Phänomen Black Friday: Was hat es damit auf sich?

Die Schnäppchentage wie Black Friday haben sich auch in Europa etabliert. Zusätzliche Umsätze in Milliardenhöhe werden erwartet. Was steckt dahinter?

von dpa, fby 19.11.2018

Black Friday, Cyber Monday, Singles' Day: Eine Flut neuer Schnäppchentage schwappt auch in die Schweiz und läuft dem klassischen Schlussverkauf den Rang ab. Der wichtigste Unterschied: Die Rabatte gibt es schon zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts und nicht erst in den letzten Tagen vor oder gar nach dem Fest. Allein der Black Friday am kommenden Freitag (23. November) und der Cyber Monday drei Tage später dürften nach Expertenmeinung weltweit für zusätzliche Umsätze in Milliardenhöhe sorgen.

Einer der Vorreiter bei dieser Entwicklung ist der US-Internetgigant Amazon. Unter dem Motto Jetzt schon günstig Weihnachtsgeschenke shoppen führt der Konzern ab dem 19. November eine ganze Cyber-Monday-Woche mit Zehntausenden Angeboten (allerdings ist Amazon noch nicht in der Schweiz vertreten) durch. Er ist damit nicht allein: Media Markt lädt am 23. November zum Red Friday. Zalando macht natürlich auch mit. Seiten wie blackfridaysale.de listen Hunderte von Teilnehmern an dem Rabattspektakel auf. Sogar Lidl macht mit.

Relevanz von Aktionstagen

«Aktionstage wie der Black Friday oder der Cyber Monday werden immer wichtiger für den Handel. Wir haben gesättigte Märkte in Deutschland. Da braucht man solche Anlässe, damit die Leute mehr kaufen», ist der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU überzeugt.

Doch ist die frühe Schnäppchenjagd nicht unumstritten. «Schon zu Beginn des wichtigen Weihnachtsgeschäfts mit Preisnachlässen um sich zu werfen, macht eigentlich keinen Sinn. Die Rabatte sollten erst am Ende der Saison kommen», urteilt Branchenkenner Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Die Händler hätten allerdings kaum eine Wahl, glaubt Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln: «Wer nicht mitmacht, muss befürchten, am Ende auf seinen Waren sitzenzubleiben.»

Dass das Rotstift-Spektakel schnell nach hinten losgehen kann, erlebte im vergangenen Jahr Deutschlands grösster Elektronikhändler Ceconomy (Media Markt, Saturn). Einerseits war der Black Friday 2017 der umsatzstärkste Tag in der Geschichte des Unternehmens. Andererseits musste Ceconomy dafür einen hohen Preis zahlen. Denn die vorgezogenen Käufe sorgten dafür, dass das Geschäft im Dezember schlechter lief als erwartet und sich neue Geräte in den Filialen und Lagern stapelten. Am Ende machte der Elektronikhändler im Weihnachtsgeschäft deutlich weniger Gewinn als im Vorjahr.

Nach einer Umfrage der zur Unternehmensberatung McKinsey gehörenden Analysefirma Persicope wollen in diesem Jahr drei Viertel der Deutschen am Black Friday auf die Suche nach Schnäppchen gehen. «Wir beobachten am Black Friday zwei unterschiedliche Kundentypen. Es gibt die Schnäppchenjäger, die sich vom Angebot überraschen lassen und einen guten Deal suchen. Und es gibt die Smart Shopper, die schon seit Längerem einen bestimmten Einkauf planen und auf die Black-Friday-Woche warten, um das Gewünschte vielleicht günstiger einkaufen zu können», weiss der Co-Chef des deutschen Onlinemöbelhändlers Home24, Marc Appelhoff.

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