Kommentar 26.11.2004, 11:15 Uhr

Das Freitagsbit: Es lebe die Compukratie!

Die WWKolumne
Mein PC ist das Volk. Er hat mit seinesgleichen schon längst die Macht im Staat erlangt. Dieses Gefühl beschleicht mich, wenn ich lese, wie derzeit in den USA das Wahlresultat erneut angezweifelt wird [1] [2]. Ich brauche keine Studien um zu merken, dass man seine Wahlzettel nicht einer Blackbox anvertrauen sollte, über deren Innenleben niemand genau Bescheid weiss und die keine Papierquittung ausspuckt.
Eine andere Form der PC-Gläubigkeit ist die Datenbankitis, die in letzter Zeit verschiedene Unternehmen des öffentlichen Verkehrs befallen hat, die in ihren "Schwarzfahrer-Datenbanken" auch Stammkunden erfassen und alle ticketlosen ÖV-Benutzer durch einen Münzschlitz fallen lassen - der zuweilen auch Falschgeld annimmt.
Die deutschsprachige Betaversion der neuen MSN-Suchmaschine wäre mit der Aufgabe einen Fünfliber von einem Zweifränkler zu unterscheiden wohl völlig überfordert. Sie vermutet nämlich nach Eingabe des Wortes "Staatsexamen" unzweideutige Absichten. Lustigerweise akzeptiert sie dagegen "Sextant" und "Sextett". "Sex and the City" (Carrie! Pro Sieben!) und "Sex in the City" (Terry! Dialer!) sind moralisch unbedenklich, während Ferkeleien im Zusammenhang mit "Sexualität" präventiv abgeblockt werden.
Als Zensor in der Compukratie taugt die Suchmaschine nicht viel. Aber meine Hoffnungen auf einen Sieg über die Maschinen werden seit kurzem durch seltsame Aufgebote für die Armee und Aufrufe zum Widerstand gegen die linuxiierung des IT-Landes getrübt. Sie treffen per E-Mail ein und lassen nur einen Schluss zu:
Mein PC muss vor kurzem zum Geheimdienstchef ernannt worden sein.



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