Laptops und schlanke Tastaturen unbrauchbar werden. Fürs Schreiben im Zug wären die Switches wohl sowieso zu laut. Wer Blue Switches ins Grossraumbüro nimmt, wird sich auch eher keine Freunde machen.

Diese Switches gibt es

Marktführend in Sachen Switches ist der deutsche Hersteller Cherry mit seinen farbcodierten MX-Switches. Das so sehr, dass praktisch alle anderen Anbieter mit Cherry verglichen werden, weil diese nun einmal weitaus bekannter sind. Grundsätzlich lassen sich die Switches in drei Typen unterscheiden. Es gibt lineare, taktile und klickende Switches. Diese werden dann in verschiedene Stärken unterteilt. Bei den taktilen Switches sind das beispielsweise die Browns, die wenig Druckkraft benötigen, die Clears, die durchschnittlich viel Druck zur Aktivierung brauchen und die Whites, die eher streng zu bedienen sind. Hier eine Übersicht:

Cherry MX

Linear

Taktil

Klickend

Weich

Red

Brown

Blue

Mittel

Black

Clear

-

Hart

Grey

White

Green

Linear, taktil oder klickend

Die drei Archetypen der Switches entscheiden das haptische Feedback der Taste. Alle drei Typen funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Der Hauptteil des Switches wird auf einer Feder nach unten gedrückt und passiert dabei eine Art Haken. Dieser erzeugt den gewünschten Widerstand, den die Taste haben soll und sorgt auch für das taktile Gefühl. Ein linearer Switch ist auf der Seite schräg. Der Haken rutscht also ganz einfach darüber hinweg. Es gibt kein Klicken, nichts. Bei einem klickenden Switch befindet sich in der Seite des Switches ein kleiner Höcker, der abrupt endet. Das erhöht zunächst den Widerstand des Switches erheblich. Sobald der Haken an der Spitze des Höckers angelangt ist, löst sich der Druck. Es klickt hör- und spürbar. Taktile Switches sind ein Kompromiss zwischen linear und klickend. Der Höcker ist dabei kleiner und runder. Das ergibt ein leichtes Holpern, aber kein lautes Klicken. Diese Website veranschaulicht den Vorgang sehr schön.

Die Razer BlackWidow Chroma verwendet klickende Switches Die Razer BlackWidow Chroma verwendet klickende Switches Zoom© Razer

Grundsätzlich sind lineare Switches am ehesten für Gamer entwickelt, da sie theoretisch schneller gedrückt werden können. Das taktile Feedback ist aber auch sehr beliebt, was taktile und sogar klickende Switches für Gamer attraktiv macht, obwohl Letztere eigentlich vor allem für Schreiber entwickelt wurden. Im Endeffekt ist es hauptsächlich Geschmackssache. Spezialisierte Switches wie Razer Green (vergleichbar mit MX Green) oder Logitechs Romer-G (vergleichbar mit MX Brown) sind auch gute Alternativen.

Druckstärke

Neben dem taktilen Feedback ist die Druckstärke der wichtigste Faktor bei der Wahl der richtigen Switches. Der Widerstand der Tasten macht einen gewaltigen Unterschied bei der Bedienung. Wichtig sind vor allem drei Werte: der Anfangswiderstand, der Auslösewiderstand und der maximale Widerstand beim Druckpunkt.

Der Anfangswiderstand misst, wie stark man eine Taste drücken muss, damit sie sich bewegt. Der Auslösewiderstand misst die Kraft, die am Punkt der Auslösung benötigt wird. Das ist vor allem bei linearen Switches wichtig, wo der Widerstand linear ansteigt. Für klickende und taktile Switches ist zudem der maximale Wiederstand am Druckpunkt wichtig. Das ist die benötigte Kraft, um den Höcker vor der Auslösung zu passieren. Dieser Wert ist normalerweise leicht höher als die Kraft bei der Auslösung selbst.

Fast alle Switches beginnen um 30 cN (centiNewton) Anfangswiderstand und steigern sich auf zwischen 45 und 80 cN bei der Auslösung. Der Maximalwiderstand für klickende und taktile Switches variiert zwischen 55 und 80 cN.

Für Gaming sind tendenziell weichere Switches beliebt. Beispielsweise die linearen MX Red (30 – 45 cN) oder die taktilen MX Brown (30 – 55 – 45 cN). Hier eine Übersicht dazu:

Switch

Anfangswiderstand

Druckpunkt

Auslösewiderstand

Red

30 cN

45 cN

Brown

30 cN

55 cN

45 cN

Blue

25 cN

60 cN

50 cN

Black

30 cN

60 cN

Clear

40 cN

65 cN

55 cN

Grey

30 cN

80 cN

White

30 cN

80 cN

70 cN

Green

25 cN

80 cN

70 cN

Speed/Silver

30 cN

45 cN

Unser Tipp: Probieren geht über studieren. Wer noch nie eine mechanische Tastatur bedient hat, sollte unbedingt eine ausprobieren. Im schlechtesten Fall ist es nichts Besonderes. Im besten Fall eine taktile Erleuchtung. Die Wahl der richtigen Switches ist grösstenteils Geschmackssache, auch wenn einige Switches für bestimmte Zwecke designed wurden, heisst das nicht, dass sie für andere Anwendungen unbrauchbar werden.

Layout

Beim Layout muss man vor allem etwas wissen: Es wird im Endeffekt von der Software bestimmt. Was auf der Tastatur geschrieben steht, bestimmt nicht, was der PC effektiv erhält. Es ist lediglich eine Hilfe für den Nutzer und spiegelt ein bestimmtes Layout. In der Schweiz sind zwei Layouts üblich: CH Deutsch und CH Französisch, das auch für italienisch verwendet wird. Der einzige Unterschied ist der Wechsel von ä, ö und ü mit à, é und è. Entsprechend wird bei der Hardware nicht zwischen CH Deutsch und CH Französisch unterschieden.

Ausserhalb der Schweiz unterscheiden sich die Layouts teilweise dramatisch. Das in Deutschland verwendete Layout platziert seine Sonderzeichen an komplett anderen Orten. Beim verbreiteten US-Layout ist es noch einmal anders. Deutschland hat zudem die seltene Eigenschaft, dass diverse Tasten eingedeutscht wurden. Aus «Ctrl» wird «Strg», aus «Shift» wird «Umschalt», aus «Enter» wird «Eingabe». Auch Tasten wie «Page up» oder «Home» wurden übersetzt.

Beim Das Keyboard 4 Ultimate fällt das Layout nicht wirklich ins Gewicht Beim Das Keyboard 4 Ultimate fällt das Layout nicht wirklich ins Gewicht Zoom© Das Keyboard

Für Gamer ist das erst einmal nicht besonders wichtig. Da die meisten unter uns sich das CH-Layout gewohnt sind, macht es Sinn, auch eine entsprechende Tastatur zu kaufen. Die meisten Modelle sind ohnehin in einer Schweizer Edition erhältlich. Wer das CH-Layout auswendig kennt, kann auch einfach eine Tastatur mit fremder Aufschrift kaufen und das Layout trotzdem auf Schweiz stellen. Dann stimmen Tastenbeschriftung und Eingabe zwar nicht mehr überein, aber das merkt man eh nur, wenn man auf die Tasten schaut. Sich an ein neues Layout zu gewöhnen, macht nur dann Sinn, wenn man dieses beispielsweise auch bei der Arbeit brauchen kann.

Fun Fact: Das deutschsprachige Meme, bei dem sarkastische Bestürzung durch viele aufeinanderfolgende Ausrufezeichen, durchsetzt mit Einsen geschrieben wird, funktioniert im Schweizer Tastenlayout eigentlich nicht!!!!!1!!!11!!!EINSELF!!. Die Einsen zwischen den Ausrufezeichen entstehen auf einer deutschen Tastatur, wenn die Shift-Taste nicht durchgehend gehalten wird, da «Shift + 1» = «!». In der Schweiz gäbe es entsprechend ein «¨». Eine Schande sowas!!!¨!!!¨¨!!.

Key-Rollover und Ghosting

Zwei häufige Ausdrücke aus der Tastaturwelt sind Key-Rollover und Ghosting. Beide haben eine technische Bedeutung und eine Marketingbedeutung.

Technisch gesehen handelt es sich beim Key-Rollover um die Zahl der Tasten, die man gleichzeitig drücken kann. Ein 3-Key-Rollover kann beispielsweise nur drei Tasten gleichzeitig gedrückt haben. Das reicht für «Ctrl + Alt + Del», aber nicht für «W + A + Shift + Tab», wie man es vielleicht beim Gaming drücken möchte. Ist die Anzahl der gleichzeitigen Tastendrucke unlimitiert, spricht man vom N-Key-Rollover, oder NKRO. Die meisten aktuellen Tastaturen bieten Key-Rollovers von über 10, was für durchschnittliche menschliche Hände ausreicht. Mehr dazu auch im nächsten Abschnitt «Anschlüsse».

Logitechs G610 und G810 verfügen über ein 26-Key-Rollover. Mehr als genug Logitechs G610 und G810 verfügen über ein 26-Key-Rollover. Mehr als genug Zoom© Logitech

Als Ghosting bezeichnet man einen Fehler, bei dem eine Tasteneingabe an den PC gesendet wird, obwohl man diese nicht gedrückt hat. Moderne Tastaturen können solche Falschmeldungen problemlos erkennen und filtern. Im Marketing wird «Anti-Ghosting» auch häufig als «hoher Key-Rollover» verwendet. Warum, wissen nur die verantwortlichen Personen. Vielleicht. Für Gamer reicht im Prinzip ein Key-Rollover von 6 und mehr. Da aber sowieso praktisch alle Gamer-Tastaturen über höhere Rollover verfügen, ist der Wert im Prinzip egal.

Anschlüsse

Heutzutage werden fast alle Tastaturen mit USB-Anschlüssen ausgeliefert. Die Vorteile des alten PS/2-Standards sind heute nicht mehr so ausgeprägt: N-Key-Rollover (NKRO) gibt es zwar über USB immer noch nicht wirklich, aber die Rollover-Werte sind locker genügend hoch, dass es keinen Unterschied mehr macht. Die neusten Logitech-Tastaturen verwenden beispielsweise einen 26-Key-Rollover. Es können also 26 Tasten gleichzeitig gedrückt werden. Wer mehr als das braucht, muss sich nach einem PS/2-Adapter umschauen. USB-Tastaturtreiber werden zudem von den meisten Betriebssystemen prioritär geladen. Die Zeiten, in denen ohne PS/2 im BIOS nichts ging, sind vorbei.

Einige Tastaturen bieten zudem eine USB-Hub und Anschlüsse für Headsets an. Das ist besonders dann praktisch, wenn der Desktop schlecht erreichbar ist, auch wenn die Übertragungsgeschwindigkeit nicht ganz so schnell ist wie bei einem direkten Anschluss. Für einen Bluetooth-Dongle oder Ähnliches reicht das alleweil.

Medien- und Makrotasten

Für Musikfans unerlässlich: Dedizierte Tasten für Musikprogramme wie Spotify. Pause, Play, Vor und Zurück sollten schon drinliegen. Eine Stummschalttaste und ein Lautstärkeregler sind für alle Nutzer praktisch. Einige Tastaturen bieten diese Funktionen leider nur als Zweitfunktion der F-Tasten an.

Neben den Switches die grösste Neuerung der K70: Medientasten Neben den Switches die grösste Neuerung der K70: Medientasten Zoom© Corsair

Glaub man Marketingabteilungen von vor ein paar Jahren sind Makrotasten für Gamer ein absolutes Muss. Je mehr Reihen von Extratasten neben der eigentlichen Tastatur, desto besser.

Fragt man hingegen Gamer, kümmert sich kaum jemand darum. Eine Tastatur hat in der Regel genügend Tasten für alle wichtigen Funktionen. Wer trotzdem mehr braucht, verwendet lieber einen Modifikator wie Shift oder Ctrl und die üblichen Tasten. Schliesslich sind die Makrotasten meistens nur schlecht erreichbar.

Für E-Sportler können die Makrotasten sogar ein Nachteil sein: Die Tastatur wird durch sie grösser, was beim begrenzten Platz an LAN-Turnieren nicht hilft. Glücklicherweise haben die meisten Hersteller mittlerweile diesen Irrtum erkannt und setzen nicht mehr auf überladene Monstertastaturen, sondern auch simple Qualität.

Weitere Extras

Wo sich die Hersteller jedoch immer noch etwas weit aus dem Fenster lehnen sind Extras wie RGB-Beleuchtung oder spezielle Gaming-Modi. Gerade bei Ersterem kann man sich über den Nutzen streiten. Ist es wirklich hilfreich, wenn meine Tastatur einen Regenbogen in Wellenform über meine Tasten strahlt? Wahrscheinlich nicht, sieht aber toll aus.

Gegen beleuchtete Tasten ist im Prinzip nichts einzuwenden. Wenn man schon einmal auf die Tastatur schaut, hilft es, wenn man die einzelnen Tasten hell erleuchtet schnell erkennt. Wenn man das noch in seiner Lieblingsfarbe machen kann, umso besser. Für gewisse Games kann es Sinn machen, wenn man bestimmte Tasten hervorheben kann. Auf Profiniveau schaut aber kaum noch jemand auf seine Tasten. Ergo: Wers mag, darf gerne weiterleuchten. Wer nicht, schaltet es einfach aus.

Weniger ist manchmal mehr ... Weniger ist manchmal mehr ... Zoom© Logitech

Gaming-Modi machen in der Regel zwei Dinge: potenziell störende Tasten deaktivieren und die Beleuchtung anpassen. Letzteres hatten wir schon, aber der erste Punkt macht durchaus Sinn: Wer im Vollbildmodus spielt und aus Versehen die Windows-Taste betätigt, wird aus dem Spiel gerissen. Das passiert zwar erfahrungsgemäss sehr selten, aber wenn, dann immer im dümmsten Moment.

Die Handablage ist ein aussterbendes Extra. Im Zuge der vereinfachten Designs fällt diese kleine Plastikplatte immer öfter weg. Wirklich nötig ist sie auch nicht. Wer ergonomisch korrekt sitzt und keine bestehenden Beschwerden hat, wird sich weder mit, noch ohne Ablage die Handgelenke kaputtmachen.

Fazit

Gute Switches. Alles andere ist Beilage.


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