Raiffeisen lanciert Onlinekontoeröffnung

Raiffeisen erspart Kunden den Weg in die Filiale. Services wie Kontoeröffnung, Identifikation und Vollmachten können sie neu online erledigen.

von Mark Schröder 16.08.2016

Die Raiffeisenbank lanciert die Onlineidentifikation von Kunden für Kontoeröffnung und das Erteilen von Kontovollmachten. Der Service RaiffeisenIdent wendet sich sowohl an Privat- als auch an Firmenkunden. Mit dem Videoidentifikationsverfahren (ähnlich denen von Glarner Kantonalbank, PostFinance und UBS) will die Bank natürlich Prozesse straffen. Gleichzeitig werden neue eingeführt. 

Das Admin-Tool von Raiffeisen Das Admin-Tool von Raiffeisen Zoom© Raiffeisen

Auf der Benutzerseite steht die Onlineidentifikation bei der Kontoeröffnung, der rechtlichen Identifikation, Namensänderung, Volljährigkeit und bei Kontovollmachten bereit. Firmenkunden können Kontovollmacht oder Kontoberechtigungen über das neue Angebot abwickeln. Wie Pascal Dürr, Leiter Konzeption & Design Kunden-Kanäle bei Raiffeisen, auf Anfrage erklärt, benötigen die User einen marktüblichen Internetbrowser, ein Mikrofon und eine Webcam. Alle Services sollen auch am Smartphone funktionieren. «Für den Videochat raten wir zurzeit zur Nutzung von Desktop», sagt er.

Ausweisprüfung per Videochat

Den Vorzug von Desktop gegenüber dem Smartphone gibt Dürr wegen der hohen Vorgaben bei Datenschutz und Datensicherheit. Während des Videochats wird unter anderem ein Ausweisdokument geprüft. «Welche Merkmale genau geprüft werden respektive welcher Mechanismus dahintersteckt, können wir aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben», erklärt Dürr. Der Check sei vergleichbar mit der Prüfung eines Geldscheins: Hier seien einige der Sicherheitsmerkmale bekannt, andere seien versteckt.

Pascal Dürr, Leiter Konzeption & Design Kunden-Kanäle bei Raiffeisen Pascal Dürr, Leiter Konzeption & Design Kunden-Kanäle bei Raiffeisen Zoom© Raiffeisen  

Das Online Onboarding der Raiffeisen basiert auf einer Vorschrift der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Sie hatte erst Anfang Jahr dafür grünes Licht gegeben. Nach den Worten Dürrs wolle die Bank den Vorschriften nicht nur genügen, sondern sie übertreffen. Deshalb wurde unter anderem mit der Schweizer Firma CB Financial Services eine Lösung entwickelt, die spezifische Sicherheitsmechanismen aufweist: Dürr nennt als besondere Prüfungen erstens das automatische Auslesen der Codierzeile (Machine Readable Zone, MRZ) der ID und zweitens die Zwei-Faktor-Authentifizierung mit Passwort und SMS-Code bei der Registrierung sowie jeder Anmeldung.

Herausforderung Unterschrift

Vollkommen elektronisch funktioniert die Kontoeröffnung respektive Onlineidentifikation allerdings auch bei Raiffeisen nicht. Wie Dürr erklärt, besteht ein Medienbruch, weil Verträge mit Kreditbezug vom Kunden noch handschriftlich unterzeichnet werden müssen. Die eigenhändige Unterschrift könne zwar durch eine digitale Signatur ersetzt werden. Für das Einrichten dieser Signatur verlange das ZertES (Bundesgesetz über die elektronische Signatur) aber das persönliche Erscheinen. Damit käme es wieder zu einem Medienbruch. 

Der Raiffeisen-Manager sieht für die Zukunft von rein elektronischen Bankgeschäften zwei Optionen: Die einfachste Lösung wäre, wenn der Bundesrat per Ausnahmeregelung das obligatorische persönliche Vorsprechen bei elektronischen Signaturen kippt. Für andere Anwendungen sei dies schon möglich, für Finanzdienstleister (noch) nicht, weiss Dürr. Die zweite Option wäre: Die Videokonferenz würde dem persönlichen Erscheinen gleichgestellt. Dann könnte der gesamte Onboarding-Prozess online durchgeführt werden.

Kleiner Wermutstropfen für Raiffeisen: Auch Glarner Kantonalbank, PostFinance und UBS haben das gleiche Problem. Auch bei der Kontoeröffnung der Marktbegleiter muss ein Papier ausgedruckt, unterschrieben und an die Bank geschickt werden.


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