Facebook bringt Werbung in den Messenger

Facebook öffnet seinen Messenger für Werbetreibende. Auf dem Web Summit in Lissabon präsentierte das Unternehmen eine entsprechende neue Funktion.

von Susanne Gillner, dpa 10.11.2016

Facebook macht Ernst mit dem Geldverdienen im Messenger, der mehr als 1 Milliarde Nutzer hat. Unternehmen können künftig im Newsfeed der Facebook-Mitglieder Anzeigen platzieren, die beim Anklicken eine Unterhaltung im Messenger starten. Der Kurzmitteilungsdienst biete die passende Plattform für direkte Kommunikation mit den Kunden, zeigte sich Messenger-Chef David Marcus auf der Internetkonferenz Web Summit in Lissabon überzeugt. Die neue Art der Anzeigen sei nun weltweit für alle Werbepartner verfügbar.

Unter den ersten Kunden für die neuen Anzeigen seien bekannte Marken wie Absolut Vodka. Die Getränkefirma biete auf diesem Weg Gutscheine für Gratis-Drinks an. In den USA könne in der selben Unterhaltung im Messenger auch ein Fahrdienst für den Heimweg gebucht werden.

Erster Schritt: Chatbots

Facebook kündigte bereits seit einiger Zeit an, dass mit der Interaktion zwischen Unternehmen und ihren Kunden im Messenger Geld verdient werden soll. Seit Frühjahr können Firmen Chatbots auf die Messenger-Plattform bringen, in denen Software eine Unterhaltung mit den Nutzern führt. Inzwischen seien rund 34'000 solcher Bots aktiv.

Am Anfang sei die Qualität vieler Chatbots schlecht gewesen. Inzwischen sei das Niveau viel höher, auch weil in den vergangenen Monaten ein Ökosystem für Entwickler aufgebaut werden konnte. Ein Erfolgsbeispiel seien 6 Millionen Interaktionen mit der Entwicklerfirma des Computerspiels Call of Duty innerhalb von 24 Stunden zum Start eines neuen Games. Nun solle die Suchfunktion verbessert werden: «Wir haben das Gefühl, dass es schliesslich genug Bots gibt, die ein gutes Erlebnis bieten», so Messenger-Chef David Marcus.

Gesponserte Messages

Damit die Messenger-Inbox nicht mit Werbenachrichten überflutet wird, gibt es die Regel, dass Entwickler die Nutzer nach einem Tag nicht mehr anschreiben können, wenn diese nicht reagieren. Jetzt bekommen sie zusätzlich die Möglichkeit, die Nutzer auch danach noch mit bezahlten Nachrichten anzuschreiben. Solche gesponserten Messages könnten aber komplett blockiert werden, betonte Marcus.

Facebook teste im Messenger auch die neue Funktion Rooms, in der Gruppen für Mitteilungen zu einzelnen Themen organisiert werden können, gab Marcus in Lissabon bekannt. Kurzmitteilungsdienste ersetzten den Austausch von Telefonnummern, betonte er. «Warum sollte ich heute jemandem eine Abfolge von Zahlen geben, wenn er mich einfach über meinen Namen finden kann?»

Mit dem Messenger und WhatsApp mit ebenfalls mehr als 1 Milliarde Nutzer hat das weltgrösste Online-Netzwerk eine besonders starke Position im Markt der Kurzmitteilungsdienste.


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