AV-Test: Sind Kinder mit den Betriebssystem-Lösungen genügend geschützt?

Windows, MacOS, Android, iOS und Fire OS von Amazon: Jedes Betriebssystem bietet eine kostenfreie Möglichkeit zum Kinderschutz. Was taugen sie?

von Claudia Maag 07.12.2018

Das unabhängige Forschungsinstitut AV-Test hat geprüft, wie die Gefahrenlage am PC und an mobilen Geräten für Kinder aussieht. Angeschaut haben die AV-Forscher Windows und Mac sowie Android, iOS und Fire OS von Amazon auf mobilen Geräten. Jedes System bietet eine kostenfreie Möglichkeit zum Kinderschutz.

Im November-Test wurden geprüft: Windows 10, MacOS High Sierra, Android 8.0, iOS 12 und Fire OS von Amazon (angepasstes Android-System). Jedes System hat interne Funktionen, die Desktop-Systeme eine Zusatz-Software. Die genauen Produktnamen lauten: Microsoft Family Safety, Mac Parental Controls, Google Family Link, iOS Parental Controls und Kindle Fire Parental Controls.

Oft sind sie gleich aufgebaut: Eine Person oder ein Kind wird anhand ihres oder seines Alters im System definiert. Dadurch wird ein vorgefertigtes Profil geladen. Manchmal lässt sich dann an gewissen Punkten noch etwas fein-justieren. Eltern ohne Fachkenntnisse verlassen sich dann oft darauf, dass die Profil-Einstellungen das Kind schützen.

7 Gefahrenpunkte

AV-Test hat 7 Gefahrenpunkte definiert:

  1. Schutz vor Cyber-Mobbing
  2. Zugangskontrolle zu Erwachsenen-Inhalten
  3. Schutz privater Daten
  4. Kontrolle der Nutzungszeit von Geräten
  5. Schutz vor Online-Geldfallen
  6. Schutz vor sexuellen Online-Anfragen (Grooming)
  7. Gesicherte Privatsphäre

Die AV-Forscher haben die verschiedenen Tools und Zusatzpakete der Betriebssysteme untersucht und den genannten Punkten zugeordnet. Laut dem Bericht war das Labor erst zufrieden, wenn ein Punkt, auch durch mehrere Programmfunktionen, wirklich erfüllt wurde.

Wenig verlässlich, nur das Nötigste

Auf den ersten Blick seien die Experten in einigen Punkten zufrieden gewesen bei MacOS, mit einem Abstand gefolgt von Windows und iOS. Google mit Android erwies sich als kaum verlässlich; den Amazon-Schutz auf den Kindle nennen die AV-Test-Forscher «ein Schatten seiner selbst». «In den meisten Fällen funktioniert er schlicht nicht oder ist unbedienbar», so AV-Test. 

Einige Vorgaben würden die Systemanbieter zwar erfüllen und stünden somit in der Tabelle (s. Galerie) nicht schlecht da. Allerdings böten sie meist nur das Nötigste an. «Wie flach und meist glanzlos die Funktionen sind», wie es die Forscher bezeichnen, sehen Sie in den Erklärungen bei den einzelnen Gefahrenpunkten. Schauen Sie sich die Resultate in unserer Bildergalerie an.

Fazit

«Berichts- bzw. Reportfunktionen: Die Systeme bieten sie an, aber Inhalt und Informationsgehalt seien mehr als überschaubar. Beim Filtern von Webseiten lässt sich zwar Pornografie ausklammern, aber zum Beispiel Gewalt, Waffen und Glücksspiel bleibt hürdenfrei erreichbar. Beim wichtigsten Bereich für den Kinderschutz, dem Schutz vor sexuellen Online-Anfragen (Cyber-Grooming), versagen die Systeme auf voller Linie. Auch beim Schutz der persönlichen Daten sieht es nicht besser aus», kommen die AV-Test-Forscher zum Schluss.


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