BlackBerry steigt aus der Smartphone-Entwicklung aus

John Chen macht Ernst: Nach anhaltenden Verlusten hat der BlackBerry-Chef nun offiziell angekündigt, keine Smartphones mehr selbst zu entwickeln.

von Stefan Bordel, dpa 29.09.2016

Der Smartphone-Pionier BlackBerry will nach andauernden Verlusten keine Smartphones mehr selbst entwickeln. Diese Arbeit solle an Partner ausgelagert werden, kündigte BlackBerry-Chef John Chen am Mittwoch an. Ein Beispiel für die neue Strategie sei ein Telekom-Gemeinschaftsunternehmen in Indonesien, in dem BlackBerry sich auf die Software-Entwicklung fokussiert.

BlackBerry hatte die Anfangsjahre des Smartphone-Geschäfts geprägt, seine Geräte wurden jedoch von Telefonen mit dem Android-System von Google und dem iPhone von Apple verdrängt. Der Marktanteil war zuletzt auf 0,1 Prozent geschrumpft.

Fokus auf das Software-Geschäft

Chen richtet BlackBerry nun vor allem auf das Geschäft mit Software und Dienstleistungen für Unternehmen aus und will so im laufenden Geschäftsjahr aus der Verlustzone kommen. Er hatte wiederholt angekündigt, dass er aus dem Hardware-Geschäft aussteigen werde, wenn es nicht aus den roten Zahlen kommt. Erwogen wurde bereits auch, das eigene Betriebssystem aufzugeben und auf Android umzusteigen.

Mit den Modellen Priv und DTEK50 sind bereits zwei Android-Modelle von BlackBerry am Markt vertreten. Letzteres wird zudem vom chinesischen Hersteller TCL produziert, der ebenfalls das baugleiche Alcatel Idol 4 fertigt. Die Kanadier liefern lediglich ihre angepasste Android-Version, die vor allem mit Business- und Security-Funktionen punkten möchte.

Die vormals exklusiven BlackBerry-Apps wie etwa der BlackBerry Hub sind nun ausserdem über den Google Play Store für alle Android-Nutzer erhältlich. Hier zeigt sich bereits die stärkere Fokussierung des Unternehmens auf die Software-Sparte. Dass BlackBerry das Thema Android nicht halbherzig angeht, haben die Kanadier bereits mit ihrem raschen System-Hotfix für den QuadRooter-Bug bewiesen. Die kritische Sicherheitslücke wurde schon geschlossen, bevor Google einen vollständigen Patch ausgespielt hatte.

An den ernüchternden Geschäftszahlen ändert dieses Engagement jedoch nichts: In dem Ende August abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal verbuchte BlackBerry einen Verlust von 372 Millionen US-Dollar nach einem kleinen Gewinn von 51 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel von 490 auf 334 Millionen Dollar.


    Kommentare

    Keine Kommentare

    Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.