«Gates rief mich an»

Microsoft Schweiz wird dieses Jahr 30 Jahre alt. Die Niederlassung war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte, berichtet der erste Landesgeschäftsführer Peter A. C. Blum im Interview.

von Mark Schröder 15.07.2019
Peter A. C. Blum übernahm als erster General Manager die Leitung von Microsoft Schweiz Peter A. C. Blum übernahm als erster General Manager die Leitung von Microsoft Schweiz Zoom© Mark Schröder

Die Schweizer Niederlassung von Microsoft feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung war Peter A. C. Blum, der anschliessend auch als General Manager bei Microsoft Schweiz tätig war. Eine weitere treibende Kraft war Microsoft-Mitgründer Bill Gates, berichtet Blum im Interview mit unserer Schwesterzeitschrift Computerworld.

Computerworld: Wie kam es vor 30 Jahren zur Gründung der Schweizer Niederlassung von Microsoft?

Peter Blum: Ich war 1989 schon zehn Jahre im Schweizer Software-Markt tätig. Mit meiner Firma Computer-Terminal entwickelten wir Software für Banken und Unternehmen. Durch meine Tätigkeit in diesem Markt war ich aufmerksam auf Microsoft und ihre Produkte geworden. Mein ursprünglicher Plan war, meine Firma zum General-Distributor für die Schweiz zu entwickeln. Zu diesem Vorhaben verfasste ich ein 100-seitiges Vertriebskonzept. Das Dossier adressierte ich an Bill Gates, der mich rund eine Woche später anrief. Zunächst war ich perplex, denn er lud mich unumwunden nach Redmond ein. Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings in der Schweiz in Geschäfte involviert, sodass ich ihn noch weitere drei Monate warten liess. Dann reiste ich aber für das einstündige Gespräch nach Redmond. Letztendlich sprachen wir zuerst zwei Stunden über das Vertriebskonzept, was Gates sehr gut gefiel. Allerdings wollte er nicht nur einen Distributor verpflichten, sondern mich mit dem Aufbau von Microsoft Schweiz beauftragen. Mein Einwand, ich hätte eine gut gehende Firma mit acht Angestellten, interessierte ihn nicht sonderlich. Da wir zunächst zu keiner Einigung kamen, plauderten Gates und ich weitere vier Stunden unter anderem über eine gemeinsame Leidenschaft: Autos und Oldtimer. Nach drei oder vier Monaten Bedenkzeit meinerseits waren wir uns dann doch in der Gründungsfrage einig. Per 1. Juli 1990 eröffnete ich Microsoft Schweiz.

CW: Wer waren Ihre ersten Kunden in der Schweiz?

Blum: Das waren Distributoren – Also Schweiz, Computer 2000 und später Wyrsch Trading. Mit ihnen baute ich das Wiederverkaufsnetz in der ganzen Schweiz auf. In den folgenden zehn Jahren waren wir sehr erfolgreich.

CW: Wie haben Sie die Entwicklung von Microsoft zum Marktführer in den 1990ern erlebt – oder gestaltet?

Blum: Der Zeitraum zwischen 1990 und 1997 war im deutschsprachigen Raum vom Aufbau geprägt. Die Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien existierten bereits. Neu kam die Schweiz hinzu. Wir wurden aus einem Grosslager in Deutschland beliefert, in dem ein Microsoft-Angestellter noch einen Lederjackenhandel betrieb. Für den Nebenerwerb wurde das Lager bald zu klein, sodass sich der Kollege einen anderen Platz suchen musste. In den Anfängen war das Geschäft mit Microsoft-Produkten ein reines Wiederverkaufsgeschäft. Einen Direktvertrieb gab es damals noch nicht. Entsprechend war die Schweizer Organisation zuerst ein Verkaufsteam. Später kamen noch Schulungen und die Entwicklung eigener Lizenzmodelle hinzu. Bis 2001 wuchs Microsoft in der Schweiz auf ca. 250 Mitarbeiter, in Österreich auf 150 und in Deutschland auf rund 1000. Insgesamt wurde in den drei Ländern ein Umsatz in Höhe von etwa 1,6 Milliarden Franken erwirtschaftet.

CW: Gab es ein bemerkenswertes oder kurioses Ereignis während Ihrer Jahre bei Microsoft Schweiz?

Blum: Ja, durchaus. Als Bill Gates 1995 die Schweiz besuchte, landete sein Flugzeug in Bern Belp. Ich bot an, ihn abzuholen. Allerdings realisierte ich, dass im Ankunfts­terminal sicher 50 Journalisten warteten, die auf ein Foto oder ein Statement von Gates hofften. Also bat ich den Fahrer, an das Ende der Landepiste zu steuern, wo niemand wartete und Gates unbehelligt zusteigen konnte. Dann fuhren wir in die Berner Innenstadt zum Bundeshaus, in dem wir mit Bundespräsident Kaspar Villiger sowie weiteren Politikern und Journalisten verschiedene Meetings hatten.

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CW: Wie war Ihr Verhältnis zu den Microsoft-Mitgründern Steve Ballmer und Bill Gates?

Blum: Mit Steve Ballmer pflegte ich stets ein sehr herz­liches und offenes Verhältnis. Allerdings war die Arbeit mit ihm auch knallhart. Ballmer ist hochintelligent und sehr getrieben von Marketing sowie Sales. Er arbeitete bis zum Umfallen mit dem höchsten Commitment, was ich jemals erlebt habe von einer Person für eine Firma. Mit Bill Gates war das Verhältnis anfangs noch distanziert. Über die Jahre hinweg näherten wir uns aber sehr an – auch über das Geschäftliche hinaus. Auch für ihn stand das Business immer an erster Stelle, wobei er aber stets darauf achtete, dass der Spass nicht zu kurz kam. Die Partys mit Gates waren legendär. Hier über Details zu sprechen, verbietet jedoch der Anstand. Durch die herausragenden Geschäfte in der Schweiz, die in den zehn Jahren unter meiner Führung eines der profitabelsten Länder war, hatte ich viele Freiheiten. Einmal im Jahr wurden wir zur Budgetpräsentation nach Redmond eingeflogen. Dort konnte ich zumeist berichten, dass die Schweiz ihre Ziele übertroffen hatte. Den entsprechenden Bonus gab ich in Form von «Big Partys» an die Mitarbeiter in der Schweizer Niederlassung weiter.

Peter A. C. Blum (l.) mit dem dama­ligen Microsoft-CEO Bill Gates im Jahr 1995 an einer Fragerunde im Bundeshaus Peter A. C. Blum (l.) mit dem dama­ligen Microsoft-CEO Bill Gates im Jahr 1995 an einer Fragerunde im Bundeshaus Zoom© Peter A. C. Blum privat
 
CW: Wie war Ihr beruflicher Werdegang nach Ihrem Ausscheiden bei Microsoft 2001?

Blum: Nach dem Abgang bei Microsoft dauerte es einen Monat, bis 14 meiner ehemaligen Microsoft-Mitarbeiter mir den Vorschlag unterbreiteten, gemeinsam eine Firma zu gründen. Es entstand das Software-Haus Skybow, das ich nach weiteren zehn erfolgreichen Jahren wieder verkaufte. Zudem stieg ich 2002 bei Goldbach Media als Verwaltungsratspräsident ein. Als die Firma 2007 an die Börse ging, gab ich den Vorsitz ab, blieb aber noch bis 2015 im Verwaltungsrat. Daneben gründete ich im Jahr 2003 mit einem Freund die erste Billigfluggesellschaft der Schweiz. Die Helvetic Airways verkauften wir dann 2006.

CW: Haben Sie noch heute Bezug zu Microsoft Schweiz?

Blum: Wenig. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums nahm ich 2014 an einem Anlass mit allen früheren CEOs von Microsoft Schweiz teil. Abseits davon vermeide ich es, unnötig mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten.

CW: Sind Sie weiterhin operativ tätig?

Blum: Ja, allerdings nicht mehr im IT-Markt. Ich bin seit 2013 Verwaltungsratspräsident von SwissComply. Die Firma bietet Dienstleistungen für Vermögensverwalter, Family Offices und kleinere Banken an. Wir beraten die Kunden zu den neuen Regulierungsvorschriften wie Fidleg, Finig etc. betreffend Compliance- und Riskmanagement. Im Jahre 2010 gründete ich zudem – als reines Hobby – gemeinsam mit Freunden die Webseite Zwischengas.com. Das digitale Nachschlagewerk listet ausnahmslos alle Oldtimer – inklusive sämtlicher technischen Daten. Zwischengas.com hat sich unterdessen zum grössten deutschsprachigen Oldtimer-Portal entwickelt.

CW: Natürlich bietet sich hier die Frage nach Ihrem absoluten Lieblingsauto an …

Blum: [lacht] Eines meiner Autos, das mir wirklich am Herzen liegt, ist der Jaguar XK 150 S. Mit dem zweisitzigen Roadster war ich viel unterwegs, fuhr unter anderem Rallyes in Frankreich und Marokko. Mein Modell von 1957 ist nicht einmal besonders selten oder teuer. Aber ich bin mit ihm während der letzten 20 Jahre immer gerne und zuverlässig unterwegs gewesen.

Zur Person

Peter A. C. Blum gründete 1979 die Software-Firma Computer-Terminal AG. Zehn Jahre später übernahm er als erster General Manager die Leitung von Microsoft Schweiz. Das Unternehmen baute er während zehn Jahren auf. Anschliessend startete er mit Skybow eine weitere Firma, die er ebenfalls nach zehn Jahren verkaufte. Parallel war Blum an der ersten Schweizer Billigfluggesellschaft, Helvetic Airways, beteiligt. Goldbach Media und heute SwissComply waren weitere Stationen.

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